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Sunn O)))

Storie von: arne, am 09.10.2005 ]

Schon immer sind SUNN O))) eine Band der Extreme gewesen, und da ist es naheliegend, dass nach den beiden “White“-Veröffentlichungen der sechste Output des Duos Stephen O'Malley/Greg Anderson (u.a. Thorr's Hammer, Goatsnake, Lotus Eaters, Khanate und SouthernLord) nunmehr mit “Black One“ betitelt ist. Musikalisch werden die vorangegangenen Arbeiten zwar nicht ebenfalls ins genaue Gegenteil verkehrt, doch Veränderungen hat es gegeben.

 
Schnell ist zu konstatieren, dass die bislang “hörerfreundlichste” Veröffentlichung der Band entstanden ist, obwohl diese gleichzeitig deren sowohl destruktivste als auch dunkelste Songs beinhaltet. Das Kult-Drone-Sludge-Doom-Experimental-Duo hat vor allem im Bereich des Songwritings nachgelegt, und in Bezug auf “Black One“ kann man erstmals von wirklich erkennbaren, nachvollziehbaren Songstrukturen sprechen. Darüber hinaus ist offenkundig, dass die sieben „gewohnt“ bizarren Minimal-Arrangements konzeptionell miteinander verbunden sind.

Der Anteil erst im Studio improvisierter Parts erscheint deutlich reduziert. Das Album verfügt einerseits über einen natürlichen Soundfluss als auch andererseits über weitaus mehr Vocals als die bisherigen SUNN O)))-Releases. Neben den Gastmusikern Oren Ambarchi und John Wiese (Bastard Noise) wurden für den Gesang Wrest (Leviathan, Lurker Of Chalice, Twilight) und Malefic (Xasthur, Twilight) ins Studio gebeten, und mit diesen experimentierte man bei den Aufnahmen des Gesangs gehörig. So wurde etwa Malefic samt Mikrophon in einen Sarg eingenagelt und in einem Leichenwagen nachts im dunklen Wald abgestellt (Im SouthernLord-Forum abrufbare Bilder belegen diese Story!). Dort sang/krächzte er seine Parts ein. Wenn das nicht „grimm“ ist, was dann?

Über die eigenwillige Methode der Aufnahme mag man vielleicht schmunzeln, doch beim Hören des Tracks gefriert einem angesichts der Authentizität der hörbaren Angstzustände das Blut in den Adern. Klaustrophobischere, isoliertere Vocals als beim beschließenden Track ’Bathory Erzsebet’ hörte man zuvor noch nie! Mit “Black One“ untermauern SUNN O))) ihre Position, eine der extremsten, experimentellen Metal-Bands zu sein. Dabei markiert das Album für das Duo O'Malley/Anderson die nächste Stufe auf ihrer Suche nach vertonter Schizophrenie.

Im Gespräch entgegnet SouthernLord-Kopf Greg Anderson auf die weitaus nachvollziehbarere Anlage des sechsten Werkes seiner Band angesprochen Folgendes:

„Dein Gefühl resultiert wahrscheinlich aus der Tatsache, dass alle Songs in einem zeitlich abgegrenzten Aufnahmefenster entstanden sind und dadurch sowohl ähnliche Gefühle als auch einen vergleichbaren Sound transportieren. In der Vergangenheit haben wir die einzelnen Songs der Alben über weitaus längere Zeiträume hinweg eingespielt. Wann immer es sich ergeben hat, nahmen wir Stücke auf. Oftmals bestand dabei kein richtiges Konzept, und am Ende mussten wir mehrere Einzel-Songs zu einem Album zusammen zu setzen. Da fehlte letztlich vielleicht tatsächlich ein wenig der rote Faden. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass wir früher im Studio häufig improvisiert und diese Jams sofort mitgeschnitten haben. Nur bei


“Black One“ und teilweise auch bei “00 Void“ gingen wir mit relativ konkreten Vorstellungen ins Studio und spielten Songs ein, die vorher schon fast völlig fertig gewesen sind. Zwar ist “00 Void“ damals auch in mehreren Aufnahme-Sessions entstanden, doch wir haben versucht, ein Konzept über alle Stücke hinweg durchzuziehen. Das Resultat zeigt, dass es wohl der bessere Weg ist, unsere Platten aufzunehmen. In Bezug auf “Black One“ haben wir den Konzept-Charakter noch stärker forciert, was sich als richtige Entscheidung erwiesen hat. Es ist das bislang stärkste SUNN O)))-Album.“

Doch auch die Studioarbeit in der Vergangenheit verlief keinesfalls plan- und ziellos, wie Greg weiter ausführt:

„Es ist ja nicht, dass wir nicht auch schon in der Vergangenheit Vorstellungen davon hatten, wie unsere Alben werden sollten. Wir haben uns in der Vergangenheit jedoch stets nur einen Rahmen gesetzt und uns in diesem viel kreativen Freiraum gelassen, den wir durch Improvisation ausfüllten. So konnte sich der Sound von ganz allein ausbreiten. Wir sind ihm lediglich gefolgt. Ohne den natürlichen Fluss der Musik einzuschränken, versuchen wir heute einfach etwas gezielter vorzugehen. Das äußert sich darin, dass den Stücken mehr Struktur verliehen wird, wie es dir ja aufgefallen ist. Wenigstens die zentralen Riffs und Grundgerüste der Songs bestehen schon, wenn wir heute ins Studio gehen. Und das gilt für jeden einzelnen Song und nicht nur für manche. Auf eine richtige Pre-Produktion verzichten wir jedoch nach wie vor.“

Die Entwicklung der Band wird dabei gleichberechtigt von Steven O'Malley und Greg selbst voran getrieben. Gemeinsam entscheiden die beiden, welche Künstlern sie für ihre Releases ins Studio einladen:

„Steven und ich haben sehr ähnliche Vorstellungen in Bezug auf die Entwicklung von SUNN O))) sowie die Personen, mit denen wir zusammenarbeiten wollen. Für “Black One“ war uns vor allem wichtig, mit verschiedenen Sängern arbeiten. Wir suchten uns die nach unserer Ansicht spannendsten Frontmänner der amerikanischen Black Metal-Szene aus, die schon mit ihren eigentlichen Bands die Grenzen der Underground-Musik ausloten. In der Kooperation mit SUNN O))) motivierten wir sie zu noch extremeren Leistungen.“

Das nun vorliegende, sechste Album rechtfertigt den betriebenen „Aufwand“ des Recordings fraglos, denn in punkto Atmosphäre und Ausdruckskraft ist mit “Black One“ ein schlichtweg richtungsweisendes Drone-Werk entstanden. Für die Hörer ist dabei vor allem die Tatsache spannend, dass O'Malley/Anderson mit jedem Release Neues ausprobieren. Ihren minimalistischen Experimental-Metal erweitern sie beständig und nähern ihn einem Maximum an vertonbarer Schizophrenie an.

 
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