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Scarnival

Interview von: Daniel mit Scarnival, am: 20.11.2012 ]

Manchmal muß man doch den Kopf schütteln, wenn es um die Frage geht, warum manche Bands gesignt werden und andere eben nicht. Im Falle von SCARNIVAL geht es tatsächlich um die Frage: Warum gibt man diesen Jungs nicht endlich einen soldien Vertrag und schickt sie auf eine Tour? Der beinharte, melodische Death Metal der fünf selbstproduzierten Songs hätte es allemal verdient. Lest selbst, was die Jungs zu sagen haben und behaltet diese Band im Hinterkopf.

 

Musicscan: Jungs, mit Eurem Debüt habt ihr ein solides, beachtenswertes Stück Metal geschaffen. Für all jene, die mit Eurer Vita noch nicht vertraut sind: Bitte erzählt kurz etwas zum Werdegang der Band.

Scarnival: Chris: Okay, in Kurzform: Gerrit, Max und ich kannten uns noch aus unserer damaligen gemeinsamen Alternativ Metalband SCHIERLING. Als das Projekt zu Grabe getragen wurde, kam Henna dazu. Damals hatten wir noch einen anderen Sänger, Nikki, der dann aber leider nach Hamburg ziehen musste. Dann fanden wir lange niemanden, bis uns einfiel, dass wir im gemeinsamen Freundeskreis ja einen Schreihals kannten, den man mal einspannen könnte… Daniel!

Scarnival: Gerrit: Toll, dass es Dir gefällt. Für uns war es einfach wohltuend und sehr lehrreich, diese fünf Songs komplett in Eigenregie zu veröffentlichen. Vom Artwork, das Christian geschaffen hat, bis hin zur Produktion im eigenen Studio unter Hennas Regie, war das ein langer aber spannender Weg.

Musicscan: Zugegeben: Im melodischen Death Metal ist beinahe alles gesagt worden. Was hat Euch dennoch dazu bewogen, Euch ausgerechnet für diese Sparte zu entscheiden und ängstigt Euch manchmal der Umstand, dass Ihr mit verdammt großen Bands in einen Topf geworfen werden könntet?

Scarnival: Henna: Es ängstigt uns nicht mit großen Bands in einen Topf geschmissen zu werden, im Gegenteil, es ehrt uns! Es zeigt, dass unsere Musik ähnliche Knöpfe im Kopf dreht, wie es die Musik von den "Großen" schafft.

Scarnival: Chris: Zunächst mal haben wir uns nicht dafür "entschieden", Death Metal zu spielen. Als wir anfingen zusammen Musik zu machen, dachte keiner von uns daran, dass wir mit unserem Kram in eine bestimmte Kerbe schlagen wollen. Wenn etwa ich mir etwas für die Band ausdenke, dann spiele ich das, was mir gerade in den Sinn kommt. Das ist dann oft davon beeinflusst, was ich selbst gerade höre - und was ich spielen kann! Ich würde auch gerne Riffs schreiben wie INTO ETERNITY oder SATRIANI, aber irgendwo muss man sich dann doch an seine Skills halten. Ob wir Angst davor haben, mit arrivierten Bands in einen Topf geschmissen zu werden? Ganz klares "Nein". Es ist doch so: Es ist klar, dass unsere Musik von den bekannten Größen des Death Metal beeinflusst ist. Wie könnte sie auch nicht?! Daraus machen wir auch kein Geheimnis. Das ist die Musik, die wir lieben, und die Herren, die sie spielen, sind in musikalischer Hinsicht unsere Vorbilder. Wenn man unsere Musik an ihnen misst, dann ist das doch für eine kleine Band aus dem niedersächsischen Flachland ein Kompliment. Dennoch glaube ich, dass man unserer Musik anhört, dass wir in mancherlei Hinsicht von den ausgetretenen Pfaden abweichen. Einfach deswegen, weil der Death nicht unser einziger Einfluss ist.

