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Negative Self

Storie von: arne, am 29.04.2018 ]

Der Crossover von NEGATIVE SELF basiert auf einer gelebten DIY-Attitüde sowie einem Old School-Sound zwischen Hardcore, Punk und Thrash Metal. Die Band um den früheren Dr. Living Dead-Sänger Andreas Sandberg legt mit „Control The Fear“ ein Zweitwerk vor, das mit Leidenschaft und der vorbehaltlosen Verinnerlichung des gewählten Ansatzes punktet.

 
„Als ich aufgewachsen bin, sind Alice Cooper und Scorpions meine Lieblingsbands gewesen,“ gibt Gitarrist Tor Nyman zu Protokoll. „Das sind zwei Bands, die sich auf qualitativ hochwertiges Songwriting statt auf komplexes, übertechnisches Material konzentriert haben. Die Produktion der Scorpions in den 1980er Jahren ist im Grunde genommen die von Pop-Songs und das schätze ich über alles – auch „Hey Stoopid“ und Platten wie diese. Das umreißt meine Ansprüche für das Songwriting. In der Oberstufe habe ich mich für Thrash Metal und Hardcore-Punk interessiert. Damals fing ich an, selbst Musik zu machen. Die ganze Crossover-Geschichte ist für mich also ganz natürlich. Ich ziele auf beide Stile ab. Für mich besitzen ideale Songs die Energie und das Tempo des Hardcore oder Thrash Metal und das Hit-Potential von ,Big City Nights‘. Außerdem liebe ich es, mit Layern und Arrangements zu arbeiten, wobei das Hinzufügen von Backing Vocals, Leads und Details oftmals der wichtigste Teil ist. Wenn ich der Band eine Song-Idee präsentiere, verstehen sie sie mitunter nicht sofort, weil die ganzen Zugaben noch nicht da sind. Gute Riffs und ein Beat allein reichen bei dieser Art von Musik nicht für einen guten Song.“

Trotz geäußerter Vorlieben nimmt sich der Künstler aus Göteborg bei der Arbeit für NEGATIVE SELF alle Freiheiten: „Ich denke, dass es keine Regeln geben bzw. man sich selbst nicht leichtfertig welchen unterwerfen sollte,“ so Tor. „Wenn man originelle Einfälle hat, muss man sie auch umsetzen. Doch selbst dann, wenn man mit Altbekanntem zufrieden ist, geht das in Ordnung. Kaum jemand beschwert sich über gute Kopien von Slayer oder Entombed. In bestimmten Kreisen ist so etwas sogar gerne gesehen. Bands in der Tradition von Minor Threat gibt es ja auch immer wieder, und sie halten die Szene lebendig. Solange neue Bands die Intensität und Spontanität mitbringen, die es braucht, um interessant zu klingen, ist für mich alles gut.“ Die eigene Band musste zunächst Fahrt aufnehmen und an Intensität gewinnen, was in ihrer Entstehungsgeschichte begründet ist:

„Am Anfang ging es nur darum, dass unser Sänger Andreas und ich zusammen rumhängen und Musik machen wollten,“ erinnert sich der Gitarrist. „Wir wollten zusammen spielen und hatten zu dieser Zeit keine anderen Verpflichtungen. Deshalb hat es geklappt. Seitdem sind wir zu einer vollwertigen Band herangewachsen und haben es geschafft, einen Rahmen zu setzen, der zu uns passt. Wir genießen es nach wie vor, gemeinsam abzuhängen und davon profitiert das Ergebnis unserer Arbeit.“ Tor hat ein klares


Verständnis des eigenen Spiels: „Wir kanalisieren etwas Bekanntes durch einen modernen Filter. Und wir mischen Sachen zusammen, die heutzutage nur wenige Bands aufgreifen. Manche Leute verstehen deshalb nicht auf Anhieb, was wir tun. Wenn der Begriff Crossover fällt, denken viele an Bands wie Municipal Waste. Ich schätze sie sehr, doch das ist nicht unser Verständnis von Crossover. Wir klingen anders. Genau, wie es damals bei DRI & Co. gewesen ist, sind wir zu Metal für Punk und zu Punk für Metal.“ Diese Charakterisierung trifft sowohl auf das selbstbetitelte Debüt als auch das Zweitwerk von NEGATIVE SELF zu. Hinsichtlich der Entstehung beider Longplayer gibt es jedoch Unterschiede: „Das erste Album war vor allem eine gemeinsame Anstrengung von Andreas und mir,“ ordnet der schwedische Musiker ein. „Eine Band aus fünf Leuten, die alle ihren Teil zum Album beitragen, lässt „Control The Fear“ nun zu dem werden, was es ist. Unser Ziel war es, eine stimmige Balance zwischen den Emotionen zu finden, wobei wir sowohl die aggressiven als auch die verträglichen Teile als wichtig erachten. Zuhörer sollen in der Lage sein, beide Facetten zu finden und das Album je nach Stimmung unterschiedlich hören zu können.“

Angesichts der tollen Melodie- und Gesangslinien sowie die starken Gitarren-Soli ist das möglich. Der Punk-Thrash-Crossover findet trotz düsterer Stimmungen und Texte seine Momente: „Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass „Control The Fear“ ein dunkleres Album als das erste ist,“ stimmt Tor Nyman zu. „Darüber bin ich nicht verwundert. Die Welt ist heute ein dunkler Ort mit dem rasanten Anstieg von Faschismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Album spiegelt zudem all das, was uns seit Erscheinen des Debüts widerfahren ist. Unschöne Dinge, die entweder mir persönlich oder anderen, die mir nahe stehen, passiert sind. Die erste Auskopplung ,Underneath The Wave‘ dreht sich um das Gefühl, in einer Lage festzustecken, in der man sich nicht wohl fühlt und die nicht gut für einen ist. Das könnte zum Beispiel sein, jeden Tag zur Arbeit zu gehen und jede Sekunde dort zu hassen. Ich denke, viele können dieses Gefühl nachvollziehen. Das Hauptthema des Albums ist aber Angst; Angst vor sich selbst und vor sozialen Strukturen sowie Angst vor dem Verderben. Für mich besteht eine unserer drängendsten Aufgaben in der Welt darin, zu lernen, mit Ängsten umzugehen. Angst bringt Leute dazu, dumme Dinge zu unternehmen, und auch ohne Angst geschehen schon zu viele schlimme Sachen. Ich hoffe, dass unser Album Ansätze dafür liefert, wie man Ängste lösen kann.“

 
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