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Isis

Storie von: arne, am 15.12.2004 ]

Der dritte ISIS-Longplayer ist als Konzept um Jeremy Bentham’s Idee eines gläsernen Gefängnisses ("Panopticon") angelegt. Was wäre, wenn der moderne Mensch der Industrie-Gesellschaft allerorten durch Kameras überwacht werden würde, unter totaler Kontrolle stehen würde?

 

Das ist längst keine ferne Utopie mehr und im öffentlichen Bereich mitunter längst praktizierte Realität. ISIS sind beileibe keine politisch motivierte Band und doch greifen sie diese beunruhigende Frage auf, thematisieren sie im Booklet auch durch Statements von Michel Foucault, Howard Rheingold und Alex Steffen.

Musikalisch setzt "Panopticon" auf den “typischen“ ISIS-Sound aus brummenden Gitarren, einem “rumpelnden“ Bass und präzisem, beherrschten Drumming. Im Fokus der einzelnen Songs steht jederzeit die Wirkung und Intensität der Soundkulissen, die neuerlich effektiviert wurden. Mehr denn je rufen die neuen Stücke im Hörer Gefühle der Leere und Verzweiflung hervor und das, obwohl ungewöhnlich viele Melodien den Weg auf "Panopticon" gefunden haben. Anders als von mir vermutet, hat sich für ISIS erst mit der Zeit ein allumfassendes Sound-Verständnis heraus gebildet, wie Frontmann Aaaron Turner im Telefonat berichtet:

„Einen universellen Anspruch hatten wir nicht von Beginn an, aber er entwickelte sich schnell. Anfangs waren wir uns noch nicht im Klaren darüber, welchem Ziel wir mit ISIS folgten und was wir mit der Band ausleben wollten. Es ging uns darum, laut und heavy zu sein und mit unkonventionellen Songstrukturen aufzuspielen. Das hat sich geändert, nachdem wir uns anderen Einflüssen als Hardcore und Metal geöffnet haben und das Spektrum geöffnet haben. Unser Background ist offenkundig, doch daneben hören wir die verschiedensten Stile, von Hip Hop über Avantgarde bis hin zu experimenteller Electronic oder 80ies Pop. Kein Genre ist ausgeschlossen und wir begegnen allen potenziellen Einflüssen gegenüber offen, was unsere Songs widerspiegeln.“

Den roten Faden verlieren ISIS dabei nie aus den Augen:

„Natürlich folgen wir einem recht spezifischen Weg, denn wir haben schon einen definierten Sound, doch wir sind auf verschiedensten Elementen aufgebaut. So hört man auch Ambient, Drum’n’Bass und gerade auf dem neuen Album auch 80er Jahre-Zitat. Unsere Musik ist heute offen


für vielfältige Interpretation und das ist uns wichtig.“

Diese Entwicklung kann man über die Veröffentlichungen der Band hinweg gut nachvollziehen, wobei "Panopticon" sowohl für das kontrastreichste als auch für das homogenste Release steht:

„Ja, unbedingt und das war uns auch im Songwriting ein wichtiges Anliegen. Wir haben besonderes Augenmerk auf die Dynamik jedes einzelnen Songs verwendet und viel offensichtlicher auf deutliche Kontraste wert gelegt. Dabei haben wir diesmal besonders auf die ruhigeren, melodischen und atmosphärischen Passagen der Songs fokussiert. In der Vergangenheit haben wir derartige Parts oft viel zu kurz gehalten bzw. komplett ausgeschlossen, doch heute sind wir uns ihrer Bedeutung und Ausdruckskraft bewusst.“

Das geht mit einer Neupositionierung einher:

„In gewisser Weise haben wir unsere Ausrichtung verändert, wie wir auch mit jedem Release gewachsen sind. Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung sind stets die Punkte, die wir am Vorgänger kritisieren. So finden wir die melodischen und atmosphärischen Elemente auf “Oceanic“ unterrepräsentiert und deshalb haben wir an diesen Passagen gearbeitet. Ganz bewusst haben wir diese Elemente in den Vordergrund geholt. Wir haben bemerkt, das uns das neue Ausdrucksmöglichkeiten bietet, die wir zuvor ungenutzt gelassen hatten.“

Die Erarbeitung neuer Songs gestaltet sich vor dem Hintergrund hoher eigener Ansprüche denkbar kompliziert:

„Das Songwriting gestaltet sich für uns von Platte zu Platte schwieriger, weil sich unser qualitativer Anspruch an die einzelnen Parts immer weiter gesteigert hat und heute ein durchweg hohes Niveau dokumentiert, das wir halten und ausbauen wollen. Nach der letzten Platte brauchte es eine gewisse Zeit, bis wir mit der Arbeit an neuen Songs beginnen konnten. Die ersten Versuche missfielen uns und wir fingen komplett von vorne an. Wir haben jeglichen Druck ausgeblendet und eine Zeit lang lediglich gejamt. Das hat unsere Köpfe befreit und erst dann haben wir die Songs geschrieben.“

 
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