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Skeletonwitch

Storie von: arne, am 12.10.2011 ]

Die Amerikaner von SKELETONWITCH spielen beileibe keinen Konsens-Crossover, doch die brachiale, unheilvolle Verbindung von Elementen aus dem Bay Area-Thrash, Death, Black und Heavy Metal hat es nun einmal in sich und spricht Stil-übergreifend die unterschiedlichen Hörerlager an, die nach versierten Soli, markanten Riffs, wilden Posen und deftigem Druck gieren. Gepaart mit der gegebenen Fan-Perspektive, aus der heraus die Musiker agieren, und dem natürlich treffsicheren Songwriting von SKELETONWITCH wartet „Forever Abomination“ mit brachialen, schwergewichtigen Hymnen auf, die eine Brücke zwischen den wichtigen Standards der Metal-Historie und einem zwanglosen Blick in die Zukunft der Spielart schlagen.

 
„Es ist schon verrückt, wie sich die Dinge für uns entwickelt haben, und was wir schon alles abgerissen haben,“ meint Gitarrist Scott Hedrick zum Auftakt des Gesprächs. „Die letzten sieben oder acht Jahre sind für uns eine fast ununterbrochene Tour gewesen, die uns in fast alle Winkel der Erde gebracht hat. Mittels harter Arbeit und massiver Live-Präsenz wollten wir so viele Leute wie möglich erreichen und uns so einen Namen im Metal machen. Mit Blick auf die Aufregung rund um unsere neue Platte kann ich aus voller Überzeugung sagen, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. Das Interesse ist enorm, obwohl bislang kaum jemand „Forever Abomination” überhaupt gehört hat. Ohne zu viel zu verraten, kann ich den Fans versprechen, dass es mehr von allem gibt und wir die Band und unseren Sound auf das nächsthöre Level gehievt haben. Das gilt sowohl für das Songwriting und die Produktion als auch für unsere Auftritte und alles drum herum. Alles ist noch größer und aufregender und das sowohl für die Fans als auch für uns gleichermaßen. Das Interesse an uns, die damit verbundene Unterstützung des Labels und die erweiterten Möglichkeiten spornen uns an, immer mehr zu geben, um als Band zu wachsen und SKELETONWITCH weiter voran zu bringen.“

Die Musiker aus Athens, Ohio haben für sich den harten Weg über endloses Touren gewählt, um sich eine Fan-Basis aufzubauen, und dieser Weg erwies sich als überaus erfolgreich: „Die Leute lassen sich ja nicht vorschreiben oder darin beeinflussen, was sie mögen sollen und was nicht. Fragen wie diese haben uns ohnehin nie beschäftigt, denn dass man es niemals allen recht machen kann, ist gesetzt. Natürlich wollen wir gehört und gemocht werden, doch wir folgen beim Songwriting allein unseren Vorlieben und Interessen. Andernfalls würde die Musik leiden und wir die Beziehung zu ihr verlieren, und dass kann nicht gut sein. Authentizität und Natürlichkeit sind die Schlüssel dazu, in dem, was man tut, gut zu sein und sich im besten Fall eine eigene Note anzueignen. Man muss zu den Leuten gehen und sich auf den Bühnen beweisen. Das ist es, was wir von Beginn an getan haben und was die Leute von unseren Qualitäten überzeugt hat,“ zeigt sich der Gitarrist überzeugt.

