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Selfmadegod Records

Storie von: arne, am 09.03.2009 ]

Polen und Grindcore passen durchaus gut zusammen. Neben etlichen beachtenswerten Gruppen hat sich mit SELFMADEGOD RECORDS auch ein Label etabliert, dessen Releases für Genre-Fans essentiell sind. Den Claim „Extreme Music Propaganda“ trägt man schließlich nicht grundlos.

 
Namen wie Agathocles, Antigama, Blood I Bleed, Catheter, Dead Infection, Drugs Of Faith, Hirax, Myopia, Third Degree, Toxic Bonkers, Wojczech und Voetsek sprechen zweifellos für sich und belegen ein gehobenes Qualitätsbewusstsein bei Karol Pienko, der das Label zunächst kurz vorstellt: „SELFMADEGOD ist vor neun Jahren von Daniel und mir mit dem Anspruch gegründet worden, gute Gruppen aus dem Spannungsfeld zwischen Grindcore, Punk und Metal auf CD zu veröffentlichen. Wir sind zu einer Zeit gestartet, als in Polen noch vornehmlich Tapes in Umlauf und CDs eine Seltenheit waren. 2001 sind mit Agathocles’ „Mince Core History 1989-1993” und Selfhate’s „At The Beginning God Created Fear” unsere ersten beiden Veröffentlichungen erschienen. Bis heute haben wir es auf 50 Releases gebracht.“

Die musikalische Sozialisation des Polen verlief wie folgt: „1995 habe ich zunächst den Punk für mich entdeckt. Zwei Jahre später lernte ich dann Daniel kennen, wir wurden Freunde und interessierten uns schnell für die brutalen Spielarten des Punk: Crust-Punk, Grindcore und Power Violence; später dann auch für Metal. Zwischen 1997 und 1999 hatten wir zunächst ein Tape-Label am Laufen, bevor wir dann mit SELFMADEGOD auf CDs umstiegen.“ Mit Musik und Bands verbunden war Karol bereits davor: „Ich habe niemals selbst in einer Band gespielt, mochte jedoch stets den Gedanken, denjenigen etwas zurück zu geben, die etwas für mich tun. Deshalb ist letztlich das Label entstanden. Zuvor habe ich bereits ein kopiertes Fanzine und einen monatlichen Newsletter heraus gegeben, der sich mit Politik und Musik beschäftigte. Daraus wurde das Violence Magazin, das wir im Rahmen von SELFMADEGOD bis heute am Leben gehalten haben.“ Die ungewöhnliche Betitelung des Labels hat indes keinen besonderen Hintergrund:

„Wir suchten nach einem ungewöhnlichen und originellen Namen, den nicht jeder für sich wählen würde, der jedoch klar verständlich sein sollte. Es gab verschiedene Vorschläge, doch am Ende schien uns SELFMADEGOD am Passendsten. Ich erinnere mich nur noch daran, dass wir das Wort aus dem Text einer der frühen Power Violence


-Gruppen hatten.“ Neben den „gewöhnlichen“ Problemen von Label-Machern kämpfen die Polen auf dem heimischen Markt zusätzlich mit besonderen Umständen, die den Fortbestand von SMG durchaus gefährden können: „Aus meiner Sicht ist es entscheidend, stets auf die eigene Intuition zu hören und einhundert Prozent hinter dem zu stehen, was man tut. Ohne Aufrichtigkeit geht nichts. Wenn du aber eine Band und eine Platte hast, von der du vollends überzeugt bist, heisst das nicht zwangsläufig, dass sie sich auch verkaufen wird. In Osteuropa hast du überdies noch das Problem, das schnell illegale Kopien deiner Releases auf dem Markt sind, so dass du die Originale hier nicht einmal mehr zu extrem reduzierten Preisen loswirst. Das geht natürlich zu Lasten der Motivation. Gelegentlich frage ich mich, ob es in der heutigen Zeit noch einen Platz für Labels wie das unsere gibt, das Underground-Stuff veröffentlicht und primär auf Diehard-Hörer abzielt. Aktiv zu bleiben ist ein bestädiger Kampf ums Überleben. Dennoch freue mich ich, dass es uns noch immer gibt. Was uns antreibt, ist der Zuspruch von Freunden und das Wissen, den Bands zu helfen und sie unterstützen zu können.“

Einzelne Veröffentlichungen aus qualitativen Gesichtspunkten hevorheben kann Karol nicht: „Das ist schwierig, da sie mir alle sehr viel bedeuten und ich hinter allen stehe. Im Sinne von Verkäufen sind es natürlich die Platten der bekannteren Gruppen, die am besten laufen, doch das ist von Land zu Land verschieden. Bands wie Hirax, Dead Infection, Retaliation, Antigama, Voetsek, Catheter und XXX Maniak erfahren automatisch mehr Aufmerksamkeit als die Bands, die sich erst noch ihre Sporen verdienen müssen.“ Mit der Mischung aus bekannten Genre-Größen und potenten Newcomern wird SELFMADEGOD auch zukünftig eine ernst zu nehmende Größe im Grindcore-Underground bleiben. Für den März stehen zunächst Mothra’s „Dyes“ und „Ultra Selfish Revolution“ von Egoist an. Im weiteren Verlauf des Jahres werden dann weitere Alben von Hirax, Blood I Bleed und Incarnated sowie eine 4CD-Box der italienischen Kult-Grinder Cripple Bastards folgen.

 
 Links:
  selfmadegod.com
 
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