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Diablo Blvd.

Storie von: arne, am 05.10.2017 ]

„Zero Hour“ markiert für die Belgier einen Neubeginn. Nach Abschluss der Trilogie, die sich über die ersten drei Alben gespannt hat, nehmen DIABLO BLVD. eine Bestandsaufnahme vor und ordnen ihre Prioritäten. Einmal mehr gibt es dabei düstere, manisch-stimmungsvolle Ohrwürmer zwischen Rock und Metal.

 
„DIABLO BLVD. sind als eine schwere Rock-Band gestartet, die von Gruppen wie Danzig und The Cult inspiriert ist,“ erinnert Frontmann Alex Agnew. „Unsere Intention ist es, unvergessliche Lieder zu schreiben, die ebenso viel Melodie wie Schwere aufweisen. Das ist im Grunde das, was wir schon immer tun, nur hat sich unser Spektrum an Einflüssen mit der Zeit erheblich erweitert. Meine Texte weisen ein gewisses Punk-Moment auf. Der Musik schwingt ein wahrnehmbarer 80er-Jahre-Einfluss mit. Unsere Songs verstehe ich als Soundtrack zum Untergang, denn es handelt sich um düstere, schwere Stücke.“ Auf Nachfrage bestätigt der Sänger, dass er die Gruppe eher dem Rock denn dem Metal zuschlägt:

„Im Metal wird viel Aufmerksamkeit auf Genres, Sound und Image von Bands gerichtet. Mir scheint es, als würden sich deshalb nicht alle Gruppen ernsthaft mit ihrem Songwriting auseinander zu setzen. Etliche Bands scheinen kommerziellen Erwägungen zu folgen und sich aus diesem Grund anpassen. Aus meiner Sicht ist dieser Weg falsch. Wenn ich Bands wie Killing Joke, Nine Inch Nails, Danzig oder Type-O-Negative höre, kombinieren sie zwar alle Melodien mit schweren, dunklen Klängen, doch sie bewegen sich dennoch nicht auf sicherem Terrain. Für Bands, die eigenständig und atypisch agieren, ist es oft schwierig, geeignete Tour-Partner zu finden. Wer klar einer Richtung folgt, ob nun Thrash, Death und Black Metal oder Hardcore, hat in dieser Hinsicht keine Probleme. Doch für eine Gruppe wie die unsere mit diesem Sound gibt es keine Szene. Wir können mit jedem und niemandem auf Tour gehen. Nichts ist naheliegend oder drängt sich auf. Am Ende gelingt es uns aber fast immer, zu überzeugen. Wenn Musik gut ist, finden sich auch Leute, die sie mögen. Für mich sind DIABLO BLVD. eine dunkle, schwere Rock-Band, deren Sound einen deutlichen Metal-Einschlag, aber auch Einflüsse des 80er-Jahre New Wave aufweist. Diese Einflüsse treten auf dem neuen Album noch deutlicher als auf den vorherigen zutage. Doch sie waren schon immer da. Klanglich stellt „Zero Hour“ für mich eine Abkehr von unseren ersten Alben dar, denn wir tun viel dafür, uns weiter zu entwickeln.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Belgier etwas erzwingen: „Alles, was ich versuche, ist es, meinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden,“ äußert Alex. „Während des Entstehungsprozesses des Albums hat die Band eine dunkle Zeit durchlebt. Wir haben uns von unserem Lead-Gitarristen getrennt und persönliche Tragödien erlitten. All dies hat das Schreiben zu einer sprichwörtlichen Tortur werden lassen. Glücklicherweise


ist der Spaß dennoch nicht zu kurz gekommen. Wir waren in dem Ziel vereint, ein dunkles, grooviges und sozialkritisches Album zu erstellen. Das erste Lied, das wir geschrieben haben, war ,Scarred And Undefeated‘. Zumindest war das der erste Song, von dem wir überzeugt waren, dass er wirklich gut ist. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass man ein Lied jemals wirklich beendet. Deshalb muss man sich zwingen, es irgendwann einfach sein zu lassen und mit dem nächsten weiter zu machen. Was meine Texte anbelangt, sind diese über die Jahre persönlicher und sozial bewusster geworden. Es geht nicht um „Engel und Dämonen“ oder andere Klischees. Viel lieber beschäftige ich mich mit realen Bedrohungen, die mich ängstigen.“

Die Überlegungen, die der Frontmann in den Tracks von „Zero Hour“ formuliert, sind wenig erbaulich: „Die Menschheit muss sich weiterentwickeln oder etwas Besserem weichen. Wer sagt, dass wir die letzte Stufe der Evolution sind? Wir müssen alle unsere veralteten Ideen (Religion, soziale Ungleichheit, Armut, Konsum-Fixierung) loswerden und erkennen, dass wir, wenn wir als Menschheit nicht zusammenarbeiten, uns gegenseitig zerstören. Vielleicht hat sich die Menschheit längst überholt, nur wissen wir es noch nicht. Ich bin davon überzeugt, dass wir am Rande von großen Veränderungen stehen. Alte Weisheiten und Gewissheiten gelten nichts mehr. Social Media bietet jedem eine Bühne und wir dienen unseren neuen Göttern, den Maschinen. Wenn wir überleben wollen, müssen wir unsere Augen öffnen und dürfen uns neuen Ansätzen nicht verschließen.“

DIABLO BLVD. haben etwas zu sagen und entwickeln ihr Konzept ganzheitlich: „Das beschriebene Thema spiegeln wir natürlich auch im Artwork. Kunst ist für uns gleichbedeutend mit Widerstand, auf allen Ebenen. Individualität ist entscheidend, gerade dann, wenn man etwas Wichtiges zu sagen hat. Klingt man so wie alle anderen auch, nimmt davon niemand Notiz. Wir wollen auffallen und unsere Gedanken teilen. Natürlich haben auch wir unsere Einflüsse, die wir nicht verheimlichen. Doch es ist die Kombination dieser Einflüsse mit unseren eigenen Einfällen, die uns einzigartig macht. Wir setzen düstere, schwere Riffs und Atmosphären und kombinieren diese mit starken Gesangslinien. Das Lied steht bei uns immer an erster Stelle. Alles, was den natürlichen Fluss und die Stimmung der Songs unterbricht, muss weichen. Musik bedeutet nur dann etwas, wenn sie eine Geschichte erzählt und Gefühle vermittelt. Alles andere ist im Grunde Masturbation und sollte nur im Privaten stattfinden.“

 
 Links:
  diabloblvd.be
 
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