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Soilent Green

Storie von: arne, am 11.07.2005 ]

Mit ihrem vierten Longplayer “Confrontation“ (Relapse) melden sich SOILENT GREEN endlich souverän und schlagkräftig nach längerer Veröffentlichungsabstinenz im Metal-Underground zurück! Und darüber muss man wirklich froh sein, denn Ende 2001 und im April 2002 ereilten die Band aus New Orleans zwei schlimme Auto-Unfälle, die fast das Ende für die Musiker bedeutet hätten und deren Spätfolgen bis heute nachwirken.

 
Vor allem Shouter Ben Falgoust wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen, musste das Gehen komplett neu erlernen und laboriert teilweise noch immer an seinen Verletzungen. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Band durch den plötzlichen, unerwarteten Tod ihres früheren Bassisten Scott Wiliams. Die vier Jahre nach dem Release des famosen “A Deleted Symphony For The Beaten Down“ waren hart für SOILENT GREEN, doch die Formation mit (ex-) Eyehategod-, Goatwhore- und Crowbar- Mitgliedern hat niemals aufgesteckt und kommt nun stärker denn je zurück.

Den Neuanfang startet die Band aus Lousiana mit Gitarrist Tony White und Scott Crochet am Bass, die seit den ersten Live-Gigs vom Sommer 2003 fest zum Line-Up zählen. Generell scheint im Songwriting dadurch eine gewisse Gelassenheit Einzug gehalten zu haben, obwohl SOILENT GREEN auf “Confrontation“ auch ebenso brachial und temporeich wie in der Vergangenheit auftreten. Dennoch wirkt das vierte Studio-Album ungemein relaxt und ist schön flüssig zu hören. Dabei ist es sowohl überaus variabel als auch merklich fokussiert angelegt. Bandtypisch ist erneut eine Platte der Gegensätze entstanden, die sich vieler verschiedener, oftmals eigentlich ausschließender Elemente bedient und diese in anspruchsvolle, stimmige Songs bindet. Die latenten Sludge-Passagen der Vergangenheit haben eine Aufwertung erfahren und auch groovige Rock-Passagen erklingen heute zentraler gesetzt. Die krasse Relativierung der schnellen, harten Grind-Metal-Passagen durch „entspannten“ Mid-Tempo-Rock wirkt phantastisch und fügt dem dichten Heavy-Spektrum eine neue Ebene hinzu, toll.

SOILENT GREEN stellen mit “Confrontation“ eindrucksvoll unter Beweis, dass der Rolling Stone sie völlig zurecht als "one of the ten most important hard and heavy bands" bezeichnete. Das kann ich nur ausdrücklich unterstreichen, denn diese Band aus New Orleans ist für den Heavy-Underground wirklich essentiell! Es überraschte mich nicht zu hören, dass Ben Falgoust eine sehr allgemeine Einstellung in Bezug auf die Gruppe äußert:

„Für mich steht SOILENT GREEN für verschiedene Dinge, aber schon immer verkörperte es die Idee, verschiedene Stile zusammenzuführen; extreme Elemente zu mischen. Das beinhaltet von Hardcore über Grindcore, Old Metal, New Metal, Punk bis hin zu einer Prise Blues einfach alles! Musik, die einfach jeder erleben kann und die uns selbst Spaß macht. Auch wenn es etwas länger dauerte, bis wir richtig loslegen konnten, war SOILENT GREEN schon immer eine richtige Band. Ich denke, wir haben schon immer Außergewöhnliches geboten; mussten uns aber selbst erst einmal darüber klar werden, was wir wollen.“ Da scheinen die Musiker längst auf einen Nenner gekommen zu sein, wie “Confrontation“ brachial beweist, und auch die neuen Mitglieder passen hörbar gut ins Konzept: „Es läuft für die Band richtig gut, das stimmt, und die beiden neuen Leute haben sich wirklich problemlos eingefügt. Das neue Material ist in kurzer Zeit entstanden und das Songwriting verlief ohne Probleme. Einiges weist vielleicht Ähnlichkeiten zu “Sewn Mouth Secrets“ auf, doch wir haben auch viele neue Elemente integriert. Das Album hat wieder einen etwas anderen Sound, doch


