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Imminence

Storie von: arne, am 21.05.2019 ]

Die Schweden übertreffen sich auf ihrem Drittwerk selbst. Wer dachte, IMMINENCE seien schon gut gewesen, wird sich verwundert die Augen und Ohren reiben. Die kompositorische Qualität von „Turn The Light On“ erklingt nochmals gesteigert. Der Post-MetalCore der Gruppe aus Trelleborg/Malmö überzeugt mit Härte, Eingängigkeit und Breitwand-Feeling. Die Güte der Hooklines und Gesänge ist dabei fast beängstigend, in jedem Fall herausragend.

 
„Seit der Veröffentlichung unserer Singles ,Paralyzed‘ und ,Infectious‘ gab es eine deutliche Zunahme des Interesses an der Band und ein Revival von einigen unserer früheren Fans“, freut sich Frontmann und Violinist Eddie Berg. „Die bisherige Resonanz auf die neuen Songs ist unglaublich. Das haben wir so nicht erwartet. Es scheint, dass viele Leute auf eine sehr angenehme Weise überrascht worden sind. Nicht anders ist es uns selbst ergangen. Von dem positiven Feedback sowie der ganzen Liebe und Unterstützung für unser neues Album sind wir überwältigt. Der größte Unterschied zu unseren beiden Vorgänger-Alben ist die Begeisterung unserer Fans und der Leute, die gerade erst von uns erfahren haben. Dass wir dieses Mal einen Nerv getroffen haben und ein sprichwörtliches Zittern in der Luft liegt, das wir spüren können, ist fantastisch. Es ist fast so, als hätte sich unsere Musik auf „Turn The Light On“ und diesen Moment unserer Karriere vorbereitet.“

Das Drittwerk stellt in jeder Hinsicht eine Steigerung zum schon guten „This Is Goodbye“ von 2017 dar: „Bei IMMINENCE ging es uns nie darum, nur eine Sache zu tun oder uns nur auf einen bestimmten Musik-Stil oder ein bestimmtes Genre zu beschränken“, stellt der Sänger klar. „Während sich die Band entwickelt, versuchen wir, uns auch als Musiker zu verbessern und uns zu überraschen. Unserer Fan-Basis geht es dann genauso. Es ist viel lohnender und interessanter, die Grenzen der eigenen Musik und die der Zuhörer zu testen. Am Ende gießen wir immer unser Herz und unsere Seele in unsere Musik und Texte. Und letztendlich geht es bei IMMINENCE darum, das Leben möglichst vieler Menschen zu berühren, unabhängig davon, in welchem Klang oder welcher Form unsere Musik daher kommt.“ Dieses reife Selbstverständnis mussten sich die Schweden aber erst aneignen: „Die Absichten der Band haben sich sehr verändert, möchte ich sagen“, so Eddie. „Als wir anfingen, ging es nur darum, Metal zu spielen, denn eigentlich kommen wir aus dem melodischen Death Metal. Ich und Harald (Berrett/Gitarre) waren noch Teenager, als wir IMMINENCE gestartet haben. Also hatten wir viel Zeit, mit der Band zu wachsen und unsere Basis als Gruppe und Motivation als Musiker zu finden. Ich denke, dass viele junge Musiker dazu neigen, von Band zu Band und Stil zu Stil zu springen, wenn sie anfangen, selbst Musik zu machen. Für uns markiert IMMINENCE unsere erste ernsthafte Band und ist es bis heute geblieben. Entlang unserer Erfolgsgeschichte gibt es einige peinliche Begebenheiten, zugleich aber deutlich mehr, auf das wir mit Stolz zurückblicken können. Es ist unsere Reise und das, was wir aus dem Nichts heraus erschaffen haben.“

