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Soilent Green

Storie von: arne, am 19.04.2008 ]

Wiederum hat es einige Jahre gedauert, bis mit “Inevitable Collapse In The Presence Of Conviction“ ein neues Album von SOILENT GREEN erscheint. Nach schweren Autounfällen und anderen einschneidenden Schicksalsschlägen war der Regenerationsprozess mit der Veröffentlichung der Comeback-Platte von 2005, “Confrontation”, für die Band aus New Orleans noch längst nicht abgeschlossen. Umso bemerkenswerter ist es, wie zielstrebig und hartnäckig die Musiker um ihre Karriere gekämpft und niemals aufgesteckt haben.

 
Allen Widrigkeiten und Labelproblemen zum Trotz verfolgt das Quartett seinen Weg im Grenzbereich zwischen Death Metal, Grind, Sludge und Southern Rock konsequent weiter. Entgegen einem Statement auf der myspace-site der Gruppe – “…Since then, the revamped and revitalized SOILENT GREEN have been busy working on new material for their next Relapse release.” – erscheint der fünfte Longplayer allerdings auf Metal Blade: “Das Statement ist alt und stammt noch aus der Zeit von “Confrontation”. Dasselbe gilt im Übrigen auch für unsere Beziehung zu Relapse.“, erklärt Gitarrist Brian Patton.

„Am Ende teilten beide Seiten die Einschätzung, dass es besser wäre, nicht länger zusammen zu arbeiten. Damals hatten wir eine Menge Pech und waren nach Autounfällen, lebensbedrohenden Verletzungen und sogar einem Todesfall gebeutelt und als Band verstümmelt. Das hinderte uns daran, unterwegs zu sein und die Platte zu promoten, was sowohl wir als auch Relapse lieber gesehen hätten. Da wir aber erst wieder auf die Beine kommen mussten, nahmen wir die nötige Auszeit und mussten überrascht feststellen, dass unser Label nicht zu uns hielt. Relapse ist toll, doch in der letzten Phase unserer Zusammenarbeit kamen wir nicht mehr so richtig zusammen. Metal Blade ist für uns ein natürlicher und für unsere Fans sicherlich auch nachvollziehbarer Schritt. Vor jeher sind sie an der Band interessiert gewesen und sie glauben an das Potenzial, das in uns steckt und an das, was wir noch erreichen können. Vor dem Hintergrund ihrer langen und erfolgreichen Geschichte erfüllt es uns mit stolz, heute Teil ihres Roasters zu sein.“

Der Labelwechsel hat SOILENT GREEN hörbar gut getan und scheint neue Kreativität freigesetzt zu haben: „All die Schicksalsschläge, die wir zu verkraften hatten, schwebten wie eine dunkle Wolke über uns und haben unsere Kreativität beeinträchtigt. Es brauchte seine Zeit, bis sich Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit wieder verflüchtigt hatten und wir frei und unvoreingenommen an das Schreiben neuer Songs gehen konnten. Die Arbeit an der neuen Scheibe hat sich als finaler Heilungsprozess erwiesen, so dass wir nur noch voran und nicht mehr zurück schauen. Rutan hat daran einen gewichtigen Anteil, denn er hat einen fantastischen Job abgeliefert, indem er das organische Element unseres Sounds so eingefangen hat, wie es sonst nur live zur Geltung kommt. All die Schwierig- und Unwägbarkeiten der Vergangenheit haben dazu geführt, dass wir vor allem als Menschen aber auch als Musiker gewachsen sind und heute unsere Stücke auf einem weitaus persönlicheren Level schreiben. Mehr denn je wissen wir es zu schätzen, was wir an SOILENT GREEN haben, und das wollen wir am Laufen halten.“

Der Vorgänger “Confrontation” wirkt im direkten Vergleich zu “Inevitable Collapse…“ fast gewöhnlich und zurück genommen. Die Musiker spielen auf der neuen Platte wieder stärker im Stil ihres unvergessenen Zweitwerks “Sewn Mouth


Secrets“, allerdings gesellt sich zur impulsiven und direkten Anlage ein durchdachtes und routiniertes Element. Die Verbindung von Elementen aus Sludge und Doom, Death und Thrash-Metal, rabiaten Grindcore-Salven sowie gelegentlichen Hardcore-Momenten gelingt der Band schlüssig wie wirkungsstark. SOILENT GREEN verlangen sich selbst und den Hörern einiges ab, doch sie übertreiben es nicht: „Ich kann der Aussage zustimmen, dass progressive und technisch anspruchsvolle Musik heute deutlich akzeptierter ist, doch woran das liegt, weiß ich nicht. Mir persönlich geht es so, dass mich insbesondere die Musik anspricht, die mich zum Nachdenken bringt. Es scheint so zu sein, als setzte dieses Gefühl, dieser Anspruch, bei immer mehr Leuten ein. In welche Richtung sich dieser „Trend“ entwickelt, bleibt abzuwarten, denn es wird nicht ausreichen, allein auf wilde Breaks, abgefahrene Rhythmen und krasse Technik zu setzen. Wer Hooklines und nachvollziehbare Songstrukturen außen vor lässt, wird auf längere Sicht kaum bestehen können. Schließlich geht es nicht darum, wie hart ein Riff ist, sondern darum, welche Qualität es aufweist und ob es sich in die Ohren der Hörer einbrennt.“

Diese Lehre hat man von den früheren Releases gezogen. Anstelle immer noch eine Schippe nachzulegen, nehmen sich SOILENT GREEN auf “Inevitable Collapse…“ gelegentlich zurück und „begnügen“ sich damit, heavy zu sein: „Auch wenn es vielleicht überraschend klingt, wir fürchten uns nicht vor dem Kontakt mit den jungen Crowds. Natürlich hoffen wir darauf, dass sie uns mögen, aber das kann man nicht wirklich beeinflussen. Jeder, der ein Faible für extreme Musik hat, dürfte bei uns Ansätze finden, die ihm Gefallen. Ausgehend von diesem Anknüpfungspunkt kann man dann weitergehen. Was sich für uns sicherlich als hinderlich erweisen könnte, ist der Umstand, dass seit unserer letzten Platte drei Jahre vergangen sind. Für die, die uns kennen, ist die Spanne nicht unbedingt zu lang, aber jüngere Hörer haben vielleicht noch nie mit uns Kontakt gehabt. Doch auch nach all den Jahren mit der Band sind wir noch immer davon überzeugt, dass unser Sound zeitgemäß und originell klingt.“

Dass es sich bei dieser Aussage um mehr als nur leere Worte handelt, beweist der Metal Blade-Einstand der Extrem-Kombo eindrucksvoll: „Das Streben nach Originalität ist für uns essentiell. So abgedroschen es auch klingen mag: Wir schreiben die Art von Musik, die wir selbst hören wollen, und die es da draußen nicht gibt. Ich habe jeweils nur eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und SOILENT GREEN spiegeln das wider. Spiel den Riff, wirbele herum und gehe weiter in den nächsten Part. Darum geht es hier. Mit Eyehategod bewege ich mich in der genau entgegengesetzten Richtung. Dort agieren wir weitaus simpler und wiederholen ein und dasselbe Riff immer und immer wieder, egal, ob es schnell oder langsam ist. Das würde im Kontext von SOILENT GREEN nicht funktionieren.“

 
 Links:
  myspace.com/soilentgreen
 
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