das trifft ja auf jedes SOILENT GREEN Release zu. Mit jeder neuen Veröffentlichung kommen wir einen Schritt voran, wobei jede Platte ihre eigenen Schwerpunkte und besonderen Momente hat. Gerade live merken wir das, denn wir können auf viele verschiedenartige Songs zurückgreifen. Dabei ist witzig, dass wir eigentlich nicht bewusst danach streben, uns weiterzuentwickeln, und dennoch passiert es. Wir haben das den “Mixer-Effekt“ getauft. Aus der Durchmischung unserer vielfältigen Einflüsse entstehen jedes Mal anders klingende Tracks, und eben aus diesem Grund gibt es für uns auch gar keinen Anlass, eine bewusste Weiterentwicklung zu forcieren. Alles was wir mit “Confrontation“ versucht haben, ist, unsere Einflüsse zu untermauern und die Stücke in einen etwas flüssigeren Kontext einzuordnen.“

Das ist SOILENT GREEN zweifellos gelungen und das variable Material überzeugt auf breiter Front, obwohl es teilweise in Kleinstarbeit entsteht: „Wenn wir neue Songs erstellen, ist es die reinste Puzzle-Arbeit. Einige sind nach drei Tagen fertig und andere erst nach mehreren Wochen. Das hängt von den Stilen ab, denen wir in der fraglichen Zeit nachgehen. Es ist immer eine Art emotionaler Startschuss nötig. Manchmal kommt einfach alles zusammen und oft auch nicht. Ist die Musik dann im Kasten, versuche ich, meine Texte richtig zu platzieren.“

Bands aus New Orleans stehen dieser Tage wieder hoch im Kurs und auch SOILENT GREEN werden mit ihrem “Confrontation“ ein gehöriges Wort mitzusprechen haben. Mich interessierte folglich, wie Ben Falgoust die Entwicklungen der letzten Zeit wahrnimmt: „Darauf gebe ich nicht viel, denn das kommt und geht in Wellen. Einen Tag scheint alles noch ganz groß und im Fokus der Öffentlichkeit, und schon kurz darauf ist alles wieder vergessen. Dennoch sehe und schätze ich die eigene Note aller Bands unserer Gegend, gerade im Bereich der extremen Musik. Jeder hier macht sein eigenes Ding, und keine Gruppe klingt wie die andere. Schau dir doch die Nord-Ost-Küste an, da ist es das genaue Gegenteil, und hunderte von Bands spielen heute MetalCore, und man kann sie nicht mehr unterscheiden. Hier in Lousiana gibt es so etwas nicht.“

Wenigstens in Bezug auf BLACK SABBATH-Einflüsse scheint sich die Region doch aber einig: „Es stimmt schon, aber das ist nicht unbedingt nur auf BLACK SABBATH zurück zu führen, vielmehr auf diese bluesigen und jazzigen Sounds von denen aus sie sich entwickelt haben. Es reicht also noch weiter zurück, auch wenn BLACK SABBATH zweifellos großen Einfluss auf viele New Orleans-Bands ausgeübt haben.“ Abschließend musste ich natürlich noch den aktuellen Gesundheitszustand des Shouters erfragen:

„Es geht schon wieder recht gut, doch hinter mir liegt eine harte Zeit. Ich hatte mir sowohl beide Beine als auch beide Knöchel gebrochen, und vor allem die Knöchel bereiten bis heute Probleme. Immer wieder gab es Entzündungen und der Zustand schwankte von Tag zu Tag. Hinzu kam, dass ich selbst auch einige Dummheiten begangen habe, die nicht ohne Folgen geblieben sind. Darunter hatte ein Basketball-Spiel mit einigen Freunden die schlimmsten Auswirkungen. Ich kann aber nicht nur still sitzen, ich will auch Spaß haben.“

 
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