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Five Finger Death Punch

Storie von: arne, am 05.08.2013 ]

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Oder auch nicht. Statt aus einer Vielzahl von 24 Songs die besten für ein Album auszuwählen, haben sich FIVE FINGER DEATH PUNCH aufgrund der durchschlagenden Qualität all ihrer Stücke dazu entschlossen, in kurzem Abstand zwei Platten zu veröffentlichen, die aus ein und derselben Session stammen. So erklären die Musiker aus Las Vegas das Erscheinen von „The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell Vol. 1“, dem bald schon „Vol. 2“ folgen wird.

 
Die früheren Motograter-, U.P.O.-, W.A.S.P.-, Anubis Rising- und Deadsett-Mitglieder besetzen mit ihrem Groove-betonten, agilen Heavy-Sound eine Nische, in der derzeit keine Konkurrenz in Sicht ist. FIVE FINGER DEATH PUNCH machen alles richtig, auch wenn man nicht benennen kann, was in ihrem Fall der Schlüssel zum Erfolg ist. Der Crossover-Sound der Amerikaner stellt sich jedenfalls als energetische, intensive Mixtur aus NuRock, NuMetal, MetalCore und Neo-Thrash dar: „Es passierte einfach. Als wir mit dem Songwriting durch waren, hatten wir so viele Songs, dass es einfach nicht möglich war, die Hälfte von ihnen wieder zu skippen. Und in der Schublade wollten wir sie auch nicht verschwinden lassen“, erzählt ein gut gelaunter Ivan „Ghost“ Moody am Telefon. Den langen Pressetag mit zahlreichen Interviews hört man dem Sänger nicht an. Professionell steht er Rede und Antwort und nimmt sich die Zeit, alle Fragen ausführlich zu beantworten. „Das ist doch Teil meines Jobs, gerade für mich als Frontmann. Es ist doch toll, wenn man über seine Band sprechen kann. Bis unsere Fans Zugang zu den neuen Songs erhalten, dauert es noch ein bisschen. Insofern ist das Feedback der Presseleute, die im besten Fall auch Fans von uns sind, ein erster Gradmesser.“

Zweifel an der eigenen Arbeit sind dem Shouter fremd, der „The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell Vol. 1“ – völlig zu Recht – lieber in den höchsten Tönen anpreist: „Unsere neue Platte ist schlicht fabelhaft, wenn Du mich fragst. Wir können es selbst immer noch nicht glauben, dass wir tatsächlich 24 Tracks aufgenommen haben, die allesamt so stark sind. Es gibt nicht eine schlechte Nummer darunter. Wir sind selbstkritisch genug, dieses Fazit zu ziehen. Aber wirklich, alle Songs sind stark! Die vielen Gast-Sänger und die kleinen Experimente, die wir unternommen haben, erweitern unseren Sound nochmals, auch wenn ich das vorher in dieser Form nicht für möglich gehalten habe. Doch genau das ist passiert. Wir sind so unglaublich stolz auf das, was wir geschaffen haben und fiebern dem Veröffentlichungstag entgegen.“ Ein kleines Fragezeichen besteht für Ivan allenfalls in Bezug auf den stärkeren der beiden Teile des Doppel-Albums. Er selbst äußert eine klare Präferenz:

„Ich bin schon sehr gespannt, wie die Leute auf den zweiten Teil reagieren werden. Denn darauf finden sich die meiner Meinung nach stärksten Tracks. Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht auch voll und ganz hinter dem ersten stehe. Ob es die Fans genauso wie wir empfinden, interessiert mich brennend, doch es dauert noch, bis wir Gewissheit haben werden. Der zweite Teil wird noch mehr prominente Gäste aufweisen und deshalb noch ein Stück mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“

Diese Aussagen versprechen großes. FIVE FINGER DEATH PUNCH sind mit allen und jedem kompatibel, sofern es sich um Metal – egal welcher Ausprägung – handelt. Deshalb kommt „The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell Vol. 1“ für jeden Hörer infrage, der leidenschaftliche Heavy-Sounds mit ausgeprägtem Hymnenwert schätzt. Die Musiker aus Las Vegas sind schon ein Phänomen: „Nach dem heutigen Tag kann ich sagen, dass es keine einheitliche Meinung darüber gibt, welche Songs das größte Hit-Potenzial aufweisen. Fest steht, dass alle Leute, mit denen ich heute gesprochen habe, die Platte insgesamt großartig finden, aber jeder eigene Favoriten hat. Ein wenig verdichtet es sich natürlich in Richtung der Stücke mit den Gästen, gerade auf das mit Rob Halford. Dieses ist die erste Auskopplung, und damit kennen es viele schon ein wenig länger.“

