Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1750

Six Reasons To Kill

Storie von: arne, am 15.02.2011 ]

Mit „Architects Of Perfection“ gelingt den Koblenzern also doch noch der Sprung auf ein etabliertes, großes Metal-Label. SIX REASONS TO KILL sind mit ihrem vierten Album auf Massacre Records angekommen und spielen auf diesem zwanglos damit, mal ihre Death-Ausrichtung zu betonen, dann in den Thrash zu wechseln, toughe Hardcore-Zitate einzustreuen und mal dem MetalCore zu huldigen.

 
Fast schien es so, als hätten SIX REASONS TO KILL ihren Frieden damit gefunden, ihre Platten auf dem bandeigenen Bastardized zu veröffentlichen und aus der damit gegebenen Autonomie heraus zu agieren. Zuletzt hatten die Koblenzer 2008 mit „Another Horizon“ ihr Standing in der Metal-Szene unterstrichen und ihre Position überzeugend gefestigt. Dann kam doch noch das große Signing:

„Das ist eigentlich nicht so problematisch, wie man vielleicht vermutet,“ äußert sich Schlagzeuger Flo. „Man muss sehen, dass Massacre uns die Türen in weitere Bereiche des Musik-Business öffnet. Sie haben ein weltweites Vertriebsnetz und glänzende Promo-Kontakte, von denen wir profitieren. Das ist ein weiterer Schritt nach vorne für uns. Bastardized war für uns eine angenehme und sichere Heimat. Man macht natürlich ein Fass auf, wenn man sich aus so einer lauschigen Idylle verabschiedet, um zu Massacre zu wechseln. Das sehen wir aber gelassen, denn wir vertrauen auf unsere Fähigkeiten und die Qualität des Albums. Außerdem sind das alles total nette und umgängliche Jungs, weshalb die Zusammenarbeit sehr viel Spaß macht. Und so ganz weg von Bastardized sind wir ja gar nicht – die schicke Vinyl-Version erscheint dort.“ Ein Titel wie „Architects Of Perfection“ drückt Selbstbewusstsein aus und lädt dazu ein, die einzelnen Songs an der Messlatte der Perfektion zu messen. Dabei haben ihn SIX REASONS TO KILL aufgrund anderer Überlegungen gewählt:

„Wer sich so an das Album heranwagt, soll die Platte einfach mal hören,“ meint Flo lachend. „Dann wird er erkennen, was mit dem Titel wirklich gemeint ist. Im Ernst: Der Titel spielt auf ein ganz anderes Thema an und ist nicht programmatisch gewählt. Wir alle sind „Architects Of Perfection“, indem wir bestimmten Normen nacheifern. Die Frage ist, wer solche Normen generiert, die die Messlatte für Perfektion festlegen. Ich will gar nicht anfangen, zum Beispiel die Normen im Dritten Reich tiefer zu hinterfragen. Aber der tödliche Antisemitismus jener Zeit war durchaus etwas, was man als Norm oder Ideal bezeichnen kann – ein tödliches Ideal. Um es abzukürzen: Normen und Ideale, also Vorstellungen von Perfektion, sind nicht in jedem Fall gut und erstrebenswert. Darauf spielt der Titel an. Wir haben uns aber sicherlich auch musikalisch weiter entwickelt. Ich denke, das fällt auf, sobald man die ersten Töne der Platte hört. Auch die Produktion ist für mein Empfinden wieder einen Tick besser ausgefallen. Alles in allem sehe ich die Platte im Moment als unser perfektestes Album an. Insofern ist der Titel dann doch irgendwie programmatisch.“

