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Sixxxten

Interview von: arne mit Hanno, am: 18.11.2011 ]

Bei SIXXXTEN bekommt man es im weiteren Verständnis mit deutschsprachigem Punk-Rock zu tun, der mit vielen elektronischen Akzenten und einer skurrilen Pop-Kante abgeschmeckt wird. „Automat Supérieur“ ist ein Album, das polarisiert und dazu einlädt, es entweder gnadenlos abzufeiern oder total abzustrafen. Die Hanseaten legen es darauf an, heftige Reaktionen hervor zu rufen. In der gesichtlosen, breiten Masse können sich ja die anderen Gruppen tummeln. SIXXXTEN treten mit breiter Brust und norddeutscher Attitüde an, wenn sie rüpeln, rocken oder zum Tanzen einladen.

 

Musicscan: Beschreibt doch eingangs bitte das Grundgefühl, mit dem ihr Automat Superieur veröffentlicht. Was überwiegt – Selbstbewusstsein, Erwartungsfreude, Unsicherheit, Zweifel,…?

Sixxxten: Freude. Unsicherheit ist non-existent. Wir müssen als Band ja keinerlei Erwartungen erfüllen. Weder die von „Fans“, noch vom Kommerz. Geld verdient da eh keiner mit, somit alles easy. Ich bin leider sehr ungeduldig, somit bedeutet die Veröffentlichung der neuen Platte auch gleichermaßen Tatendrang was neue Dinge betrifft. Ich habe den Kopf schon woanders. Es ist immer dasselbe. Aber wie gesagt: Wir finden die Platte super, die Presse sagt weitestgehend ähnliches und gibt sich sehr begeistert. Sowas freut einen natürlich. Schließlich ist es eben genau die Platte geworden, die es werden sollte. Wenn die Leute es dann mögen lachen eben alle. Und nicht, wie so oft, wieder nur wir allein. Haha.

Musicscan: …und wie ist es grundsätzlich um eure Einstellung und die Grundhaltung zur Band und Eurer Musik bestellt? Wie lässt sich das in Worte fassen?

Sixxxten: Mhh. eigentlich habe ich das bereits in der Frage davor beantwortet. Es ist ein schönes Gefühl nicht „abliefern“ zu müssen. Ich glaube wer die Band kennt und schätzt rechnet auch damit, das wir gern Dinge anders machen als gedacht. Es wäre sonst auch zu einfach. Und viel wichtiger: Es wäre unsagbar langweilig. Denn wenn es schon als Underground Act keine Kohle zu machen gibt, dann soll es wenigstens Spaß machen. Und fremde Erwartungen zu erfüllen und die eigenen hinten an zu stellen, macht eben überhaupt keinen Spaß.

Musicscan: Euer erstes Album erschien ja seinerzeit bei Bitzcore. Wie kam es nun zu der Zusammenarbeit mit Redfield? War das eine Zusammenarbeit, die ihr bewusst gesucht habt oder habt ihr nach den Aufnahmen von Automat Superieur ganz klassisch Bewerbungs-CDs verschickt und seid auf Suche gegangen?

Sixxxten: Ne, Alex vom Label wusste dass wir am Start sind und hat nach Musik gefragt. Es hat ihm gefallen. Wir haben uns unterhalten und dann war alles klar. Natürlich muss man auch noch sagen, dass er natürlich viel Geld dafür bezahlt hat um unsere Platte rausbringen zu dürfen. Und Geschenke gab´s auch noch. Wir haben nicht viele Demos verschickt. Haben uns bei Bekannten umgehört und dann war die Sache mit Redfield eben am coolsten. Wir hätten die Platte auch selber gemacht. Aber besser wenn wir kein Geld ausgeben müssen und keine Arbeit haben. Haha.

Musicscan: Grundsätzlich scheint ihr ja durchaus gerne eine Außenseiterposition einzunehmen – inwieweit kann ein Label wie Redfield aber einer Band wie Sixxxten helfen, die ja doch aus dem Rahmen des Labelprogramms fällt, sieht man von Dampfmaschine ab…

Sixxxten: Nun ja. Erstmal geht es ja eben in finanzielle Vorleistung. Das hilft UNS natürlich schon mal sehr. Haha. Des Weiteren geht es eben um vernünftige Vertriebsstrukturen und so´n Kram. Leider ist es auch so, dass du gerade als kleine Band ohne deal oft nicht ernst genommen wirst. Ich denke da speziell ans Booking und auch presseseitig wird es dann schwer. Wir sind halt eben keine Band mehr für die „Demo“-Seite in den Heften. Aber da landest du ohne vernünftiges Umfeld schnell.

Musicscan: Eine Band, wie die eure, ist offenkundig dem guten, alten DIY-Gedanken verschrieben. Was spräche für euch dagegen, die Kontrolle mal komplett in die Hand zu nehmen und euer Album selbst zu veröffentlichen und volle Verantwortung zu übernehmen?

