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Southside Festival Report

Storie von: Matthias Rauch, am 17.07.2003 ]

Vom 20. bis 22. Juni war es mal wieder soweit: das Hurricane und das Southside Festival luden wieder zu einem hochkarätigen Wochenende ein. Ich spreche wahrscheinlich für viele Menschen, wenn ich einfach mal behaupte, dass die beiden Festivals dieses Jahr das attraktivste und spannendste Billing zu bieten hatten. Music-Scan war für euch beim Southside am Start und hat Aufschlussreiches zu berichten.

 

Headliner wie Radiohead, Coldplay oder Massive Attack sind von vorneherein ganz großes Kino und auch ansonsten gab es nichts zu meckern und es dürfte für jeden Geschmack etwas dabei gewesen sein. Am malerischen Neuhausen ob Eck angekommen, waren wir sofort von der äußerst schönen Location mit seinem tollen Ausblick begeistert. Auch das Wetter spielte alle drei Tage fabelhaft mit und es war kaum ein Wölkchen am Himmel zu sehen. Unseren Einstieg feierten wir dieses Jahr mit der Asian Dub Foundation, die wie erwartet ein sehr energiereiches und bewegliches Set hinlegte und wieder auf voller Länge überzeugte. Weiter ging es mit den etwas ruhigeren und beschaulicheren Grandaddy, die eine gewohnt herrlich unspektakuläre Show boten und doch eigentlich bekam man alles, was man hören wollte. Massig Songs vom feinen, neuen Album "Sumday" inklusive. Dann wartete sicherlich einer der ersten kleinen Höhepunkte in Form der Ingoldstädter Slut, die auf der Zeltbühne, die aus allen nicht vorhanden Nähten zu platzen schien, auf die Festivalgemeinde. Die Jungs wurden dann auch dermaßen abgefeiert, dass alles zu spät war und genossen sichtlich ihren Heimvorteil. Sehr überzeugende und sympathische Show, wobei vor allem die Songs des neuen Albums grandios rüberkamen. Dann hieß es, eine kleine Auszeit nehmen und sich gebührend mit Hilfe von ein paar kühlen Bierchen auf Radiohead vorzubereiten. Ich muss wahrscheinlich nicht dazusagen, dass diese Band in einer anderen Liga spielt und wir uns alle schon wie kleine Kinder darauf freuten, die Jungs von der Insel endlich mal wieder zu Gesicht zu bekommen. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten steigerten sich Radiohead auch mit Hilfe einer wie immer genialen Lightshow während ihrer gut 90-minütigen Show zu bekannter Größe. Gänsehaut galore. Wir fallen uns in die Arme und zufrieden in unser Zelt.

Ein neuer Tag, wettermäßig genauso schön wie der Letzte und auch musikalisch wohl der Vielversprechendste des Festivals. Kettcar wurden schon kurz nach 13.00 in einem vollen Zelt begrüßt und abgefeiert als ob es kein morgen mehr geben würde. Hatte mich schon sehr überrascht, dass die Resonanz zu so frühmorgendlicher Stunde schon so enorm war. Weiter mit Danko Jones, die sich wie immer ordentlich durch ihre 40 Minuten prollten und für die ganzen Jackass-Klone die AC/DC Riffs rausholten. In einem kleinen Club durchaus unterhaltsam, auf der großen Centerstage wirkten sie jedoch etwas verloren und hatten zudem noch mit genügend technischen Problemen zu kämpfen. Nada Surf überzeugten darauf wieder einmal auf ganzer Strecke und bewiesen, dass sie eine der sympathischsten Bands überhaupt sind. Starsailor und Therapy? bemühten sich zwar redlich, obwohl bei Letzteren die Glanztage definitiv vorüber sind und die Jungs sich Gedanken machen sollten, ob sie nicht Gefahr laufen, sich nicht in naher Zukunft selbst zu dekonstruieren. Auch Millencolin lieferten die hinreichend bekannte Standardkost. Wenig spannend. Live sind zwar immer nahe dran an der Peinlichkeitsgrenze und am geschmacklosen Pathos, doch zum Sonneuntergang passte der Radiorock um den charismatischen Frontmann Ed Kowalczyk eigentlich perfekt. Die Herren aus Pennsylvania boten einen bunten Querschnitt ihres