Von ihrem neuen Label Massacre werden die Koblenzer unter dem Banner MetalCore ins Rennen geschickt, was angesichts des beinharten und um Core-Elemente entschlankten Sounds überrascht: „Wir verfügen immerhin über Einflüsse aus beiden Bereichen: Hardcore und Metal. Insofern ist diese Bezeichnung schon ein treffender Terminus. Ich persönlich hab mit der Schublade kein Problem, auch wenn ich uns eher im Death Metal-Bereich sehe. Es


ist ja nichts Anderes als eine Stilbezeichnung. Wenn sich irgendwer daran stört, dass man die Musik vor ein paar Jahren MetalCore genannt hat, soll er sich das Album anhören und dann entscheiden, was er davon hält. Alles Andere zählt nicht. Musik nur wegen einer von Verkaufsstrategen gewählten Kategorie abzulehnen, wird der Kunst nicht gerecht.“ Zumal SIX REASONS TO KILL eine der wenigen Bands mit MetalCore-Vergangenheit sind, die sich nun voll und ganz dem Metal zugewandt haben und sich in dieser Sparte auch haben durchsetzen können:

„Ich glaube, wir waren nie so ganz die reine MetalCore-Kapelle, wie sie im Lehrbuch steht,“ meint Schlagzeuger Flo. „Ich will und muss gar nicht bestreiten, dass wir diesem Genre angehören oder angehört haben und dass wir auch viel gemacht haben, was man unterm Strich diesem Genre zuordnet. Aber für mein Empfinden waren da auch immer Elemente anderer Metal-Genres mit im Spiel. Vielleicht hat sich das angedeutet und das neue Album ist jetzt die logische Konsequenz; die finale Konsolidierung unserer Musik im Metal. Wer weiß?“ Die wahrnehmbaren Unterschiede zwischen „Another Horizon“ und „Architects Of Perfection“ benennt der Musiker wie folgt: „Ich denke, dass das neue Album stellenweise brachialer und kompromissloser ist, als alles zuvor. Wir haben einfach kompromisslos nur das gemacht, worauf wir gerade Bock hatten. So ist zum Beispiel ein Song wie ,My Poison‘ entstanden, den man von uns sicherlich so früher nicht erwartet hätte. Aber ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass es mehr in die Tiefe geht. Deine Einschätzung erfreut mich auch, weil sie bestätigt, dass wir uns hörbar entwickelt haben. Wir haben viel getüftelt und auch Dinge wieder verworfen, die wir nicht 100 % vertreten wollten. Insgesamt haben wir gut ein Jahr an den Songs geschrieben. Sie waren soweit fertig komponiert, als wir mit den Aufnahmen begonnen haben. Natürlich experimentiert man noch mal ein bisschen, wenn man dann im Studio ist. Und sicherlich ändert man auch noch Kleinigkeiten. Aber das sind wirklich nur kleine Dinge, die nicht so stark ins Gewicht fallen. Loc, unser Gitarrist und Hauptsongwriter, hat meistens eine klare Vorstellung von dem, wie der Song hinterher klingen und funktionieren soll. Ich denke, das trägt dazu bei, dass das Ergebnis trotz aller Vielschichtigkeit so homogen ausfällt.“

In dieser Richtung belegen SIX REASONS TO KILL tatsächlich einen enormen Schritt nach vorn: „Wir achten heute mehr auf die Dinge, die wir wirklich gut beherrschen,“ weiß Flo. „Das neue Album ist ein Beispiel dafür. Es ist das Ergebnis einer langjährigen persönlichen und musikalischen Entwicklung, die sich da bemerkbar macht. Auf diesem Nährboden sind dann auch experimentellere Dinge auf dem Album entstanden, ohne dass es da große Diskussionen gab. Man weiß einfach, was man machen kann, und das klingt dann trotzdem noch nach uns. Diesem Wert unseres eigenen Schaffens sind wir uns sehr bewusst und wir wissen, dass das ein wertvolles Gut ist, das wir uns erhalten müssen.“

 
 Links:
  facebook.com/sixreasonstokill
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  As I Lay Dying
  Cult Of Luna
  Despised Icon
  The Menzingers
  Entrails

Interviews/Stories:

  Brutality Will Prevail
  Uzziel
  Carnifex

Shows:

  17.09. Off With Their Heads - Leipzig
  18.09. Amanda Palmer - Stuttgart
  18.09. Off With Their Heads - Hamburg
  19.09. Amanda Palmer - Essen