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Horse The Band

Storie von: arne, am 13.05.2008 ]

Nachdem die früheren Releases von HORSE THE BAND hierzulande allein auf dem Import-Weg zu bekommen waren, hat sich Ferret die Veröffentlichungsrechte für das Drittwerk der Crazy-Frickler in Europa gesichert. Das in den USA über Koch Records erschienende “A Natural Death“ hat es in sich, auch wenn das Quintett verglichen mit den beiden Vorgängern “R. Borlax” (Pluto/2003) und “The Mechanical Hand” (Combat Core/2005) dieses Mal in Teilen fast gewöhnlich und nachvollziehbar angelegt ist. Die Betonung liegt auf fast!

 
Denn natürlich ist der NintendoCore der Jungs aus Los Angeles absolut eigen und steht abermals außerhalb des Wettbewerbs. Im „Post-Core-Universum“ besteht nach wie vor Raum für wirkliche Innovation und Originalität. Der Titel des vorletzten Tracks ’I Think We Are Both Suffering From The Same Crushing Metaphysical Crisis’ bringt das Treiben von HORSE THE BAND auf den Punkt. Alles klar, oder!?

„Wir stecken irgendwo im Nichts und haben gerade die Hälfte unserer bislang verrücktesten Tour absolviert, die uns in drei Monaten durch 40 Länder führt. Es ist ein Ritt um die ganze Welt und gerade haben wir unsere Abenteuer im Nahen Osten beendet.“, berichtet Gitarrist Gitarrist David Isen zum Auftakt des Gesprächs. Die Kalifornier erfahren Aufmerksamkeit und Wertschätzung allerorten, gerade auch deshalb, weil sie „anders“ sind: „Mit dem Begriff Post-Hardcore kann ich nichts anfangen und ich sehe uns auch nicht in dieser Kategorie. Man könnte allenfalls sagen, dass wir die zentralen Ideen des Hardcore auf ihren Kern herunter gebrochen und sie mit einem neuen Bedeutungskontext versehen haben. Dazu kommt eine gehörige Portion post-moderner Ironie und etwas Sarkasmus. So kann man es sicherlich fassen. In jedem Fall klingen wir wie keine andere Hardcore-Band da draußen. Vergleichen mit anderen Gruppen sehen wir aus diesem Grund gelassen entgegen. Wir machen unser eigenes Ding, während sich viele der neuen Gruppen immer neue Label ausdenken, um auf sich aufmerksam zu machen. Das haben wir nicht nötig. Bei uns steht die Musik im Mittelpunkt.“

HORSE THE BAND vermischen in ihren wilden und hoch explosiven Stücken alles und nichts zugleich. Elemente aus dem Metal, Grind, Punk, Hardcore, Screamo, Pop und Indie werden mit teils abstrusen Nintendo-Samples und abgefahrenen Keyboard-Sounds versetzt. Das Ergebnis ist dabei nur schwer in Worte zu fassen, jedoch allemal hörbar: „Abgefahrene und verrückte Bands gibt es so lange, wie es Rock gibt, insbesondere aber seit den herausragenden Prog-Gruppen der 70er Jahre. Yes, Genesis oder King Crimson hatten sogar das Glück, dass sie recht populär geworden sind und viele Fans gefunden haben. Ihr Schaffen wirkt bis heute nach und inspiriert noch immer Unmengen an Musikern. In gewissen Abständen kommt das immer mal wieder hoch, so dass ältere Hörer daran erinnert und jüngere darauf aufmerksam werden. Lässt das Interesse an komplexer und verspielter Musik wieder nach, profitieren davon meistens die kratzigen Punk-Bands. Unser Sound vereint beide Facetten, so dass wir immer Hörer finden werden.“