Sixxxten: Siehe oben. Es war durchaus auch eine Überlegung. Aber so teilt man das finanzielle Risiko auf und, für mich am wichtigsten, gibt einen Großteil der eigentlichen Arbeit / Manpower ab. Wir sind ja alle berufstätig, oder zumindest mit anderen Sachen beschäftigt wie rumhängen und Fernsehen gucken. Da ist es schon besser wenn sich jemand kümmert. Aber im Ernst: Mehr selber machen als wir kann man als Band kaum. Wir machen das Artwork, machen eigene Videos, eigene Homepage, alles eben. Wir produzieren ja auch mit. Es ist ja nicht so, dass ein externer Produzent kommt und uns versucht in eine gewisse „Richtung“ zu lenken. Nein, wie du sagst: Das was an DIY da ist, ist wichtig, gesund und reicht mir so. Bei Kohle wird DIY auch ganz schnell mal zu RYS. Ruin yourself. Dank, kein Bedarf. Aber eben nicht um jeden Preis. Wäre Redfield nicht an Start gegangen hätten wir das sehr wohl selbst gemacht. Wir verfügen über gute Strukturen und hätten die Platte auch so in die Läden gekriegt.

Musicscan: Seit den späten Achtzigern und Neunzigern hat sich in der Hardcore-/Punk-/Noise-/Rock-Szenerie eine Menge geändert. Es gab Unmengen von Hypes und Trends; viele der Bands, die Jahre zuvor noch im Untergrund tätig waren, konnten auf einmal von der Musik leben und feierten Erfolge, die vorher unmöglich gewesen wären. Ihr seid ja noch mit den eher „klassischen“ Werten aufgewachsen. Was könnt ihr mit der gegenwärtigen Szene anfangen; fühlt ihr euch irgendetwas zugehörig?

Sixxxten: „Die“ Szene ist für mich kaum existent. Ich komme natürlich aus einem sehr „Szene“ geprägten Umfeld. Aber ich ordne sixxxten da nicht ein. Das klappt irgendwie nicht. Ich spreche da jetzt aber nur für mich. Ich weiß nicht wie die anderen der Band das betrachten. Anhand des Sounds der Band ist es des Weitern ebenfalls sehr schwer die Band einer gewissen Szene zuzuordnen. Wir spielen für jeden der Spaß daran hat. Irgendwann wird es sonst auch albern. Ferner erlebe ich es tatsächlich immer weniger, dass Musiker von ihrer Musik leben können. Es sei denn, so wie du sagst, man ist gerade von Kopf bis Fuß tätowiert, hat ne schräge Frisur und macht Musik für Mädchen. Das alles können wir von uns nicht behaupten, meine Erwartungen auf den finanziellen Durchbruch halten sich somit auch in Grenzen. Aber: Das ist auch die Freiheit das tun und lassen zu können, was einem gefällt , ohne Angst haben zu müssen, alles zu verlieren. Wir haben nur uns. *Schluchz.*

Musicscan: Kurz zum Aufnahmeprozess: In welchen Bereichen habt ihr euch eurer eigenen Meinung nach verbessern können? Und warum „warnt“ ihr vor einem „analogen Kunstprodukt“? Inzwischen müssen sich doch fast schon die Rock-Bands entschuldigen, die nicht analog aufnehmen, oder?

Sixxxten: Der Spruch ist eigentlich nichts anderes als ein wichtigtuerischer Hinweis, dass wir SEHR WOHL analog aufgenommen haben. Haha. Verbessern konnten wir uns dahingehend, dass wir eben viel mehr Fehler zugelassen haben. Es gibt keine gedoppelten Gitarren, Vocals oder ähnliches. Das Album ist sehr „live“ und rustikal produziert. Es entspricht dem ästhetischen Ansatz der Songs. Aber unter uns: Es ging gar nicht so sehr um den Sound. Da hören manche auch die Flöhe husten. Für uns war wichtig, dass uns die analoge Aufnahme zu straighten Entscheidungen zwingt, das man eben nicht groß schneiden kann. Das hat der Platte sehr gut getan. Man kann auch mit neinem Computer, einer Bandmaschine oder einem Kassettenrecorder saugeile Aufnahmen machen. Der Vibe muss eben stimmen.

Musicscan: In den heutigen schnelllebigen Tagen mit neuen Band-Hypes im Tagestakt muss man Leute ködern – wie macht ihr das? Gerade vor dem Hintergrund, dass man sich schon mit Sixxxteen beschäftigen muss, weil ihr eure Absichten nicht auf den ersten Blick preisgebt?

