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Hour Of Penance

Storie von: arne, am 19.04.2014 ]

Rom hat geschichtlich nicht nur beim Attentat auf Gaius Julius Cäsar als Kulisse für Gewalt und Umbrüche gedient. Insofern führen HOUR OF PENANCE auf „Regicide“ die Tradition ihrer Heimatstadt fort. Die „Königsmörder“ schrecken auf ihrem sechsten Album vor nichts zurück und legen ein bissiges, furioses Werk vor.

 
„Thematisch sind die Lyrics durch ein Konzept verbunden, das sich über alle Songs zieht“, erklärt Gitarrist und Haupt-Songwriter Giulio. „Um unseren Sänger Paolo zu zitieren: „Regicide“ dreht sich um Zerstörung und Wiedergeburt – um die Tötung des Königs, ob er nun deine Ängste, Vorurteile oder Dogmen repräsentiert, die du mit dir herum schleppst, um mit der Realität fertig zu werden. Nur durch das Lösen von diesen Illusionen und das Einreißen der Mauern der Unwissenheit und Angst, die dir durch die Gesellschaft, Religion und sonstige Autoritäten eingeimpft werden, kannst du deinen Weg im Leben als freier Mensch finden und beschreiten, der keinen König braucht.“

Meine Empfehlung ist es, sich die Songs mehrmals anzuhören, da sie nicht leicht zu verdauen sind und man nicht direkt alle Facetten wahrnimmt.“ Wohl wahr, denn in ihren Tracks präsentieren sich HOUR OF PENANCE gemeinhin technisch und zügellos. Da offensive Blastbeats als Steckenpferd der Italiener anzusehen sind, bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen: „Als ich an den Songs gearbeitet habe, gab es keinen definierten Plan, den ich verfolgt habe“, so der Gitarrist. „„Regicide“ ist, was es ist und unterscheidet sich von unseren früheren Platten. Einige unserer Fans könnten anfangs sogar verwirrt sein und müssen sich in die Stücke hinein hören. „Sedition“ fiel zuletzt geradlinig und kompakt aus. Das lässt sich auch bezüglich des neuen Albums sagen, doch in seiner Gesamtheit fühlt es sich anders an. Allein dass wir aufspielen, hört man. Auf Überraschungen muss man sich aber zwingend einstellen. Während des Songwritings habe ich eine Zeit lang keinen Death Metal gehört und konzentriert gearbeitet. Der bewusste Entzug von der Musik, die ich liebe, hat mir geholfen, innerhalb kürzester Zeit viele Ideen zu entwickeln und zügig 14 Tracks zu schreiben.“

Ziel der Römer ist es, ihr Publikum zu überrumpeln und mitzureißen. Entsprechend temporeich, spannungsgeladen und furios geht es auf „Regicide“ zu: „Es ist mein Anspruch gewesen, eine geradlinige Platte zu erschaffen, die aufrichtigen Death Metal repräsentiert und sich außerhalb der aktuellen Trends abspielt“, äußert Giulio hinsichtlich seiner Ansichten im Songwriting. „Gegenwärtig scheinen mir viele Bands zu einseitig auf den technischen Aspekt des Death Metal fokussiert und vergessen darüber, dass Musik der Ausdruck von Gefühlen ist. Wir berücksichtigen das und legen einen Gegenentwurf zu den übertrieben technischen Alben vor. Wir haben uns bewusst für ein übergeordnetes Thema entschieden, an dem wir uns abarbeiten, um zu zeigen, dass es bei uns um mehr als


nur extreme Musik geht. Jedes der 14 Stücke besitzt eine eigene Persönlichkeit. Es gibt dieses Mal drei langsamere Songs, dafür findet sich allerdings auch unser bisher schnellster Track auf „Regicide“. In Summe gibt es nicht mehr nur Blastbeats. Für mich ist unser bislang variabelstes Album entstanden.“

Insgesamt ist von einem kompakten, bissigen Werk zu sprechen, auf dem HOUR OF PENANCE in den Grenzen ihres Ansatzes songdienlich und abwechslungsreich agieren. Trotz Tempo- und Riff-Fokussierung kommen dabei die Melodien nicht zu kurz, wodurch das Material hörbar bleibt: „Für „Regicide“ stand von Beginn an fest, dass wir im Songwriting nicht zurück stecken oder uns irgendwie limitieren würden“, stellt der Gitarrist klar. „Wir haben das aufgenommen, was uns einfiel und anschließend nicht mehr viel verändert. Das Album sollte so spontan wie möglich ausfallen und so haben wir es umgesetzt. Die Leute werden nachvollziehen, dass wir ohne Kompromisse aufspielen und nicht versuchen, es irgendwem appetitlich zu machen. Zu hören ist ernst gemeinter Death Metal.“

…der dieses Mal noch zwingender und agiler in Szene gesetzt worden ist. Von der stilistisch breiteren Basis profitiert der Sound der Römer ungemein: „Neben kontinuierlichem Proben höre ich viel Musik, die nicht auf den Death oder extremen Metal beschränkt ist“, so Giulio. „Inspiration findet man an vielen Orten. Da wir häufig unterwegs sind, nehmen wir vielfältige Eindrücke mit. In den letzten beiden Jahren sind wir unter anderem mit Cannibal Corpse und Behemoth getourt. Mit diesen Gruppen auf der Bühne zu stehen, hat uns zusätzlich motiviert und unser Songwriting gepusht. Live zu spielen, ist unser Work-Out, die Bühne unser Fitness-Studio. Nur dort wachsen wir Abend für Abend über uns hinaus und werden bessere Musiker.“

Kombiniert mit der richtigen Einstellung führt das zu einem Album wie „Regicide“, mit dem die Italiener ihre Position in der Extrem-Sparte ausbauen werden: „Was mir im Metal bisweilen fehlt, sind frische Ideen. Damit meine ich nicht, dass jede Death-Band ähnlich Morbid Angel ein abgedrehtes Industrial-Album vorlegen muss. Doch viele Gruppen begnügen sich damit, sich schlicht zu wiederholen, wenn sie erst einmal einen Sound gefunden haben, auf den die Leute abgehen. Die Hörer bekommen dann mehrfach ein und dasselbe vorgesetzt, bis sie gelangweilt sind. Mit HOUR OF PENANCE schauen wir von einem Album zum nächsten und sind bestrebt, uns zu entwickeln und immer neue Akzente und Ideen einzubringen. Einen gewissen Basis-Sound pflegen wir durchaus, doch es muss stets weiter gehen.“

 
 Links:
  hourofpenance.net
 
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