Gerade auch deshalb, weil die neuen Songs neben Schwerpunkten im experimentellen Prog und wilden Punk auch eine deutliche Metal-Schlagseite aufweisen und der Einsatz von Keyboards und Synthies nicht mehr ganz so dominant erfolgt: „Natürlich ist es für uns dahingehend einfacher geworden, dass es derzeit viele Leute gibt, die uns wenigstens interessiert und aufgeschlossen gegenüber stehen und die uns eine Chance geben. Das hat sich gerade in den letzten Jahren verstärkt, wofür wir dankbar sind. Dieser Effekt wird davon getragen, dass die Hardcore-Szene insgesamt wieder größer ist und das weltweit. Die Leute suchen nach anderen Ideen


und neuen Sounds, die sie herausfordern und mit denen sie sich auseinander setzen können. Das spiegelt sich in der großen Anzahl an Bands wider, die aktiv ist und die Welt betourt. Auch wenn die derzeit so angesagte Tech-Metal-Noise-Welle abebbt und die Leute neuen Input suchen, sind wir da.“ Als Hörer muss man fordernden und komplexen Songstrukturen und einer Vielzahl unkonventioneller Ideen aufgeschlossen gegenüber stehen. HORSE THE BAND legen es nicht darauf an, gemocht zu werden und verändern von Platte zu Platte ihr Gesicht:

„Stillstand gibt es bei uns nicht. Ein neues Album ohne eine merkliche Weiterentwicklung oder neue Stilelemente zu veröffentlichen, scheint mir undenkbar und wäre aus meiner Sicht ein großer Fehler. Wir pushen uns ganz bewusst, beständig neue Wege zu gehen und neue Dinge auszuprobieren. Nur wenn man das tut, kann man sich immer wieder neu inspirieren und bessere Songs schreiben. Unsere Fans schätzen es, dass die Platten unterschiedlich klingen und ihnen jeweils sogar eine erkennbar andere Absicht zugrunde liegt. Es ist unsere Band-Maxime, uns beständig weiter zu entwickeln und weitere Ausdrucksformen in unseren Sound zu integrieren. Wir werden aber niemals völlig die Richtung ändern. Warum auch? Jeder von uns hat auf seinem Instrument eine sehr eigene Arbeitsweise, die im Zusammenspiel zu einem eigenständigen Bandsound führt. Das verstärkt sich mit jedem neuen Album. Dennoch lassen wir natürlich alles auf uns zukommen, denn man weiß ja nie. Vielleicht klingen wir irgendwann doch vollkommen anders. Ausschließen möchte ich das nicht, doch egal, was wir bislang riskiert und ausprobiert haben, am Ende klangen wir noch immer nach HORSE THE BAND.“

Der Gitarrist liefert sogleich ein schönes Bild dessen, wie der wüste Mix zwischen The Locust, Daughters, Blood Brothers und Mr. Bungle zu beschreiben ist: „Unser Sound lässt sich gut mit einer Zwiebel vergleichen. Will man zum genießbaren Kern vorstoßen, muss man anfangen, sie zu schälen. Dabei darf man aber nicht zu weit gehen, denn sonst stellt man fest, dass gar nichts mehr da ist. Wie eine Zwiebel ist unser Sound sowohl scharf als auch widerlich. Dieser Grundsatz gilt für alle komplexen Phänomene: Der Kern ist stets ein Geheimnis.“

Den Albumtitel darf man dabei durchaus wörtlich nehmen: „Letztlich ist jeder Tod natürlich, denn er gehört zum Leben. Es ist ein sich wiederholendes Statement, das entweder als zutiefst banal und offensichtlich oder als extrem tiefsinnig verstanden werden kann. Auch den Tod der Pilgerväter, die von Indianern umgebracht worden sind, kann man als natürlich verstehen, denn die Indianer sind Teil der Natur. “A Natural Death” repräsentiert uns nicht allerdings nicht 100-prozentig, denn sowohl musikalisch als auch textlich ist es ein sehr dunkles und destruktiv gestimmtes Album. Auf unseren Shows gibt es immer auch eine Menge Spaß und eine positive Schlagseite. Und doch bin ich stolz darauf, welch eine konsistente und anspruchsvolle Platte wir abgeliefert haben. Sie ist ein Spiegelbild unserer Zeit und genau das sollte sie werden. Zum ersten Mal haben wir danach gestrebt, ein vorab definiertes Ziel umzusetzen und das ist uns gelungen.“

 
 Links:
  myspace.com/horsetheband
 
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