Sofern man Mr. Moody Glauben schenkt, sind die Features das Ergebnis einer spontanen Idee am Ende der Aufnahme-Session: „Nein, das war nicht von Anfang an geplant. Wir haben zunächst ganz klassisch Songs geschrieben und eingespielt. Als sie fertig waren und wir sie durchhörten, witzelten wir, dass der eine oder andere Track auch gut zu dem einen oder anderen Sänger passen würde. Da wir sie alle schon von gemeinsamen Touren kannten, haben wir einfach bei ihnen angefragt und ihnen die Demos geschickt. Das Feedback kam quasi über Nacht und alle haben zugesagt. Wir konnten es kaum glauben. Rob Halford hat keine halbe Stunde, nachdem er den Song erhalten hat, bei uns angerufen und gesagt, dass er sich in den Flieger nach Las Vegas setzt, um die Vocals einzusingen. Der gemeinsame Track bedeutet uns viel, denn auch neben seinen Vocals weist er so ein gewisses Judas Priest-Feeling auf.“

Als Selbstläufer sieht der Frontmann die Zusagen seiner Kollegen hinter dem Mikrophon nicht an: „Sicherlich sind wir schon mit all den Sängerinnen und Sängern getourt. Doch sie für ein Gast-Feature zu gewinnen, ist noch einmal eine andere Sache, denn sie hätten auch nein sagen können. Sie alle bereichern unsere Songs. Jamey Jasta hat diesen direkten Zug, Maria Brink eine wundervolle Stimme und zu Max Cavalera und Rob Halford muss man wohl nichts mehr sagen. Den Metal God und die Thrash-Ikone schlechthin auf der Platte zu haben, spricht für sich. Erst als Rob ins Studio kam, ist mir so richtig bewusst geworden, was wir mit unserer Band alles erreicht haben. Mein ganzes Leben habe ich darauf hingearbeitet, die Position zu erreichen, die wir heute inne haben. Es ist ein wahrgewordener Traum.“

Wenn man sich die Ausgangslage des Quintetts vor Augen hält, ist die bisherige Entwicklung wirklich beachtlich: „Als FIVE FINGER DEATH PUNCH gestartet sind, kannte ich die anderen nicht und hatte sie noch nicht einmal persönlich getroffen. Wir haben eher als Geschäftspartner denn als Band im herkömmlichen Verständnis losgelegt. In den letzten fünfeinhalb Jahren haben wir uns dann ausgiebig kennengelernt und sind als Gruppe zusammen gewachsen. Heute sind wir eine eingeschworene Gemeinschaft, die alles miteinander teilt.“ …und ansehnliche Erfolge einfährt. Die ersten drei Longplayer erreichten allesamt Gold-Status, was auf die übergreifende Anlage des Metal-Sounds zwischen Tradition und Moderne sowie Brutalität


und Eingängigkeit zurückzuführen ist. Ivan „Ghost“ Moody sieht das ähnlich:

„Ich bin zwar ein Musiker, aber natürlich auch Fan geblieben. Gute Songs weiß ich zu würdigen, egal welchen Stil sie repräsentieren. Als ich aufgewachsen bin, habe ich mit meiner Großmutter sehr viel Country gehört, während mir mein Großvater die Welt des Jazz vorgestellt hat. Meine Eltern wiederum hatten bei uns Zuhause Sachen wie Fleetwood Mac, The Doors, Rolling Stones und Pink Floyd laufen. Mein ganzes Leben lang bin ich also schon von den unterschiedlichsten Stilen umgeben und beschäftige mich mit ihnen. Ich liebe Punk-Rock, bin aber vor allem ein richtiger Freak, was den Heavy Metal anbelangt. Im Rock’n’Roll kenne ich mich aber auch gut aus. Bei FIVE FINGER DEATH PUNCH kommt all das zusammen, und ich bin den anderen dankbar dafür, dass sie mit mir diesen Sound erschaffen. Worum es uns geht, ist, gute Songs zu schreiben und das tun wir.“

Dabei ist es interessant, zu beobachten, dass die Gruppe ihre kreativen Grenzen immer weiter ausbaut und mit jedem neuen Release ein Stück weiter geht. Auch künftig dürfte sich der Sound der Crossover-Kombo erweitern, denn ihr Potenzial haben die Musiker scheinbar noch immer nicht ausgereizt. Dass „The Wrong Side Of Heaven And The Righteous Side Of Hell Vol. 1“ sehr homogen und kompakt anmutet, liegt daran, dass es die erste Gemeinschaftsarbeit der Musiker ist: „Es stimmt, wir haben erstmals zusammen die Songs geschrieben und als Band zusammen gearbeitet. Ich habe die Songs nicht erst fertig vorgesetzt bekommen, als sie fertig waren und dann Texte geschrieben, sondern wir alle waren im kreativen Prozess eingebunden. Das ist in der Vergangenheit noch nie so gewesen und war für uns eine tolle Erfahrung. Vielleicht ist das der entscheidende Grund dafür, das direkt 24 Songs entstanden sind.“

