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Sonic Syndicate

Storie von: Daniel, am 18.05.2007 ]

SONIC SYNDICATE waren bis dato eine Band, von der bisher eher wenig bis gar nichts bekannt war. Als Schülerband von den drei Sjunesson-Brüdern gegründet und seinerzeit noch unter dem Namen "Fallen Angel" bekannt, veröffentlichte man zunächst drei Demos, bevor es der Band 2004 gelang, einen Vertrag mit dem kleinen amerikanischen Label Pivotal Records zu unterzeichnen und man nach reiflicher Überlegung schließlich den Namen in SONIC SYNDICATE änderte. So entstand in der Folge das Debütalbum "Eden Fire". Klingt die Geschichte der in der Gegend von Falkenberg beheimateten Band bis dahin noch sehr schlicht und wenig außergewöhnlich, so soll sich dies mit dem von NUCLEAR BLAST ausgelobten Nachwuchswettbewerb ändern.

 
Die Band nahm an diesem Teil und konnte sich gegen unglaubliche 1500 andere Acts durchsetzen. Der verdiente Gewinn bestand aus einem Plattenvertrag. Im letzten November enterten SONIC SYNDICATE nun die Black Lounge Studios in Avesta und nahmen unter der Federführung von Jonas Kjellgren (bekannt als Gitarrist von Scar Symmetry) ihr zweites Album "Only Inhuman" auf.

Zeitsprung ins Frühjahr 2007. Die Aufnahmen sind beendet und offenbar versprechen sich Nucleat Blast viel von SONIC SYNDICATE, denn im Gegensatz zu manch anderer Band beschränkt man die Promoaktivitäten nicht auf das Versenden von CDs und das Schalten von Anzeigen in den gängigen Magazinen, sondern hier werden ungleich größere Geschütze aufgefahren. Eine illustre Meute Musikjournalisten aus beinahe allen Ländern Europas wird nach Schweden eingeladen, um dort exklusiv Interviews mit der Band zu führen und dazu natürlich das neue Album zu hören, vom feuchtfröhlichen Rahmenprogramm ganz zu schweigen. An einem sehr unchristlichen, weil frühen Samstagmorgen nun beginnt die Reise des auserkorenen Schreiberlings...

Auch wenn man bisher der Meinung war, mitten im Ruhrgebiet zu wohnen wäre eben nicht so, als sei man in der Provinz beheimatet, so belehrt einen die Deutsche Bahn schnell eines Besseren, denn die Anreise zum Düsseldorfer Flughafen gestaltet sich ob der frühen Abflugzeit (7:15) mehr als schwierig. Nachdem diese Hürde aber schlaftrunken genommen ist und man sich durch Massen von Fluggästen aus aller Herren Länder gekämpft hat, nimmt die Reise eine entspannten Verlauf. Der Flieger ist erstaunlich leer, so daß der Kollege vom Rock Hard und ich uns würdig ausbreiten können. Auch vor Ort in Stockholm ist man spontan erstaunt vom gänzlich reibungslosen Transfer zwischen Flughafen und Innenstadt, denn der Airport Arlanda ist nicht wirklich zentral gelegen. Während eines kurzen Fußmarsches vom Hauptbahnhof zum Hotel, bei dem der straßenkartenbewehrte Kollege den Weg über graue, von Rollsplit bedeckte Wege weist, kann ich erste Eindrücke von Schwedens Hauptstadt sammeln. Grau und ruhig liegt die Stadt noch im Halbschlaf, hier und dort türmen sich kleinere Schneehaufen (ja, hier gibt es noch Schnee) und es scheint kein Vorurteil zu sein, daß der Schwede an sich gerne der hier beheimateten Automarke Volvo die unbedingte Treue erweist.

Unser Hotel, komplett im Schiffahrtsstil gehalten, ist im Stadteil XXX gelegen, ganz in der Nähe einiger Clubs und nicht unweit der Altstadt. Nach dem kurzem Check In stellt sich schnell heraus, daß wir beiden die ersten Ankömmlinge sind und gezwungen sind, bis zum offiziellen Programmstart ein paar Stunden Zeit totzuschlagen. Nach dem Mittagessen und dem ersten Bier (Langeweile ist der Freund der Hobbyalkoholiker), trudeln nach und nach die Kollegen aus den anderen Ländern ein und schließlich auch ein Teil der Promotion-Mitarbeiter von Nuclear Blast ein, während Chefpromoter Florian irgendwo, auf irgendeinem Flughafen festhängt und erst später am Abend zu uns stossen wird.