Scarnival: Gerrit: Unsere Songs sind natürlich, wie Chris auch schon sagte, stark von dem beeinflusst, was wir gerade so hören. Da sind die Geschmäcker zum Teil auch sehr verschieden. Somit ist bei uns das Songwriting auch immer ein harter Kampf um jedes Riff. Das ist zwar, wie ich finde, sehr anstrengend aber am Ende steht immer der Song mit dem alle etwas anfangen können. Letztlich versuchen wir uns im Raum beim Songwriting vorzustellen, wie wir das Riff oder die Idee im Arrangement fänden, stünden wir vor der Bühne. Aber das, was Du auf der EP hörst, ist dann auch definitiv so etwas wie die Schnittmenge aus allen fünf Köppen. Ich für meinen Teil bin immer sehr gespannt, wie sich die Songs und vor allem die Ideen weiterentwickeln.

Scarnival: Max: Also diskutieren können wir schonmal. Ehrlich gesagt hab ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Vergleiche werden bei neuen Bands natürlich immer schnell gezogen. Mach' ich selbst nicht anders, wenn ich jemandem von einer Band erzähle, die diese Person nicht kennt.

Scarnival: Daniel: Jo, Max hat da schon recht. Man kann leider in der heutigen Zeit nur selten irgendetwas neues erschaffen, ohne dass diverse Leute anfangen Parallelen zu ziehen und anderen Namen ins Spiel bringen. Es hilft anderen, besser einzuordnen in welchem Genre man rumeiert, aber auf der anderen Seite kann es auch nervig sein, immer andere Bands auf dem Rücken zu tragen. Manche Vergleiche schmeicheln einem, andere sind dann doch manchmal eher unangebracht oder irritierend.

Musicscan: Wo wir gerade dabei sind: Wer sind aktuell Eure Vorbilder und wen würdet musikalisch wie textlich als großen Einfluss für Eure Musik nennen?

Scarnival: Chris: Textlich sind das für mich ganz klar JAN PLEWKA von SELIG für die melancholische Seite und WARREL DANE für den Rest. Musikalisch bin ich mit IN FLAMES groß geworden. Wie wohl jeder, der in den letzten zehn Jahren mal irgendwann Metal gehört hat.

Scarnival: Gerrit: Ich höre im Moment wieder recht viel Thrash Metal wie z.B. Lamb of God, Switchtense, Onslaught und Testament aber auch alten Kram von Nevermore. Davor habe ich ne ganze Zeit Animals as Leaders gehört, die ich auch live erleben konnte. Krasse Band! Da kann man nur dumm gucken. Aktuell habe ich das neue Anathema und Katatonia am Wickel. Das Zeug finde ich grad wirklich Hammer. Sehr fett und atmosphärisch, geile Melodien. Naja, also wie Du siehst, da hat jeder so seine Ecke. Aber am Ende ist es so: Ich liebe diesen Schwedenkram á la In Flames, Soilwork, Arch Enemy etc. genauso. Ach Leute, es gibt einfach so geile Mucke auf diesem unseren Planeten...

Scarnival: Max: Oha, das sind einige: Blind Guardian, Machine Head, Iron Maiden, Metallica (nicht Lars Ulrich), Rage Against The Machine, In Flames, Soilwork, Toto und Michael Jackson und die Liste geht noch weiter...

Scarnival: Henna: Die Liste ist unendlich. Ich sauge alles auf, wie ein Schwamm...

Scarnival: Daniel: Textlich gibt es bei mir nicht wirklich Vorbilder oder Einflüsse. Ich schreibe immer das, worauf ich gerade Bock habe oder was mich gerade beschäftigt. Somit ist mein Leben und meine Phantasie eigentlich mein größter Einfluss. Musikalisch bewege ich mich in vielen verschiedenen Bereichen; hauptsächlich Rock hat es mir schon von klein auf angetan. Metal ist zwar ein großer Teil meines Lebens, aber der Rock ist eigentlich das, was mich am meisten inspiriert.

Musicscan: Deutsche Bands haben es meist eher nicht leicht, international zu bestehen. Woran liegt das Eurer Meinung nach?

