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Unearth

Storie von: arne, am 07.11.2018 ]

Die Gründung von UNEARTH reicht ins Jahr 1998 zurück. Modern-extreme Heavy-Sounds zwischen Metal und Core haben in den letzten zwei Dekaden viel Aufmerksamkeit erfahren und eine ansehnliche Transformation durchlaufen. Das Quartett aus Boston, Massachusetts war stets an vorderster Front mit von der Partie. Der siebte Longplayer „Extinction(s)“ untermauert die anhaltende Relevanz der Ostküsten-Frickler auch im Jahr des Band-Jubiläums.

 
Frontmann Trevor Phipps stellt im Gespräch zunächst klar, dass das Erscheinen des neuen Albums in 2018 nicht zwanghaft realisiert worden ist: „Unsere einzige Uhr für die Veröffentlichung neuer Musik ist unsere eigene. Im Zweifel warten wir lieber länger, um sicherzustellen, dass ein Longplayer wirklich gut ist und die Leute auch erreicht. Was wir nicht wollen, ist ein Album mit nur ein paar guten Songs abzuliefern, die von füllendem Beiwerk umgeben sind. Das wäre uns zu wenig, auch wenn sich immer erst im Zeitverlauf herausfinden lässt, wie die Leute neues Material aufnehmen. Davon lassen wir uns aber nicht beirren, sondern schreiben das, was wir wollen und von dessen Qualität wir überzeugt sind.“ Über die Jahre haben sich im Spiel der Gruppe viele Details, aber auch das Songwriting an sich verändert. Was jedoch die musikalische Stoßrichtung anbelangt, verzichten UNEARTH auf Experimente:

„Für mich klingen wir wie eine Gruppe, die mit Thrash und Death Metal aufgewachsen ist, in ihren frühen Teenager-Tagen zum Hardcore gefunden hat und ihre Einflüsse dann mutig miteinander vermischt hat“, greift der Frontmann den Faden auf. „Auf diese Art und Weise haben wir anfangs etwas für die damalige Zeit Einzigartiges und Anderes geschaffen. Mich beschleicht das Gefühl, dass wir in unseren zwanzig Jahren immer als das bezeichnet wurden, was wir sind, und dass wir bei der Entwicklung dieser Spielart massiv mit geholfen haben. Es war nicht immer der beliebteste Begriff, doch wir schreiben nun einmal die Musik, die wir hören wollen und auf die wir stolz sind. Also nenne uns nach dem, was wir sind: MetalCore.“ Diese Selbstverortung überrascht, schließlich spielen UNEARTH längst nicht mehr das, was gemeinhin unter MetalCore subsummiert wird, und sind sie doch viel besser als modern-extremer Metal zu fassen. Letztlich sind diese Überlegungen müßig, da entscheidender ist, ob die Musik Wirkung entfaltet. Und das ist beim Material von „Extinction(s)“ der Fall:

„Wir sind Fans unserer eigenen Musik“, gibt der Sänger preis. „Wenn wir uns also etwas ganz anderes oder neues einfallen lassen würden, wäre auch das keine große Sache, sondern der natürliche Lauf der Dinge. Alle unsere Veröffentlichungen unterscheiden sich im Kern dadurch voneinander, dass sie eine natürliche Weiterentwicklung gegenüber dem jeweiligen Vorgänger darstellen. Darauf arbeiten wir jedes Mal hin. Uns sagt es sehr zu, den Zuhörern mit jedem Album eine komplette Komposition anzubieten. Seit einem frühen Punkt unserer Bandkarriere arbeiten wir dabei nicht mehr nur an ein-zwei starken Songs. Als Musikfans hören wir zudem immer noch ganze Platten. Es ist so wichtig für das Verständnis eines Künstlers, sich mit ihm musikalisch, lyrisch und persönlich auseinander zu setzen. Anhand weniger Stücke gelingt das nicht. Ich betrachte diese Mentalität auch nicht als Risiko. Wir schreiben die besten Songs, zu denen wir in der Lage sind und geben immer alles. Das ist es, was uns auszeichnet und vorankommen lässt.“

Der Tatendrang der Musiker und ihr Wille, zu experimentieren, haben seit 1998 nicht nachgelassen. Auch deshalb gelingt es dem Quartett, mit jedem Album zu überraschen: „Ich fühle immer noch dieselbe Leidenschaft wie am Anfang unseres Weges als Band – wenn nicht sogar eine noch größere“, so Trevor. „Als Musiker und Songwriter mit den Jungs und als UNEARTH zu wachsen und neue Musik zu schreiben, darauf freue ich mich jedes Mal und das genieße ich wirklich. Wir sind mit jeder Platte auf unterschiedliche Weise immer brachialer geworden. Das ist eine Frage des Geschmacks und dessen, was wir live spielen wollen. „Extinction(s)“ setzt dieses Muster mit Songs fort, die nach wiederholtem Hören verlangen.“ Die aktuelle Interessenlage der Formation aus Boston ist wie folgt zu umreißen:

„Musikalisch wollen wir schwere Songs hören, die aus unseren kollektiven Einflüssen schöpfen und im allgemeinen dunkel, aggressiv oder ursprünglich klingen. Diese Band ist unser Ventil für kreative Aggressionen. Lyrisch bearbeite ich das, was mir auf dem Herzen liegt; von persönlichen Erfahrungen, historischen Bezügen bis hin zum Zustand der Welt,


wie ich sie derzeit erlebe. Die Stimmung und Eindrücke, die ich selbst aus den Songs ziehe, ist meist noch dunkler, als es die Stücke vermuten lassen. In unserer Karriere finden sich aber auch Tracks wie ‘One Step Away‘ oder ‘Unstoppable‘, die vor Positivität förmlich explodieren. Die Musik spielt eine große Rolle hinsichtlich der Frage, wovon ich inspiriert werde, meine Texte zu schreiben.“ Über die Jahre haben sich die Künstler aus Boston an vielfältigen Ansätzen abgearbeitet: „Wir hatten Platten, für die es unser gemeinsames Ziel war, ein schnelles, technisches oder Groove-orientierteres Album zu schreiben, weil wir exakt das hören wollten. Unserem Thrash-beeinflussten Album „III- In The Eyes Of Fire“ von 2006 haben wir zwei Jahre später ein knackiges, langsameres Album mit weitaus mehr Struktur folgen lassen – „The March“. Unser letzter Longplayer „Watchers Of Rule“ von 2014 ist das schnellste und technischste Album in unserem Sortiment. Im Falle von „Extinction(s)“ haben wir es nun mit einem Album mit etwas weniger Geschwindigkeit, aber vielleicht den härtesten Passagen, die wir je geschrieben haben, zu tun. Das Gleichgewicht von Geschwindigkeit und Kraft zu finden, ist das, worauf es ankommt. Es gibt eine Dringlichkeit auf dieser Platte, die vom Beginn des eröffnenden Tracks ‘Incinerate‘ bis zum letzten Cello-Klang des beschließenden ‘One With The Sun‘ reicht. Klanglich ist es eine dunkle, drückende und aggressive Platte geworden, während die Texte diese Dringlichkeit und Dunkelheit mit Themen wie Tod, Ende, Unruhe und Warnungen für die Menschheit verbinden. Für mich ist es unglaublich einfach, auf einen Song, eine Sektion oder eine bestimmte Performance abzufahren. Manchmal hilft es mir, eine Verschnaufpause einzulegen, um die Perspektive zu verändern und einen anderen Blick zu gewinnen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere starken Stücke den Test der Zeit bestehen werden.“

Dass UNEARTH selbst hoch zufrieden sind, darf als Indikator dafür gelten, dass eine weitere klasse Platte entstanden ist. Und genau das ist der Fall: „Die Band entwickelt sich ständig weiter, ganz von selbst“, zeigt sich der Shouter erfreut. „Unabhängig davon arbeiten wir immer schon bewusst auf etwas Neues hin. Als „Extinction(s)“ langsam Form angenommen hat, fühlten wir alle sofort, dass es etwas Besonderes ist. Andererseits ist es aber nur eine natürliche Weiterentwicklung unseres Spiels, auch wenn mit Sicherheit einige der besten Songs, die wir bisher geschrieben haben, enthalten sind.“ Letztlich geht es darum, die Hörer zu unterhalten: „Wir wollen vor allem, dass die Menschen die Musik genießen. Je tiefer sie in die Songs eintauchen, desto mehr werden sie sich mit dem identifizieren, worum es auf der Platte geht – sowohl klanglich als auch lyrisch.“ An der Methode Gemeinschaftsleistung haben die Musiker ebenfalls festgehalten:

„Wir alle tragen unseren Teil zum Schreib- und Aufnahmeprozess bei“, beginnt Trevor. „Deshalb pflegen wir volles Vertrauen in unsere Fähigkeiten und schaffen jedem den Raum, sich mit eigenen Ideen einzubringen. Nur selten nehmen wir komplette Songs auf; verwerfen aber auch nur wenig vor dem eigentlichen Einspielen einer Platte. Nach all den Jahren wissen wir nur zu gut, dass viel passieren kann, bevor ein Album fertig wird. Oft ist es die Mühe wert, weiter zu arbeiten. Einzelne Parts, von denen man überzeugt ist, bewahrt man sich besser für einen anderen Tag auf, wenn es einmal nicht weiter geht.“ Im Zweifel kann man sich ja auch bei alten Helden Inspiration holen: „Als ich aufwuchs, habe ich immer schnell erkannt, welche Bands von wem beeinflusst waren“, sagt der Frontmann. „Das ist für mich die natürliche Ordnung der Dinge. Ich weiß, dass inzwischen einige Bands von unserem Sound beeinflusst sind, so wie wir von Künstler beeinflusst sind, die schon vor uns da waren. Es ist alles nur ein normaler Zyklus. Ich bin dankbar dafür, dass wir ein Teil davon sind. Bezüglich unserer Band habe ich das Gefühl, dass wir besser als je zuvor sind, was unsere Qualitäten als Komponisten, Musiker und Live-Spieler anbelangt. Das möchte ich gerne noch weiter ausbauen.“

 
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