Schaffens, wobei natürlich keine Hits ausgelassen wurden, was ihnen vor allem vom weiblichen Publikum ausgiebig gedankt wurde. Abgesehen von ihrer Musik definierten die Guano Apes den Begriff "peinlich" mit Ansagen wie "Hey, ich will jetzt, dass alle Männer ihr Shirt ausziehen für die Ladies in da House" neu. Genug der Worte. Coldplay stimmten dann wieder versöhnlich und zeigten sich in ausgelassener Spielfreude, wobei vor allem Chris Martin seine anfängliche Schüchternheit und Introvertiertheit endgültig abgelegt zu haben scheint. Sehr fein und durchweg großes Kino. Danach ging es zu später Stunde weiter zu den Isländern von Sigur Ros, die aber aller Befürchtung nach im Festivalrahmen nicht annährend so funktionierten wie bei den grandiosen Einzelshows. "Lauter, Härter, Schneller" Rufe deines besoffenen Nachbarn helfen hier selbstredend auch nicht viel weiter. Schade, aber Sigur Ros sind eben definitiv keine Festivalband und so war schon nach der Hälfte des Sets für uns Zapfenstreich.

Drei Tage Musik Vollbedienung zehrt schon ganz ordentlich und so ließen wir es Sonntags doch erst mal etwas gemütlicher zugehen und fanden uns erst bei den Kiwis von The Datsuns ein, um ein bisschen das Deckhaar zu schütteln. Good Charlotte hatten uns zuvor schnell ins Zelt vertrieben und so warteten wir gespannt auf Interpol, die mit ihrem Joy Division lastigen Material nicht unbedingt an einen sonnigen Sonntagnachmittag gehören, doch die New Yorker lösten ihre Aufgabe sehr ordentlich, obwohl sie anfangs doch mit erheblichen Soundproblemen zu kämpfen hatten. Supergrass waren darauf wieder gewohnt geil und darauf wirkten die Metal-Cellisten von Apocalyptica doch eher etwas nervig und deplaziert auf Dauer. NOFX waren dann für mich so etwas wie der Tiefpunkt des Festivals, obwohl sie nach all den Jahren bei den Leuten immer noch sehr freundlich aufgenommen werden. Belangloser und musikalisch einfältiger könnte eine "Punk"-Show aber wohl kaum noch sein. Na ja, den 14-jährigen wird's gefallen haben. Die Hellacopters rockten darauf routiniert wie eh und je, obwohl ich eine gewisse Spielfreude und den üblichen Enthusiasmus vermisste, was aber auch daran liegen mag, dass ich die Jungs einfach schon ein paar Mal zu oft gesehen habe in letzter Zeit. The Roots waren dann für mich ganz klar die Gewinner des Tages mit ihrer genialen Mischung aus Hip Hop, Jazz und Funkelementen. Da durfte dann auch der Wasserschlauch zum ersten Mal so richtig zum Einsatz kommen. Tanzen, tanzen, tanzen. Nach den doch recht überflüssigen Seeed setzten Massive Attack dem Spektakel mit ihrer unglaublich dichten Show einen würdigen Schlusspunkt.

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass die Menschen von der Security einen hervorragenden Job geleistet haben und wohl zur freundlichsten und aufgeschlossensten Festival-Security gehören, die ich bisher erlebt habe. Danke dafür. Auch ansonsten war das Southside wieder ein sehr angenehmes Erlebnis, das sich durch annehmbare sanitäre Verhältnisse und einem preislich noch recht fairen Angebot von Kulinarischem auszeichnete. Bleibt zu hoffen, dass Scorpio nächstes Jahr wieder ein ähnlich hochkarätiges Line-Up bieten können. Wir sehen uns. Bis zum nächsten Jahr.

 
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