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Svart Crown

Storie von: arne, am 16.06.2013 ]

Mit „Profane“ positionieren sich SVART CROWN endgültig als Schwergewicht der modern-extremen Metal-Szene. Von Death über Black bis hin zum Post-Metal reicht das musikalische Spektrum der Franzosen und damit ist ihr Drittwerk noch nicht einmal umfassend abgesteckt. Fordernd, komplex und bösartig geht es durch zehn Songs, die fesseln und ungemein drücken.

 
Drei Jahre nach „Witnessing The Fall“ spielt das Quartett furios und relevant auf, doch Gitarrist und Sänger JB Le Bail zufolge befindet sich der Sound seiner Formation noch immer im Fluss: „Jede Band muss für sich einen stimmigen Ansatz definieren und diesem dann folgen. Niemand erwartet von Bolt Thrower, dass sie etwas anderes als typische Bolt Thrower-Nummern spielen, denn sie sind sich diesbezüglich stets treu geblieben. Andere Gruppen gehen Risiko und nehmen teilweise große Entwicklungssprünge, wenn man an Opeth, Ulver, Enslaved oder Emperor denkt. Hätten sie nicht den nötigen Mut für Veränderungen aufgebracht, gäbe es ihre tollen Platten heute nicht. Die Leute haben ein feines Gespür dafür, ob es Musiker ernst meinen und hinter ihren Songs stehen oder nicht. Leidenschaft und Aufrichtigkeit kann man nicht vorgeben. Inwieweit man Kompromisse eingeht und den Zeitgeist berücksichtigt, ist die Entscheidung jeder Band. Ich schätze etwa das fokussierte Auftreten von Slayer in den 1990er Jahren sehr. „Divine Intervention“ und „God Hate Us All“ sind Killer-Alben, die den Vibe der 90er barsch und roh durchgezogen und als Teil ihrer Musik fortgeführt haben. Mit SVART CROWN tun wir etwas Ähnliches mit dem Unterschied, dass wir nach wie vor nach „unserem“ Sound suchen. Mit „Witnessing The Fall“ sind wir auf diesem Weg ein gutes Stück voran gekommen und haben die Grundlage für das gelegt, was uns künftig auszeichnen wird. Wir haben die richtige Basis für unsere Aktivitäten gefunden und bauen diese nun mit „Profane“ aus.“

Gemessen am vielschichtigen, in allen Belangen zu Ende gedachten und schön brachialen Drittwerk klingt diese Aussage nach Understatement. Die Franzosen wissen aber durchaus, was sie tun und ihnen mit der neuen Platte geglückt ist: „Jeder Song besitzt seine eigene Identität“, so der Sänger und Gitarrist. „Im Songwriting sind mir Dynamik und Spannung sehr wichtig. Ich schätze viele Tempowechsel und Überraschungen, von denen es auf „Profane“ jede Menge gibt. Ich möchte bezüglich unseres Stils weniger in Kategorien als vielmehr in Adjektiven wie bösartig, energiegeladen, wild und tiefgründig sprechen. Solche Empfindungen und Eindrücke erleben auch die Hörer, obwohl mich die Breite der Meinungen jedes Mal wieder aufs Neue überrascht. Mit „Profane“ ist es uns gelungen, unseren Stil deutlich aufzuwerten. Darauf bin ich besonders stolz. Die Grundlage dafür war es, dass wir heute individuell bessere Musiker sind. Im kreativen Bereich agieren wir konzentrierter und fokussierter, wobei sich auch die größere Erfahrung auswirkt. Nachdem wir für „Witnessing The Fall“ vieles ausprobiert und abgeklopft haben, konnten wir dieses Mal aus dem Vollen schöpfen.


Meiner Ansicht nach findet sich kein einziger schwacher Song auf dem Album. Gerade die letzten drei – ,Venomous Ritual‘, ,Ascetic Purification‘ und ,Revelatio: Down Here Stillborn‘ – bilden ein unheilvolles Triptychon und geben den Weg für unsere Zukunft vor.“

Wenn JB Le Bail zurück blickt und sich an die Anfänge von SVART CROWN erinnert, hat sich nicht viel verändert, wie der Musiker erzählt: „Wir haben die Band vor neun Jahren gestartet, doch es fühlt sich an, als sei das gerade gestern gewesen. In der Zeit ist unglaublich viel passiert. Selbst Line-Up-Wechsel haben uns nicht gestoppt, auch nicht die Weiterentwicklung unseres Sounds aufgehalten. Hinsichtlich unserer Einstellung zu Musik und den Gefühlen, die sie in uns hervor ruft, hat sich nichts geändert. Der Anspruch ist ebenfalls derselbe, allenfalls ist er heute ein Stück weit persönlicher ausgerichtet. Von Beginn an haben wir Wert darauf gelegt, nichts Typisches zu spielen wie reinen Black oder Old School Death Metal. Das wäre mir zu wenig gewesen. Unser Stil bietet uns die Möglichkeit, Neues zu entdecken, indem wir ohne Scheuklappen nach neuen extremen Metal-Klängen suchen. Diese Möglichkeit nutzen wir ausgiebig, was man an der Einbindung von Einflüssen aus dem Sludge, Post-Hardcore, Doom, etc. ablesen kann. Nach und nach haben wir solche Stil-Elemente integriert. Zuvor mussten aber auch wir unseren musikalischen Horizont erweitern.“

Die Franzosen lassen sich bewusst von Veröffentlichungen außerhalb des Metal inspirieren. Fünf für ihn wichtige Platten hat der Frontmann auf Nachfrage schnell zur Hand, die sich auf „Profane“ alle aber wenig offensichtlich auswirken: „Anführen möchte ich dieser Hinsicht Oxbows „The Narcotic Story“, das düsterer Noise-Rock ist. Selten habe ich ein derart übel gelauntes Album gehört. Sänger Eugene Robinson ist zweifellos vom Teufel besessen. Hört euch nur mal den Song ,Time Gentlemen, Time‘ an. Der Massive Attack-Trip Hop-Klassiker „Mezzanine“ ist eine zweite Platte. Sie ist tiefgründig, klar und überaus effizient, kommt noch dazu mit einer beeindruckenden Produktion. Das „A Tribute To Django Reinhardt” von Bireli Lagrene fasziniert mich mit seinem Gipsy-Jazz ebenfalls. Die Harmonien sind schier unglaublich. Alle Songs sind bunt, komplex und vielschichtig. Noch dazu sind die Gitarristen verrückt. Aus dem Flamenco schätze ich den selbstbetitelten Longplayer von Rodrigo Y Gabriela sehr. Er ist ein begnadeter Songwriter, der auch tolle Cover-Versionen Pink Floyd und Metallica umgesetzt hat. Zuletzt habe ich zudem häufig die französische Elektro-Kombo Justice und ihr Album „Cross“ gehört. Die zehn Stücke sind allesamt Hits, wobei insbesondere ,Stress‘ als unglaublich aufwühlend hervor sticht.“

 
 Links:
  svartcrown.net
 
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