Der Blick auf die eigene Musik und die Ansprüche an die kreative Arbeit haben sich entsprechend ebenfalls verändert: „Für mich sind das Schreiben von nachhaltig wirkender Musik und die Fähigkeit, einen Weg in die Köpfe der Menschen zu finden und dort einen Eindruck zu hinterlassen, nur eine Definition von gutem Songwriting“, meint der Frontmann. „Egal, ob die Musik einfach oder komplex ist – alle Arten von Musik müssen auf irgendeine Weise eingängig sein, damit sie beim Hörer einen Eindruck hinterlassen. Wenn du ein Lied hörst, das dich berührt, stärkt es die Verbindung, wenn du die Worte mitsingen kannst und die Melodien auswendig kennst. Es ist auch für mich sehr wichtig, dass die Melodien und Hooks die Emotionen und die Bedeutung meiner Texte übersetzen. Wir bringen einen starken musikalischen Hintergrund mit, weil wir von jeher Bands hören, die genau das großartig vorgemacht haben – zum Beispiel In Flames, Linkin Park, Slipknot, um nur einige zu nennen. Wir lieben es, schwere Musik zu spielen, weil sie etwas ist, das sehr tief in unseren Herzen verwurzelt ist.“

IMMINENCE legen mit ihrem Drittwerk ein mutiges Album vor, mit dem die Schweden die Grenzen des MetalCore weiten: „Das ist genau das, was wir erreichen wollten“, freut sich Eddie. „Wir sind definitiv viel schwerer zurückgekommen als wir es vorher waren. „Turn The Light On“ ist aber nicht nur davon abhängig. Auf dieser Platte ging es mehr darum, unsere Musikalität und die Bedeutung hinter den Texten und unserem Songwriting weiter zu erforschen. Wir weigerten uns, uns auf die Erwartungen der Leute zu beschränken und beschlossen, Musik zu schreiben, die für uns selbst von Bedeutung ist.“ Von einem schwierigen dritten Album will der Frontmann nichts wissen. Zumindest nicht, was den kreativen Part der Band anbelangt: „Ich persönlich habe eine wirklich schwierige Phase in meinem Leben gehabt, weil ich von Depressionen und Selbstzweifeln betroffen war. Das kann man in den Texten hören. Musikalisch war es für uns zunächst nicht einfach, zu definieren, in welche Richtung das Album gehen sollte. Als das klar wurde, war der weitere Prozess ziemlich einfach, da wir uns eine gut funktionierende Routine angeeignet haben und das Ziel in Sicht war. Schon unsere ersten beiden Alben waren eher unterschiedlich, dass wir einen großen kreativen Spielplatz vorgefunden haben und wir nicht unbedingt auf irgendeinem Sound definiert waren.“

Diesmal haben die vier Musiker zudem von ihren Erfahrungen als Songwriter profitiert: „Das kann es manchmal auch schwieriger machen“, kontert der Sänger und Violinist. „Inzwischen wissen wir aber, dass nicht jede gute Idee tatsächlich gut ist. Wir haben härter als zuvor an diesem Album gearbeitet und viele Songs und Inhalte aus dem Fenster


geworfen, die uns einfach nicht gut genug waren oder nicht zu dem gepasst haben, was wir mit dieser Platte sagen wollten. Die Lektion, die ich für besonders wichtig erachte, ist das Erlernen des Loslassens – den klassischen Ausdruck „Töten Sie Ihre Lieblinge“. Als das Album Gestalt annahm, hat alles immer besser ineinander gegriffen.“

Wirkungsseitig hat sich dabei etwas Interessantes eingestellt: „Ich glaube, dass wir einen großen Schritt gemacht haben. Nicht nur nach vorne, sondern auch nach innen“, zeigt sich Eddie Berg überzeugt. „Für uns definiert dieses Album unseren Stil und Sound als Gruppe und legt wirklich den Finger darauf, worum es bei IMMINENCE geht. Persönlich denke ich, dass die Platte in den Songs eine große Variation besitzt, was für uns als Künstler noch offensichtlicher ist, weil es später im Mix ein wenig ausgeglichen worden ist. Es gibt aber immer noch große Unterschiede zu dem, was wir davor gemacht haben. Doch schon unser vorheriges Album „This Is Goodbye“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir bereitwillig eine völlig neue Richtung einschlagen, wenn uns danach ist. Um uns als Musiker zu entwickeln und unsere Basis finden zu können, war notwendig, dass wir ganz aus unserer Komfortzone herausgetreten sind. Und ich denke, dass wir dieses Mal mit „Turn The Light On“ wirklich Zuhause angekommen sind. Wir haben all unsere Erfahrungen und Fähigkeiten als Live-Band, Songwriter und Künstler genutzt, um das beste Album zu schreiben, das wir umsetzen konnten. Wie gesagt, alle unsere bisherigen Arbeiten haben uns zu diesem Werk geführt.“