Gemeinsam durch die Hölle

Das Tour-Programm bringt bisweilen aber auch Eigenartiges zutage, wenn man sich anschaut, wie der Sound der Amerikaner auf Konzertpostern angepriesen wird: „Ich muss dir zustimmen, wenn du uns als Heavy-Crossover umschreibst, denn im Sound von SKELETONWITCH finden sich seit jeher die unterschiedlichsten Elemente. Das ist nicht überraschend, wenn man weiß, dass wir nahezu alle Substile des Metal hören und schätzen. Wer unseren Ansatz wirklich versteht, kann demnach nur über ebenso breit gefächerte Interessen verfügen wie wir. Witzig wird es jedoch, wenn wir in den USA touren. Abhängig davon, mit wem wir unterwegs sind, ordnen uns die Medien völlig unterschiedlich ein. Dann liest man Sachen wie „Death Metal Band SKELETONWITCH To Tour With Hate Eternal“, „Black Metal Band SKELETONWITCH To Tour With Nachtmystium”, „Thrash Metal Band SKELETONWITCH To Tour With Municipal Waste” oder auch „Black Rock and Roll Band SKELETONWITCH To Tour With Valient Thorr”. Eben so, wie man es gerade braucht. In Europa ist es zwar einheitlicher, doch warum man uns bei euch als Retro-Thrash bezeichnet, können wir auch nicht nachvollziehen. Ich will nicht abstreiten, dass es bei uns eine Menge Elemente aus dem Thrash gibt, doch das ist nur eine der Quellen unserer Einflüsse und beileibe nicht die einzige. Unser Sound ist weitaus breiter angelegt und eigentlich nicht als eindimensional zu verstehen. Hoffentlich ändert sich der Blick auf uns im Zuge der Veröffentlichung von „Forever Abomination“.“ Das Drittwerk der Band sucht sich rabiat und ruppig, aber auch eingängig und songdienlich, seinen Weg durch die Welt des Metal und das ausgewiesen leidenschaftlich und schwergewichtig: „Uns treibt die Liebe zum Metal an. So einfach ist es,“ erklärt Scott Hedrick den Ansatz seiner Band. „Metal ist das, was wir am besten können und was wir tun wollen. Bis heute sind wir noch immer vor jeder Show nervös. Es ist für uns jeden Abend aufregend, so als wäre es unser erster Auftritt überhaupt. Nichts ist damit vergleichbar und ich möchte keinen anderen Job auf der Welt haben. Als Musiker finde ich volle Erfüllung. Ein Schlüssel zur Kontinuität von SKELETONWITCH und unserem stabilen Line-Up ist die Tatsache, dass wir alle auch außerhalb der Band viel gemeinsam unternehmen und eng befreundet sind. Wann immer wir zwischen den Touren Freizeit zu Hause haben, dauert es nie länger als ein oder zwei Tage, bevor wir uns wieder zusammen telefonieren und gemeinsam abhängen oder etwas unternehmen. Im Schnitt touren wir jedes Jahr zwischen sieben und acht Monaten. Wir verbringen demnach richtig viel Zeit miteinander und sind zusammen mehr als nur ein Mal durch die Hölle gegangen und doch immer wieder zurück gekommen. Wir wissen das, was wir haben, zu schätzen und werden weiterhin unsere eigenen Touren buchen, Platten veröffentlichen und niemals aufstecken.“

Leidenschaft und Attitüde

In Bezug auf die eigene Band kann man als Musiker nur schwerlich objektive Aussagen treffen, doch gerade zur Einordnung des Sounds von SKELETONWITCH musste der Gitarrist nochmal ran: „Wir spielen Metal, und natürlich ist es unser Ziel, ihn so gut wie möglich anzulegen. Wir achten seine große Historie, schauen aber gleichzeitig in die Zukunft. Keiner Band wird es gelingen, das Buch des Metal völlig neu zu schreiben, doch es ist unsere Absicht, ihm ein weiteres Kapitel hinzu zu fügen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, die Gruppen zu respektieren, die die Grundlagen und Standards gesetzt haben.
Man muss sie kennen, was nicht gleichbedeutend damit ist,


dass man sie kopiert oder sich unnötig limitiert, weil man nur eine bestimmte Art von Bands als Inspiration nimmt. Uns sind breite Einflüsse wichtig. Gerade aus diesem Grund ärgert uns das Retro-Thrash-Label so sehr. In dieser Szene gibt es viele gute Bands, die mit sich und ihrer Aufstellung völlig zufrieden sind. Uns wäre es aber zu wenig, nur Retro-Thrash zu sein. Wir versuchen schließlich nicht, die verloren gegangenen Alben von Nuclear Assault oder Demolition Hammer zu schreiben. Allenfalls übernehmen wir von ihnen Aspekte wie den Klang der Gitarren oder die Produktion, jedoch niemals 1:1 ihren Sound. Die großen Thrash-Kombos kann man doch nicht mehr übertrumpfen. Sie lediglich nachzuahmen, hat keinen Reiz. Wir lernen von denen, die vor uns die Messlatte hoch geschraubt haben und suchen unsere eigenen Ausdrucksformen und Trademarks. Hoffentlich haben wir mit meiner Antwort jetzt nicht alle deutschen SKELETONWITCH-Fans verloren, haha. Worauf es am Ende ankommt, ist es, gute Metal-Songs zu schreiben, und genau das tun wir. Seit ich als Teenager „Don’t Break The Oath“ von Mercyful Fate gehört habe, ist mein Leben nicht mehr dasselbe. Wenn es uns mit SKELETONWITCH gelingt, ähnliche Reaktionen bei unseren Hörern hervor zu rufen, haben wir unseren Job gut gemacht.“