Nach kurzem Meet and Greet, schließlich kennt man sich untereinander noch nicht, geht es im Gänsemarsch und schließlich mit der "Tube" Richtung Innenstadt, wo wir schließlich auf die Band treffen. Angekündigt ist zunächst eine "Special activity", über die sich der eine oder andere sicherlich auch im Vorfeld schon Gedanken gemacht hat. Anstelle lustiger Kennenlernspiele hat sich Nuclear Blast entschlossen einen eher metalmäßigen Weg einzuschlagen und so wird die Truppe kurzer Hand in zwei Teams aufgeteilt und wir irren so mit Laserkanonen bewaffnet und unter lautem Technogedröhne durch eine dunkle Halle, um uns gegenseitig virtuell das Lebenslicht auszublasen. Hier gibt es dann die ersten Kollateralschäden, weil man trotz neonfarbener Weste ständig jemanden umrennt. Trotz etwas Schweiß und unklarem Ergebnis ein kurzweiliger Spaß, der die Stimmung spürbar auflockert. Jetzt ist es aber endlich an der Zeit für eine ordentlich Portion Musik. Die spätestens jetzt durstige Meute wird ins extra angemietete KGB geleitet, einer originell im Stile der früheren Sowjetunion eingerichteten Kneipe. Nach einer kleinen Stärkung mit Schnittchen, Süßigkeiten und Bier, sowie einer charmant-schüchternen Ansprache von Sänger Richard, gibts ordentlich auf die Ohren.

War man im Vorfeld wie ich vielleicht noch skeptisch, was die Ausrichtung der Band angeht, schließlich ist melodischer DeathMetal traditionell schwedischer Prägung gemischt mit aktuell angesagtem Metalcore nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß, so sind alle Zweifel schnell hinweggefegt. Mit enormem Druck knallen elf potentielle Hits aus den Boxen, die einerseits imposant produziert sind und auf den ersten Blick keinerlei Schwächen zeigen, aber auch gleich einen hohen Wiedererkennungswert erkennen lassen und so frisch wirken, wie es nur eine junge und hungrige Band tun kann. Man kommt nicht umhin festzustellen, daß der gute Jonas Kjellgren sich zu einem echten Geheimtip in Sachen Produktion entwickelt, denn ebenso wie bei seiner Hauptband, so schneidert er auch den von ihm aufgenommenen Bands einen Sound auf den Leib, der sich gewaschen hat und manche sog. Produzentenlegende recht alt aussehen lassen dürfte.

Nachdem sich die versammelte Meute genüsslich dem Album hingegeben hat, die Band sichtlich verlegen, ob der teils überschwenglichen Reaktionen


leicht errötet und verschüchtert aber dankbar erste Gratulationen entgegen genommen hat, werden die Jungs kurzer Hand aufgeteilt und stehen uns Rede und Antwort. Schließlich sitzt mir Richard (Sjunesson, Gesang) gegenüber und versucht gegen den allgemein hohen Geräuschpegel des KGB anzukämpfen. Zunächst kann Richard sich kaum bremsen, als ich ihn Frage, wie zufrieden er mit "Only Inhuman" tatsächlich ist. Zwar hat die Band kaum eine Verschnaufspause gehabt, denn die tatsächlichen Aufnahmen und der Mix sind kurz zuvor erst beendet worden, aber trotzdem sei die gesamte Band einfach nur stolz und glücklich. Mit der Wahl des Produzenten (auch wenn Nuclear Blast da sicherlich gerne auf Jonas zurückgegriffen haben mögen, was auch nahe lag) sei man ebenso glücklich, denn die Zusammenarbeit erwies sich als unkompliziert und freundschftlich. Wer Scar Symmetry einmal live erleben durfte, der wird den überaus sympathischen Eindruck auch nur bestätigen können, den Jonas Kjellgren live auf der Bühne hinterlässt. Richard betont, daß man ebenso gerne wieder auf den Produzenten des Debütalbums zurückgegriffen hätte (Johan Örnborg), aber um sozusagen einen Neustart zu wagen, mit dem neuen Label im Rücken und nur, um eine neue Perspektive zu erlangen, sei die Neuwahl des Produzenten einfach ein logischer Schritt gewesen. Zudem, auch wenn Richard zu jenem Zeitpunkt nicht im Studio zugegen war, so hat Jonas offenbar auch nicht nur an diversen Knöpfchen gedreht, sondern mit seiner langjährigen Erfahrung auch eifrig mitgeholfen ein paar Details an den Songs zu verändern und hier und da leichte Veränderungen in den Arrangements vorzunehmen.