Die Herausforderung beflügelt die Schweden: „Es trifft zu, dass es mit der Zeit immer schwieriger wird, neue Sounds zu entdecken. Uns geht es zuallererst aber um die Kombinationen und das Herzstück unserer Musik. Das Wichtigste für mich ist es, Musik mit Leidenschaft und Seele zu erschaffen. Auf dieser Platte haben wir weniger Mühe darauf verwendet, nach irgendetwas anderem als uns selbst zu klingen. ,Love & Grace‘ ist sicherlich der auffälligste Song auf dem Album, weil er sich völlig vom Rest unterscheidet. Für mich persönlich ist aber ,Death Of You‘ der Song, der unsere Grenzen wirklich weitet und verschiebt. Diesen Song wollten wir anfangs mit der kompletten Band in einer regulären Struktur umsetzen. Doch das hat sich schnell überholt. Jetzt ist er einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Insgesamt versuche ich, aufgeschlossen zu bleiben und denke, dass wir immer neue Wege gehen werden. Das ist eine der erfüllenden Sachen beim Songwriting. Alle Möglichkeiten stehen offen. Aktuell arbeiten wir an einigen akustischen Versionen ausgewählter Album-Tracks. Das wohl aber nicht so, wie man es erwartet.“ IMMINENCE und ihr Frontmann halten sich an eine einfache Weisheit:

„Folge deinen Instinkten und vertraue deinem Mut! Es mag kitschig klingen, aber so haben wir unsere besten Songs geschrieben. Ich denke nie in Stilen oder daran, was ich einschließen oder ausschließen soll. Das würde unser Songwriting nur unnötig einschränken. Manchmal muss man sich ganz in die Musik vertiefen und immer tiefer und tiefer gehen, um das zu finden, wonach man sucht. Und manchmal muss man nur einen Schritt zurücktreten, um eine neue Perspektive zu finden. Abstand ist im kreativen Prozess zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr wichtig. Deshalb versuche ich, unsere Songs nicht über einen längeren Zeitraum zu hören, um sie, wenn es nötig ist, mit frischen Ohren neu zu entdecken.“ Es kommt aber auch auf die richtige Umgebung an: „Zunächst haben wir in unserem alten Studio gesessen – bei schlechter Beleuchtung, ohne Belüftung und Fenster und einem intensiven, chemischen Geruch. Das kann man eine gewisse Zeit lang einatmen, doch irgendwann ist Schluss. Der Sauerstoff wird verbraucht, und man regt sich in einer uninspirierenden Umgebung schnell auf. Also habe ich unsere Studio-Ausrüstung in mein Zuhause auf dem Land in einem bequemen, hellen und ruhigen Raum gebracht. Dort haben wir dann weitergearbeitet. Das war im heißesten Sommer, den wir in Schweden je erlebt haben. Während der Tournee haben wir ein tragbares Studio an beliebigen Orten in ganz Deutschland aufgebaut. Ich erinnere mich besonders an die wahren, glückseligen Momente, in denen etwas klickt, der Funke überspringt und sich die Befriedigung einstellt, etwas erschaffen zu haben, von dem man sofort weiß, dass es genau so ist, wie es sein sollte.“

Auch inhaltlich lebt sich Eddie Berg voll und ganz aus: „Beim Schreiben von Texten geht es mir darum, komplizierte Emotionen, Selbstzweifel, Selbstzerstörung und Depressionen zu verarbeiten. Das tue ich in der Hoffnung, sie in Musik umzusetzen und das nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, die sie hören, zu tun, auf das es auch für sie von Bedeutung ist. Es ist meine Hoffnung, dass andere meine Botschaften auf sich beziehen und sie eine Verbindung und Trost darin spüren, mit solchen Dingen nicht allein zu sein.“ Die Gruppe bedeutet dem Frontmann längst alles: „IMMINENCE ist so ein großer Teil meines Lebens, so dass ich nicht mehr weiß, was ich ohne diese Band machen soll. Musik ist die eine Sache, die für mich Sinn ergibt und der ich mein Leben widmen möchte. Für die Menschen, die unsere Lieder hören, hoffe ich in erster Linie, dass sie etwas bei uns finden, an dem sie Freude haben, und für diejenigen, die einen Schritt weiter schauen, dass sie etwas von großer Bedeutung für ihr Leben finden.“

 
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