Dank der ergebnisreichen Arbeitsphase bieten sich für FIVE FINGER DEATH PUNCH mehr Chancen als üblich, den Mainstream aufzumischen. Schließlich wollen sie als Stimme für den Metal fungieren und für ihn eine Lanze brechen: „Ja, das ist eines unserer erklärten Ziele“, bestätigt Ivan. „Heavy Metal wird schon viel zu lang diskreditiert und in der Breite nicht ernst genommen. Es gibt nur wenige Radio-Sender, die Heavy Metal spielen und das ist eine Schande. Auf MTV laufen auch kaum noch härtere Videos. Das kann so nicht weiter gehen. Bands wie die unsere müssen sich dafür einsetzen, dass sich etwas verändert. Wer soll es denn sonst tun? Wir Musiker müssen uns darum kümmern. Metal zu schreiben, zu spielen und auf der Bühne zu performen, bedingt Kraft, Anstrengung und Willen. Und natürlich möchte man vor so vielen Menschen wie möglich auftreten. Slipknot, Stone Sour, Avenged Sevenfold, wir – es gibt einige Bands, die daran arbeiten, eine neue Wertschätzung für Metal-Klänge in der Breite aufzubauen. Dabei sind wir alle auf die Unterstützung der Fans angewiesen, denn sie sind es, die uns unser Dasein als Musiker ermöglichen.“

Die Band aus Las Vegas geht mit schwergewichtigen wie eingängigen Songs und einer explosiven Live-Show in die Offensive. Mr. Moody & Co. wissen, dass sie stets unter Beobachtung stehen und immer Vollgas geben müssen – gerade auf der Bühne: „Wir alle hatten Erfahrungen mit anderen Gruppen, bevor wir FIVE FINGER DEATH PUNCH gründeten. Im Metal kommt es meiner Ansicht nach besonders darauf an, dass man all das, was man im Studio tut, auch auf der Bühne reproduzieren kann. Denn was zählt, ist live. Dort trifft man seine Hörer, die man nicht enttäuschen darf. Im Studio kann dank der technischen Hilfsmittel jeder zum Metal-Held werden. In der realen Welt muss man diesen Status nachweisen können. Sonst funktioniert es nicht. Auf der Bühne erkennt man den Unterschied zwischen den Fakes und den richtigen Musikern ganz schnell.“ Ihre europäischen Fans haben die Musiker bislang eher stiefmütterlich behandelt, doch der Sänger gelobt Besserung. Nach Festival-Auftritten – u. a. Rock am Ring und Download – steht für den November eine Tour mir Avenged Sevenfold an, und 2014 wird es weiter gehen:

„Natürlich wollen wir in Europa einen ähnlichen Status erreichen wie in den USA, aber bislang haben wir dafür nicht wirklich etwas getan. Wir sind hier bislang wenig getourt, was unsere eigene Schuld ist. Der Aufbau einer soliden Fan-Basis in den Staaten hatte für uns schlicht höhere Priorität. Natürlich fängt man in dem Land an, aus dem man stammt. Wir haben unglaublich viel getourt und verdammt viel Asphalt gefressen. Doch nur so geht es, wenn man etwas erreichen will. Heute stellt sich die Situation für uns daheim komfortabel und stabil dar. Jetzt können wir uns daran machen, unseren Aktionsradius auszuweiten. Wir können das Land schon einmal für sechs Monate verlassen, um uns neue Märkte zu erschließen. Deshalb steht es für uns nun auf dem Plan, überall dort verstärkt Präsenz zu zeigen, wo wir es bislang versäumt haben. Ich weiß, dass die Leute in Europa die Musik sehr ernst nehmen und sich intensiv mit den Bands, die sie mögen, beschäftigen. Das gefällt mir, denn wir haben etwas zu sagen. Wir werden künftig mehr Zeit in Europa verbringen und auch hier die nötige Basis-Arbeit leisten. Die Festivals und die Tour mit Avenged Sevenfold sind der erste Schritt. Nächstes Jahr wollen wir dann noch nachlegen. Wenn wir in den USA touren, tun wir das mit viel Aufwand und einer großen Show. Das bedeutet Licht, Feuerwerk und große Aufbauten. Mit diesen ganzen Sachen sind wir bislang noch nicht in Europa unterwegs gewesen und können es auch im November nicht sein. Deshalb planen wir für den Frühsommer 2014 eine weitere Tour mit vollem Spektakel, so dass wir auch den Leuten hier die Show bieten können, die sie verdienen. Gruppen wie Rammstein oder Tool haben in dieser Hinsicht Maßstäbe gesetzt und uns tief beeindruckt. Wir streben eine ähnlich epische Show an und wollen es ihnen gleich tun. Die Leute bezahlen viel Geld, um uns zu sehen, also wollen wir ihnen etwas bieten. Auch die Musik ist letztlich Entertainment.“

 
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