Scarnival: Chris: Ist das so? Ich weiß nicht, ob es deutsche Bands schwerer haben als etwa amerikanische. Es gibt doch eine Menge bekannter deutscher Bands. Ich glaube, es ist heutzutage generell schwer, als kleine Band irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen. Und das meine ich nicht nur in monetärer Hinsicht.

Scarnival: Gerrit: Ich sehe es wie Chris. Kann es schwer beurteilen, ob das wirklich länderspezifisch ist. Ich glaube, man muss hart und diszipliniert an der Band arbeiten. Sein Ding machen, authentisch sein und sich eine Reputation erarbeiten. Wenn man dann noch das nötige Kleingeld hat, um sich mit echten Profis zu umgeben, kann man vielleicht wirklich irgendwann mal die großen Festivals spielen. Gut klar, die handwerklichen Fähigkeiten der Band setze ich jetzt einfach mal voraus. Wer nicht live überzeugt, der kann doch im Grunde direkt wieder einpacken, wa?

Scarnival: Henna: Ich glaube, dass es amerikanische Bands genauso schwer bzw. nicht leichter haben. Nur ist das Umfeld vor allem aus musikalischer Sicht in Amerika anders. Nahrhafter. Es wird nicht wie hierzulande als verrücktes Hobby wahrgenommen, welches Unmengen an Kohle verbrennt. Es wird ernst genommen, als Lebensgrundlage anerkannt. (In Schweden übrigens auch) Es hat aber einen Grund, warum amerikanische Bands ihre Tourneen im Sommer durch Europa fahren. Es ist lukrativer.

Scarnival: Max: Ich sehe es wie Henna. Ich glaube auch, dass in Deutschland die Menschen generell auf Nummer sicher gehen - erst recht bei der Berufswahl. Dadurch entsteht auch das von Henna hervorragend dargestellte Bildnis.

Musicscan: In Zeiten, in denen kaum CDs gekauft werden...stört Euch der Umstand, dass Musik immer mehr zum Konsumartikel wird und was habt ihr dem entgegen zu setzen?

Scarnival: Max: Ich finde es ist an erster Stelle wichtig, dass Musik gehört wird. Wenn Musik aber nur als reiner Konsumartikel und nicht mehr als Kulturgut angesehen wird, leidet da natürlich irgendwann die Qualität darunter. Was sagt ihr?

Scarnival: Chris: Mir ist das egal. Ich mache Musik nicht, um damit Geld zu verdienen - dafür habe ich meinen Job. Mir ist es auch wichtig, dass die Musik gehört wird und dass wir sie auf Konzerten mit unseren Fans feiern können. Ich meine gelesen zu haben, dass selbst große Künstler – und mit "groß" meine ich nicht etwa IN FLAMES sondern so was wie MADONNA! – ihre Kohle heutzutage meist durch Merch und Konzerte verdienen. Es ist der Zeitgeist. Was will man machen?

Scarnival: Max: Amen Bruder!

Scarnival: Gerrit: Puh! Ich find's schade, dass Musik offenbar in breiten Teilen nur noch einfach im Hintergrund läuft. Allerdings habe ich das Gefühl, dass das im Wesentlichen doch eher ein Phänomen der Popularmusik ist. Ich mag mich täuschen, bilde mir aber ein, dass in keiner anderen Szene die Leute so treu sind wie im Metal. Da macht es mich stolz, ein Teil davon zu sein. Ob man einer gewissen Massenströmung und einem Konsumverhalten etwas entgegensetzen kann? Gute Frage! Ich kann da nur für mich sprechen: Mir geht regelmäßig einer ab, wenn ich ne richtig geile Special Edition in den Händen halte. Ich persönlich stehe einfach auf die CD, das Booklet und ggf. den Special-Kram. Klar, das Teil landet dann auch früher oder später auf meinem iPod, aber ich find's toll, wenn eine Band auch in Form von Artwork daher kommt. Daher bin ich eher der CD-Käufer. Alle die ich kenne aus meinem Freundeskreis, setzen sich sehr intensiv mit Musik und den Künstlern auseinander. Da wird schon verfolgt, welche Band was macht und man freut sich in der Regel auf gemeinsame Live-Aktivitäten.