Das Drittwerk der Band aus Ohio birgt das Potenzial dazu, insofern haben Scott Hedrick & Co. allen Grund zur Zufriedenheit und einem erwartungsfrohen Blick in die Zukunft: „Breite Einflüsse sind in unserem Sound schon immer präsent gewesen, doch dieses Mal lassen wir sie noch offensichtlicher zutage treten. „Breathing The Fire“ war sehr kompakt und zielte weitaus stärker auf das Brutale ab. Es ging uns darum, alles zu zerstören, was sich unseren Songs in den Weg stellte. Melodien und Harmonien gab es durchaus, doch sie sind im Hintergrund versteckt und nicht offensichtlich eingebunden. Bei „Beyond The Permafrost“ standen dann Melodien und Harmonien zentral. Gleichzeitig fiel das Gitarrenspiel traditioneller aus. Die NWOBHM ist zu dieser Zeit einer unserer großen Impulsgeber gewesen. „Forever Abomination“ ist nun der logische nächste Schritt, der unseren bisherigen Weg resümiert, jedoch auch eine natürliche Weiterentwicklung belegt. Je länger man eine Sache macht, desto besser wird man, sofern Motivation und Willen nicht nachlassen. Wir haben mehr denn je Anstrengung und Aufwand investiert. Das äußert sich in allen Facetten des neuen Albums. Wir sind bessere Songwriter und Musiker, was es uns ermöglicht, den Sound von SKELETONWITCH klarer zu akzentuieren und herauszustellen. Die größte Herausforderung bestand darin, eingängige und wiedererkennbare Songs zu schreiben, die dennoch hart sind und den Leuten etwas bedeuten. Was die einzelnen Hörer anspricht, ist individuell verschieden. Bands und ihre Songs haben auch auf mich ganz unterschiedliche Wirkungen. Höre ich Motörhead, will ich Bier trinken, abfeiern und Dinge zerstören. Als frustrierter Teenager habe ich Emperor gewählt, wenn ich mich abreagieren wollte, während mir Gruppen wie Slayer, Metallica, Pantera und Megadeth den Weg in den Metal geebnet haben. Jeder Fan hat seine eigene Geschichte und seine Favoriten. Ich hoffe, dass SKELETONWITCH bei möglichst vielen von ihnen Platz finden werden und die Leute etwas mit uns verbinden werden.“

Ein authentisches Rock-Feeling

Für das Quintett aus Athens spricht die bauchgesteuerte und emotionale Anlage des Metal-Crossovers zwischen Death, Thrash Black und Heavy-Metal. Auf „Forever Abomination“ geht es durch elf Tracks, die allesamt zum Headbangen einladen und nichts anderes als metallischen Spaß bringen: „Gerade in der amerikanischen Extrem-Szene gibt es den ausgeprägten Hang dazu, Emotionalität und Gefühle aus der Musik zu verbannen und allein auf Technik und maschinenartige Präzision abzustellen,“ meint der Gitarrist. „Der menschliche Aspekt und Songwriting spielen bei vielen Gruppen eine untergeordnete Rolle. Bei uns ist es genau entgegen gesetzt. Platten, die auch von Robotern stammen könnten, geben mir absolut nichts. Sich zwischendurch zurück zu lehnen und die Dinge auch mal schleifen zu lassen, ist nötig, um ein authentisches Rock-Feeling zu erschaffen. Das Stehen zu den eigenen Gefühlen und ihre Überführung in die Musik zeigen, dass man wirklich ganz bei der Sache ist. Kein noch so hohes Studio-Budget kann das künstlich hervorrufen oder imitieren. Jeder kann versuchen, wie AC/DC zu klingen – ihre Songs sind ja auch nicht zu kompliziert, um sie nachzuspielen – doch keine andere Band wird so klingen, wie sie.“ Deshalb ist es notwendig und wichtig, sich einen eigenen Stil anzueignen, der Wiedererkennung ermöglicht und im harten Wettbewerb differenziert. So, wie es SKELETONWITCH getan haben:

„Wir wussten haargenau, was wir wollten und wie wir es wollten, gerade jetzt beim dritten Album,“ erzählt Scott. „Als wir ins Studio gingen, waren alle Songs fertig und wir gut vorbereitet. Das Aufnehmen war die Kür und ein kurzer Prozess, nachdem die Pflicht und alle Arbeit erledigt gewesen sind. Extra-Songs oder Bonus-Stücke schreiben wir nicht, auch wenn unser Label gerne welche für die Veröffentlichung auf den verschiedenen Kontinenten hätte. Für uns stellt jedes Album eine Einheit dar. Wenn es fertig ist, gibt es darüber hinaus nichts mehr zu sagen. Wir schlagen uns jedenfalls nicht mit Songs herum, die nicht voll und ganz unseren Vorstellungen entsprechen. Andere Bands nehmen bis zu 30 Tracks auf und wählen anschließend die besten für ein Album aus. Für uns kommt eine solche Arbeitsweise nicht in Frage. Wir arbeiten fokussiert und vertrauen darauf, für jede Platte die besten Songs geschrieben zu haben, die uns zur Zeit ihres Entstehens möglich waren. Genau die wollen wir veröffentlichen – nicht mehr, nicht weniger. Guter Heavy Metal macht sich nicht an Quantität fest. Er spricht für sich selbst.“

 
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