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Suicide Silence

Storie von: arne, am 06.07.2009 ]

WIDER DER IGNORANZ. Die aus Kalifornien stammenden SUICIDE SILENCE halten sich auf ihrem „No Time To Bleed“ nicht mit Nebensächlichkeiten auf. Zwischen Brutalo-Death, Grindcore und MetalCore geht es in einen kompromisslosen und rabiaten Extrem-Cocktail, der das Potenzial birgt, nachhaltig zu wirken und sogar für den Einsatz in der Hardcore-Disco taugt.

 
„Es stimmt, wir haben „The Cleansing“ tatsächlich live im Studio eingespielt,“ bestätigt es Shouter Mitch Lucker im Gespräch im Rückblick auf die erste Platte. „Pro Song hatten wir jeweils nur einige Riffs und Parts fertig. Den Rest haben wir dann im Studio zusammengejamt. Für „No Time To Bleed“ gab es nun erstmalig richtiges Songwriting und einen definierten Arbeitsprozess im Vorfeld, auch wenn die Tracks praktisch überall entstanden sind. Wir waren ja die ganze Zeit über auf Tour. Dennoch haben wir beständig an den Songs gearbeitet, immer wieder kleine Dinge verändert und im Ergebnis zu einem konsistenten Sound gefunden.“ Der zweite Longplayer des Quintetts ist in Kooperation mit Machine (u. a. LAMB OF GOD, 18 VISIONS, FALL OUT BOY) entstanden, was die Jungspunde von der Westküste an ihre Grenzen gehen ließ: „Wir wussten, dass wir mit einem unglaublichen Produzenten zusammenarbeiten würden. Deshalb haben wir uns gehörig unter Druck gesetzt. Schon aus diesem Grund war alles anders als beim Debüt. Wir waren gezwungen, mit fertigen Ideen ins Studio zu kommen. Die Song-Strukturen standen noch nicht komplett, aber es fehlte allein die letzte Adjustierung. Die Leistung von Machine bestand darin, uns beständig anzutreiben und uns nicht zur Ruhe zu kommen zu lassen. Er hat es uns ausgetrieben, zu früh zufrieden zu sein und uns richtig in den Arsch getreten.“

„No Time To Bleed“ besticht mit einer glänzend ausbalancierten Anlage zwischen ultraschnellen Blastbeats und brutalem MidTempo-Mosh. Im Unterschied zur ersten Platte sind die elf Stücke aber auch catchy und wiedererkennbar angelegt. Hinzu gesellen sich krasse Lyrics, die dem musikalischen Unterbau in ihrer schonungslosen Angriffshaltung in nichts nachstehen: „Es ist offenkundig, dass ich von der Welt und den Leuten, die auf ihr leben, noch angepisster bin und meine Frustration lauthals herausschreie,“ bestätigt es SUICIDE SILENCE-Shouter Mitch. „Das spiegelt sich auch im Aufbau der Songs wider, denn ohne eine greifbare Verbindung geht es nicht. Als wir mit der Arbeit starteten, haben wir ganz bewusst bei null angefangen und keine alten Songs oder nicht genutzte Fragmente hervorgekramt. Das taten wir bei „The Cleansing“, und schon damals waren wir mit dieser Arbeitsweise unglücklich. Der Spaßfaktor steigt automatisch, wenn du dich selbst herausforderst. Die Strapazen der Mehrarbeit vergisst man dann sehr schnell. Wir haben die Herausforderung bewusst angenommen, denn es war uns wichtig, dynamischer aufzutreten und uns aus der Enge des Deathcore zu befreien. Mit dem Album sind wir nun dort angekommen, wo wir schon mit dem Debüt sein wollten.“

Für seine Texte hat Mitch eine neue „Spielwiese“ entdeckt und rückt von persönlichen Themen ab: „Ich beschäftige mich mit dem, was von vielen


übersehen oder mit zu geringer Aufmerksamkeit versehen wird. Die Welt steht am Abgrund, doch die Leute scheinen es nicht wahrhaben zu wollen. Stattdessen kümmern sie sich um ihr persönliches Wohlbefinden und darum, nichts von ihrer Lebensqualität einzubüßen. So blind und desinteressiert kann man doch gar nicht sein. Mit meinen Texten will ich wachrütteln. Der Opener ,Wake Up’ steht hier symbolhaft, auch wenn er eigentlich von einer Person erzählt, die einen Drogentrip hinter sich lassen soll. Doch es existieren offenkundige Überschneidungen zum Zustand der Gesellschaft. Fast alle Texte erzählen davon, wie sehr ich die Mechanismen der Welt um mich herum verachte.“ Noch sieht Mitch aber Ansätze, die Situation zum Besseren zu wenden: „Für mich wäre es schon ein akzeptabler Start, wenn die Leute ihre Kinder vernünftig erziehen würden, die Umwelt nicht wie Scheiße behandelten und ein Bewusstsein dafür entwickeln würden, welche Welt sie den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Die vorherrschende Mentalität, sich um nichts zu kümmern und nichts zu hinterfragen, kotzt mich an. Wie soll es da zu einer Weiterentwicklung oder zu Veränderungen kommen? Geht es so weiter wie bisher, ist die Katastrophe unvermeidbar. Ist es das, was wir wollen?“

Die Rezeption und die mögliche Wirkung seiner Texte kann Mitch nicht einschätzen. Dem Quintett geht es ohnehin noch darum, sich nachhaltig im Death-Genre zu etablieren und sich eine loyale Fanbasis aufzubauen. Angst vor großen Aufgaben kennen die Kalifornier dabei nicht: „Meiner Einschätzung nach wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die älteren Metal-Hörer Bands wie SUICIDE SILENCE wirklich akzeptieren und schätzen lernen werden. Das liegt nicht einmal daran, dass sie Neuem gegenüber verschlossen sind. Der Punkt ist vielmehr, dass sie den Gruppen, die sie seit Jahren und Jahrzehnten kennen, so unbeirrt die Treue halten. Mit dem Gedanken, dass Newcomer die Reihen der „alten Helden“ aufbrechen, können sie sich nur langsam anfreunden. Deshalb fällt es schwer, auch nur annähernd abzuschätzen, wie weit bzw. wohin wir es mit der Band bringen werden. Irgendwann einen Legenden-Status wie etwa MORBID ANGEL inne zu haben, wäre natürlich ein Traum.“

Auf die Tourerfahrungen mit einschlägigen Metal-Größen angesprochen äußert Shouter Mitch: „Viele Leute stempeln uns ab, ohne uns gesehen oder gehört zu haben. Bei denen kann man nichts reißen, denn ihnen reicht schon die bloße Vorstellung von dir, um dich nicht zu mögen. Diesbezüglich haben wir das Publikum von BEHEMOTH und SEPULTURA als sehr ignorant erlebt. Wenn wir in Kürze mit SLAYER spielen, wird es wohl ähnlich sein. Es sind vor allem die Shows mit berühmten Größen, bei denen der überwiegende Teil der Leute engstirnig und verweigernd eingestellt ist.“

 
 Links:
  myspace.com/suicidesilence
 
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