Zwar ist Band noch jung an Jahren, in dieser Form gibt es SONIC SYNDICATE erst seit rund fünf Jahren, so sind die drei Brüder doch eine eingeschworene Gemeinschaft. Die drei Sjunesson-Brüder spielen zusammen seitdem sie etwa 12 Jahre alt sind. Alles hat ganz klassisch in einer Schülerband angefangen. Da die Mitglieder auch alle erst Anfang zwanzig sind, ist nicht auszudenken, was passiert, wenn die Band noch erfahrener und reifer wird. So aber gewinnt man schon jetzt den Eindruck, daß hier ein immenses Talent am Werke ist. Fragt sich, was die Band im Vergleich zum Debüt verändert hat. Auch wenn die Distanz zu "Only Inhuman" noch nicht gegeben sein mag, wo entdeckt der sympathisch-bescheidene Sänger die Unterschiede ? "Nahezu überall" kommt es wie aus der Pistole geschossen. Das erste Album war in ein klares, dreiteiliges Konzept gegliedert, während man jetzt einfach 11 thematisch nicht unmittelbar verknüpfte Songs geschrieben habe. Dazu seien die neuen Songs auch wirklich neu, denn für das Debüt griff man teilweise auf bereits älteres Material aus dem Demostadium der Band zurück.

Die musikalischen Einflüsse der Band sind dann allerdings wenig überraschend. Dem Hörer werden ohnehin schnell ein paar Namen im Kopf herumschießen, aber auch Richard gibt freimütig zu, daß gerade In Flames ein immenser Einfluss seien. Daneben natürlich Metalcore-Größen wie Killswitch Engage. Zwar hört man diese Einflüsse sofort heraus, kann SONIC SYNICATE aber sicher nicht vorwerfen nur gängige Muster zu kopieren. Die Band baut aus den vorhandenen Elementen eine eigene Mischung, die qualitativ überzeugt und alle Kritiker schnell verstummen lassen wird. Genauso ungläubiges Staunen dürfte der Gewinn des von Nuclear Blast ausgelobten Wettbewerbs ausgelöst haben. Die Talentscouts aus Donzdorf haben ganz sicher ein mehr als glückliches Händchen bewiesen, denn "Only Inhuman" erweist sich als recht unwiderstehlich. SONIC SYNDICATE sind bemüht alles schnell zu verarbeiten, was gerade an Trubel und Neuem um sie herum passiert, kann man da schon perspektivisch an die Zukunft denken ? Was wird die nähere Zukunft bringen ?

Zunächst steht erstmal die Veröffentlichung des Albums an. Eine Tour wird es sicher geben, vermutlich aber erst nach dem Sommer. Viel wichtiger ist aber, daß die Band bereits für ein paar Festivals bestätigt ist. So steht das "Up from the ground"-Festival fest auf dem Terminkalender, darüber hinaus aber ebenso das "Wacken OpenAir", sicherlich eine Gelegenheit sich einem enorm großen Publikum zu stellen, zumal nun mit einem derart starken Album im Rücken. Nach dem eher kurzweiligen Interview, ein ausführliches wird sicher nach Veröffentlichung des Albums folgen, stapft das stattliche Grüppchen anschließend zunächst zum Essen, wo es ebenso feucht-fröhlich weitergeht wie zuvor. In bester Metal-Manier lassen wir den Abend nicht ruhig ausklingen, sondern geben uns zusammen mit der Band in einem lokalen Club den Rest, bis ein ungesunder Pegel erreicht ist und unsereins todmüde, wichtiger aber noch : total betrunken zum Hotel zurückwankt und beinahe noch im Stehen einschläft...

Was nun hat dieses Wochenende an Erkenntnissen gebracht ? Zum einen, daß die EU auch ihr Gutes hat und im Zuge der Europäisierung auch die Alkoholpreise in Schweden langsam annehmbar werden. Aber wichtiger : SONIC SYNDICATE sind ein enorm heißes Eisen. Sie sind jung, sie sind hungrig, sie haben ein extrem starkes Album in der Hinterhand. Auch wenn in diesem schnelllebigen Business Prognosen eine enorm kurze Halbwertzeit haben, so wird diese Band ihren Weg gehen. Bescheiden im Auftritt, aber mit umwerfendem Potential gesegnet, stehen diesem Sextett wirklich alle Türen offen.

 
 Links:
  myspace.com/sonicsyndicate
 
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