Sixxxten: Wichtig, bei näherer Betrachtung fällt auf: Die Band nennt sich SIXXXTEN. Mit einem „E“ und hat mir der englischen Zahl nichts zu tun, Es ist ein stinknormaler skandinavischer Jungenname, der eben mein (Hanno) Spitzname ist und sich dann so auch im Bandkontext ergeben hat. Aber wir wollen hier mal nicht kleinlich sein. ? Wir ködern Leute nicht. Ich wüsste auch nicht wie. Aber wir geben ja auch nicht all zu viel Preis. DA hast du recht. Es gibt keine Texte zum mitlesen und auch keine Bandfotos im Artwork. Namen sind Schall und Rauch. Gesichter auch. Ich will, dass sie Leute die Musik auf sich wirken lassen und sich nicht von krassen Tätowierungen (die wir haben) oder geilen Frisuren ablenken lassen (die wir leider nicht haben). Insgesamt gibt sich die Band halt eben nicht sehr „Szenig“ oder trendig in irgendeiner Form. Wir versuchen halt einfach ne interessante Platte zu machen und geiles Artwork dazu. Live versuchen wir ordentlich auf die Kacke zu hauen. Ich hoffe das reicht um Leute zu begeistern. Bei mir langt sowas. Wenn du noch ´ne Idee hast: her damit. Ferner versuchen wir nicht auf bereits in voller Kraft fahrende Züge aufzuspringen. Wir sind eben keine liebe Indie-Band. Wir sind das A-TEAM der Gefühle.

Musicscan: Würdet ihr sagen, dass eine Band mit einem ungewöhnlichen, leicht abgedrehten Ansatz in Musik und Texten – wie die eure – bessere Chancen hat, Hörer auf sich aufmerksam zu machen und sich eine treue Fanbasis aufzubauen als Bands mit, na ja, sagen wir mal durchschnittlichen Texten und Songs?

Sixxxten: Einerseits wäre das schön. Stimmt ja auch manchmal. Wir haben sicher ein größeres Alleinstellungsmerkmal als andere Bands. Wenn ich mir aber andererseits die Bands anschaue die hier in Deutschland kommerziellen Erfolg haben, wird mir ganz anders. Bands wie z.B. (hier z.B. gewünschten Namen momentan angesagter deutsch-Proll-Bands einsetzen) haben nicht einfach nur „durchschnittliche“ Songs und Texte, sondern beides ist unterirdisch. Warum gibt es sowas? Die Antwort ist einfach: Leute sind dumm. Und sie sind es gern. Weißt du, ein „leicht abgedrehter Ansatz“ in der Musik fordert ja den Zuhörer auch, und der gemeine Zuhörer wird eben überhaupt nicht gern gefordert sondern lieber gefüttert. Aber es ist müßig sich darüber aufzuregen. Das tue ich schon lange nicht mehr.

Musicscan: Habt ihr in dieser Hinsicht irgendwelche Erfahrungen machen können bzw. von eurer Aufstellung profitiert?

Sixxxten: Ja. Es ist sehr einfach: Scheiß Band=Nix gut. Natürlich ist unsere Musik extravagant und sehr eigen, aber das ist natürlich Sinn der Sache. Ich muss keine Platte machen, die es schon gibt. Ob das jetzt von den Leuten besonders honoriert wird bleibt abzuwarten. Ich hoffe doch sehr. Sixxxten = eine einmalige Chance Geschmack zu beweisen. Wichtig aber auch: Leute merken wenn Du versuchst Musik zu machen, die ganz besonders abgedreht und „speziell“ sein soll. Es wirkt aufgesetzt. Ein gefährliches Spiel.

Musicscan: Welche Art von Feedback erhofft ihr euch mit Automat Superieur bzw. was würdet ihr über die Platte gerne lesen – insbesondere was Qualitäten und Wirkung auf Hörer anbelangt?

Sixxxten: Dass sich wegen der Platte diverse Bands, deren Namen ich hier nicht nenne, getrennt haben. Und ansonsten: Das sie den Leuten gefällt. Wer auch immer diese Leute sind. Wir freuen uns darüber sehr. Des Weiteren freut es einen natürlich immer sehr, wenn jemand die Platte wirklich auf sich wirken lässt. Man muss sich schon etwas auf sie einlassen glaube ich. Sie ist eben keine Radio-Platte mit 13 Singles. Maximal mit 10 oder 11.

Musicscan: Wollt ihr noch etwas loswerden?

Sixxxten: Danke für deine Fragen und deine Zeit. Noch was in eigener Sache: Liebe Zielgruppe: Unsere neue Langspielplatte AUTOMAT SUPÈRIEUR steht in den Läden. Geht da hin und unterstützt euren örtlichen Plattenmann/frau. Wenn ihr Underground-Kultur und dahin laufen doof findet, unterstützt die Leute von den bekannten „Warenhäusern“. Die haben zwar mehr Geld, können aber noch deutlich mehr gebrauchen. Heal the World: Kauft das Album. Eine Bitte wird es an dieser Stelle allerdings nicht geben. Aber: Ihr könnt es auch klauen. Jeder der uns das beweisen kann, bekommt ein zweites umsonst. Das wichtigste: Da die Aufnahme von Gregor Hennig so super klang haben wir uns die Kohle für das Mastering gespart und geben euch gleich wieder was zurück. 5 (Fr)Euros stecken in jeder fünften Vinyl. Soll ja keiner sagen Kommerz und so. Ansonsten würden wir mit dem Geld eh Quatsch machen. Verschenken also besser. Liebe Freunde, mehr Fannähe geht nicht. (Ich mag euch alle beide.)

 
 Links:
  sixxxten.com/
 
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