Scarnival: Henna: Das die Musikindustrie arge Probleme hat, ist ja offensichtlich. Das Ganze ist meiner Meinung nach aber auch ein Stück weit selbstverschuldet. Anstatt das auf Qualität und Innovation (und damit Risiko) gesetzt wurde, wurde nur die schnelle und sichere Mark gemacht. Zum Konsumartikel wird Musik nur, wenn man sie als solchen intendiert und konzipiert hat. Und wenn es der Hörer mit sich machen lässt. Außerdem ändert sich schlimmstenfalls das Medium. Die Leute werden nicht aufhören Musik zu hören, nur weil es keine Kassetten mehr zu kaufen gibt. Daniel: Ich habe letztens irgendwo im Fernsehen aufgeschnappt, das im Metalbereich weniger Raubkopien und illegale Musik im Umlauf sind als sogar in der Klassik. Die Szene war immer sehr eigen und viele Leute kaufen sich noch die Originale, teilweise sogar LPs. Viele meiner "Metal-Kollegen" haben teils riesige Sammlungen an Tonträgern zuhause und auch ich bin ein absoluter Sammelfreak.

Musicscan: Macht Ihr Euch beim Songwriting Gedanken darüber, ob dieses und jenes schon einmal da war? Beeinflusst es Euren Approach gegenüber Musik? Fühlt ihr den Zwang unbedingt originell zu sein?

Scarnival: Chris: In unserem Kulturkreis gibt es 12 Töne. In irgendeiner Form ist alles schon irgendwo einmal dagewesen. Wenn uns auffällt, dass eins unserer Riffs zu sehr klingt wie etwas, das es schon gibt, schmeißen wir es gnadenlos raus. Allerdings ist es auch nicht so, dass wir einen Song schreiben und danach unsere Plattensammlung durchhören, um sicherzugehen, dass es so noch nirgends sonst aufgenommen wurde.

Scarnival: Max: Du siehst, bei uns haben alle noch Platten zu Hause stehen. Ich spüre da überhaupt keinen Zwang. Wir schreiben unsere Songs so, dass wir sie selbst abfeiern können.

Scarnival: Henna: Alles ist schon da gewesen. Um dann doch wieder gebrochen und neu erfunden zu werden. Und das gilt auch für das Rad. Die sind heute auch wesentlich teurer, als die damals aus Holz.

Musicscan: Ist es immer noch ein Traum junger Musiker Profi zu werden, auch unter dem Zwang zu leben, dann zwangsweise kreativ werden zu müssen?

Scarnival: Gerrit: Naja, ich glaube, jeder träumt davon, irgendwann mal vor vielen Leuten auf großen Bühnen zustehen. Dauerhaft im Probenraum zu mucken ist zumindest für uns keine Alternative. Wir wollen raus in die Welt, hehe. Bisher gibt es keinen spürbaren Druck, oder? Also bei mir nicht... Wir stecken unser Geld in die Band und machen das, worauf wir Bock haben. Wenn es da draußen Leute gibt denen der Scheiß etwas gibt, ist das natürlich super. Aber was sollen wir auch im Moment anderes sagen? Vielleicht sprechen wir uns nach dem dritten Album wieder. Dann sehen wir das gegebenenfalls ganz anders.

Scarnival: Henna: Da ich von Natur aus Ultra-Kreativ bin, hab ich keinen Zwang. Und es ist kein Traum Profi zu werden, man muss nur genug dafür tun. Klingt abgedroschen, ist aber so.

Musicscan: Wohin möchtet ihr mit Scarnival steuern?

Scarnival: Gerrit: Wir schauen im Moment in kleinen Schritten nach vorne. Uns schwebt vor, für Frühjahr 2013 ein vollwertiges Album nachzulegen. Und Gigs zu spielen. Mal sehen was noch passiert. Wenn es nach uns geht, kann's los gehen ...

Scarnival: Max: Auf die Bühne natürlich!

Scarnival: Henna: Richtung Norden. Arrrr!

 
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