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Sinai Beach

Storie von: arne, am 08.06.2005 ]

Mit “Immersed“ erscheint der zweite SINAI BEACH Longplayer über den Chicagoer Szene-Giganten Victory Records und markiert den vorläufigen Höhepunkt einer eindrucksvollen Bandkarriere. Praktisch von Null auf Hundert konnte die Band aus Süd Kalifornien mit ihrem Facedown Debüt "When Breath Escapes" für genreübergreifende Aufmerksamkeit sorgen, die durch das Zweitwerk nun eindrucksvoll ausgebaut wird.

 
Das Quintett zeigt sich darauf musikalisch gewandelt, doch noch immer dominiert brutaler Metal und ein gehöriger Schuss Emotionalität. Mehr noch, “Immersed“ ist wohl neben den tollen Darkest Hour-Platten das stärkste MetalCore-Release auf Victory und angesichts harter Konkurrenz wie Between The Buried And Me oder A Perfect Murder ist das ein großes Kompliment. SINAI BEACH holen zum brachialen Metal-Mosh-Rundumschlag aus. In den schleppenden MidTempo-Parts klingen sie so, wie es Martyr AD hätten tun müssen, und in den trockenen Tempo-Parts zeigt der Fünfer den Kollegen von Dead To Fall, wie man wirklich brutal aufspielt.

Das Victory-Debüt der Kalifornier bringt all das, was eine moderne Metal-Hardcore-Scheibe auszeichnen sollte, im Überfluss mit, und gewissermaßen als Bonus lassen SINAI BEACH eine erkennbar eigene Note einfließen. Der aggressive Hardcore-Mosh mit um vielerlei melodische Momente, aber auch recht traditionellen Thrash-Zitate (think Pantera) versetzt. Alle Stilelemente greifen variabel und stimmig ineinander und für die zwanglose Verknüpfung der unterschiedlichen Parts, sowie für die erinnerbaren Passagen, sorgen die ungemein starken wie charismatischen Vocals von Frontmann CJ Alderson, der nicht davor zurück schreckt, auch unkonventionelle Linien zu setzen – klasse!

Der Frontmann zeigt sich mit der positiven Entwicklung seiner Band verständlicher Weise sehr zufrieden, auch wenn SINAI BEACH kritische Reaktionen durch die musikalische Schwerpunkverschiebung bewusst in Kauf nahmen: "Ich bin mit unserer Entwicklung sehr glücklich. Uns war natürlich bewusst, dass “Immersed“ zwiespältige Reaktionen hervorrufen würde. Das ist allein schon durch den musikalischen Wandel bedingt. Unser Debüt war ganz klar noch fokussierter Chaos-Hardcore und aus diesem Bereich rekrutierten sich unsere Fans. Mit der neuen Platte gehen wir nun andere Weg, was viele anfangs überraschen dürfte. Uns war es wichtig, härter und brutaler zu werden, gleichfalls jedoch auch nachvollziehbarer in der Anlage der Songs. Ich denke, wir haben jetzt unseren Stil gefunden, dem wir auch zukünftig weiter nachgehen werden. Engstirnige Hardcore-Kids haben mit der neuen Ausrichtung unter Umständen Probleme, doch wer sich für schwere Musik interessiert, ist bei uns genau richtig.“

Diesem selbstbewussten Statement kann ich nur zustimmen. Natürlich interessierte es mich, wie es zu den schon gravierenden Unterschieden zwischen beiden Longplayern kam: "Unser Hauptanliegen war es, den nervigen Trends im amerikanischen Hardcore und Metal etwas Frisches und Anderes entgegen zu setzen. Dabei schauen wir zurück auf große zeitlose Klassiker, die heute von vielen vergessen scheinen. Aus der Kombination alter und neuer Elemente entwickelt sich ein kompromissloses Album, das unser Verständnis harter Musik dokumentiert. Wir haben all unsere persönlichen Favoriten wie Suffocation, Pantera, Fear Factory, Testament, The Cult, Crowbar, Slipknot, Cannibal Corpse, etc. mehr oder weniger


offensichtlich einfließen lassen. Bei all den modernen Hypes darf man diese nicht vergessen und wir tragen unseren Teil dazu bei."

Das ist zweifellos ein gesunder Anspruch für eine junge Band. Zieht man “Immersed“ als Kontrollgröße heran, kann man dem Quintett attestieren, erfolgreich gewesen zu sein. Neben der Musik zeigen sich auch die Texte merklich gewandelt:

"Es war recht hart für mich die Lyrics für die zweite Platte zu schreiben, nachdem ich auf die des Debüts so viel positives Feedback bekommen hatte. Damals war es nicht schwer, meine Wut und die Aggressionen der Jugend in Texte zu verpacken, aber das war damit auch abgehakt. “Immersed“ ist deshalb von den Lyrics her eine weitaus persönlichere Platte geworden. Ich habe ich mehr damit beschäftigt, was ich in meinem Alltag durchlebe und was mich selbst bewegt. Ich bin überaus gespannt, wie die HC-Kids reagieren werden und freue mich auf das Feedback."

In der Thank-List stolpert man schnell über die Danksagungen der Band an die Republikaner sowie alle Teile der US-Armee. Das reicht weit über Patriotismus hinaus, stößt aber vor allem in Europa auf Unverständnis. Weiter kommentieren wollte es CJ jedenfalls nicht. Die Gerüchte, nach denen SINAI BEACH eigentlich länger auf Facedown hätten bleiben sollen, bestätigt er hingegen:

"Es stimmt, zunächst sollte auch “Immersed” über Facedown erscheinen, doch während der Aufnahmen stellten wir fest, dass sich unser Weg mit der neuen Platte entscheidend verändern würde. Gemeinsam mit Facedown sind wir zu der Einschätzung gelangt, dass wir uns nach einem größeren Label umschauen müssten, um das starke Potenzial möglichst effektiv auszunutzen. Victory erhielt letztlich den Zuschlag und scheint genau die richtige Wahl gewesen zu sein."

Nach Comeback Kid sind die Kalifornier damit die zweite christliche Band auf dem Chicagoer Label: "Ideologisch und auch von der musikalischen Positionierung her, bestanden zwischen Facedown und uns sicherlich mehr Berührungspunkte, doch letztlich spielt es keine große Rolle, ob das Label, mit dem man als Band arbeitet, die gleichen religiösen Überzeugungen teilt. Wichtig ist allein, dass sie an die Stärke des Albums glauben und uns nach Kräften unterstützen. Lässt man persönliche Einstellungen und den optischen Eindruck bei Seite, bleibt lediglich schwere Musik zwischen Hardcore und Metal stehen."

In diesem Spannungsfeld entstehen harte Musik und positiv ausblickende Vocals, gany wie es die Kombination beider Richtungen suggeriert: "Sicherlich bestehen Vorurteile, doch für uns ist Metal nicht per se negativ und Hardcore im Umkehrschluss positiv ausgerichtet. Beide Richtungen setzen sich aus beidem zusammen, die Frage ist allein, wie eine Band diese gegensätzlichen Pole in den eigenen Songs einsetzt. Nimm uns, die harte und sicherlich negativ anmutende Musik steht keinesfalls im Widerspruch zu unseren positiv ausblickenden Texten und unserer lebensbejahenden Einstellung dem Alltag gegenüber."

 
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