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Brutality Will Prevail

Storie von: arne, am 07.09.2019 ]

Das Spiel der Band aus Cardiff klingt bitter und bedrohlich. BRUTALITY WILL PREVAIL präsentieren sich auf ihrem sechsten Album „Misery Sequence“ düster gestimmt und unbequem. Der Kraft und Zuversicht raubende Mix aus metallischem Hardcore, Sludge, Noise und Ambient hat es in sich.

 
„Was das Songwriting anbelangt, ist jede Platte in etwa so ähnlich wie anders“, erwidert Schlagzeuger Marc darauf angesprochen, dass der neue Longplayer als logischer Nachfolger des 2017er „In Dark Places“ aufgefasst werden kann: „Meistens schreiben unser Gitarrist Nick und ich die Songs. Dann arbeiten wir mit Louis an den Gesangslinien, wobei er der Großteil abdeckt und wir nur dann mit Ideen einspringen, wenn er nicht weiter weiß. Die Arbeit an „In Dark Places“ war hart, weil wir die beiden Jahre davor kaum aktiv gewesen sind. Unsere Aufgabe bestand damals vor allem darin, wieder auf die Füße zu kommen. Mit „Misery Sequence“ halten wir die Messlatte, die wir mit „In Dark Places“ gesetzt haben. Zusätzlich treiben wir uns an, neue Dinge auszuprobieren und fordern uns heraus. Ich fühle, dass wir das erreicht haben, obwohl es anstrengend gewesen ist.“

Die kreative Achse der Waliser Band ist eingespielt und vertraut sich blind: „Nick und ich schreiben gemeinsam Songs seit der Zeit, als wir noch Kinder waren“, erinnert Marc. „Das gilt sowohl für BRUTALITY WILL PREVAIL als auch für andere Projekte. Zwischen uns hat sich eine eigenwillige Chemie herausgebildet, die gut funktioniert. Wir beschreiben uns die Dinge so, dass wir wissen, was der andere meint. Für alle anderen hört es sich so an, als würden wir nur Unsinn reden. Dieses Mal haben wir auch wieder mit unserem Freund und Produzenten Timothy Vincent zusammen gearbeitet. Schon für „In Dark Places“ hat er gute Arbeit geleistet. Er bringt unglaubliche Ideen ein, akzeptiert aber auch, dass wir seine Einfälle hinterfragen und die ursprüngliche Integrität unserer Musik intakt halten. Es ist etwas Besonderes, jemanden zu finden, mit dem man so gut interagiert.“ Auf Nachfrage führt der Schlagzeuger aus, dass die Musik des Quintetts weniger auf definierten Absichten als vielmehr auf situativem Bauchgefühl basiert: „Es tut mir leid, die Illusion des kreativen Prozesses zu zerstören“, äußert der Musiker. „Doch im Allgemeinen spielen wir so lange mit Ideen herum, bis sich Strukturen ergeben, mit denen wir zufrieden sind. Ganz ehrlich, es ist seltsam, wie sich das alles findet. Manchmal verbringen wir buchstäblich Wochen damit, an einem Song zu arbeiten und wollen mit dem Kopf durch die Wand. Dann wider kommen Songs wie von selbst zustande und sind von einer auf die andere Stunde fertig. Nach dem Arbeitsprozess für „Misery Sequence“ kann ich voller Überzeugung sagen, dass dieses mein bislang erfüllendstes Album mit BRUTALITY WILL PREVAIL ist. Das setzt die Messlatte ziemlich hoch, finde ich.“

Am sechsten Longplayer


der Gruppe gefällt Marc vor allem eins: „„Misery Sequence“ ist für mich unsere bisher aggressivste Platte. Sie ist direkt und auf den Punkt gebracht, weist aber dennoch jede Menge von dem Abwechslungswert und der Stimmung auf, die schon unsere früheren Longplayer bestimmt haben. Auf dem Album gibt es einen großen Teil dieser dunklen doomigen Stimmung, die ich nicht weiter mit Erklärungen zerreden will.“ Die Band aus Cardiff sucht weniger nach einem bestimmten Sound als vielmehr nach Selbstverwirklichung: „Ehrlich gesagt, arbeiten wir zumeist einfach vor uns hin“, so der Musiker. „Wenn das dann funktioniert und gut rüberkommt, dann ist das großartig. Ist dem nicht so, ist das auch völlig in Ordnung. Denkt man zu sehr über bestimmte Aspekte der Musik nach, kann man sich davon mitreißen lassen und das aus den Augen verlieren, was man eigentlich zu erreichen sucht. Unser Stil ist stets von dem beeinflusst, was uns zur jeweiligen Zeit beschäftigt. Wir hören nach wie vor viele der Platten, die uns schon zu „Root Of All Evil“-Zeiten inspiriert haben. Andererseits hören wir heute aber auch breiter gestreute Bands. Das umfasst alles vom 1980er-Jahre-Pop bis hin zum Doom. Die Entwicklung unseres Sounds geschieht daneben ganz von selbst. Wir wollen ja nicht für die Fans, sondern primär für uns selbst relevant bleiben.“

Das Selbstverständnis von BRUTALITY WILL PREVAIL ist bescheiden und geerdet: „Ich würde nicht einmal von einer Philosophie im herkömmlichen Verständnis sprechen“, entgegnet Marc. „Als Band wollen wir das erschaffen, was uns Spaß macht, herumreisen und Shows spielen. Spaß mit Freunden zu haben, war von jeher die Grundlage dieser Band. All das kann ich mit meinen Kumpels bis heute tun. Natürlich ist das bisweilen stressig. Manchmal hat man das Gefühl, dass man nur noch raus will. Doch wenn man einen Schritt zurück tritt und sich vor Augen führt, was wir alles erreicht haben und worauf wir stolz sein können, beseitigt das die negativen Gedanken sofort.“

Der Schlagzeuger zeigt sich mit seinem Beitrag zu „Misery Sequence“ zufrieden: „Ich behaupte nicht, dass wir eine technische Band sind. Wenn schon, dann sind wir eher auf der anderen Seite des Spektrums zu finden. Das gilt gerade für mich, wenn ich mein Schlagzeug-Spiel realistisch verorte. Auf diesem Album sind durchaus anspruchsvolle Drum-Parts zu finden, doch im Allgemeinen unterstütze ich schlicht die Songs. Viele Schlagzeuger vergessen, dass der Song das ist, woran sich die Hörer erinnern; nicht nur an die Schlagzeug-Performance. In meinem Spiel beherzige ich, das weniger mehr ist.“

 
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