Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1739

Sometree

Interview von: Matthias Rauch mit Björn Bauermeister, am: 29.11.2009 ]

Man hatte mittlerweile schon Sorge, dass es das nun gewesen sein könnte mit dem Kapitel Sometree. Doch so schnell wird man den sympathischen Vierer mit Wahlheimat Berlin glücklicherweise nicht los. Denn die Band hat dieser Tage mit „Yonder“ das zweifellos beste Sometree Album abgeliefert und auch die entsprechende Liveumsetzung ließ nicht lange auf sich warten. Auch wenn die Band nicht mehr unbedingt der Lebensmittelpunkt der vier ist, so muss man sich bei solch fantastischen Songs keine Sorgen machen. Wir sprachen mit Schlagzeuger Björn Bauermeister über die Arbeit an „Yonder“, der Liveumsetzung und die Zukunft nach der Musik.

 

Musicscan: Ich muss zugeben, dass ich euch seit wir das letzte Mal gesprochen hatten (das war zur Veröffentlichung von „Moleskine“) etwas aus den Augen verloren habe. Doch das aktuelle Album hat dies umgehend und sehr eindrücklich geändert. Nachdem „Bending The Willow“ bisweilen etwas überambitioniert klang, scheint es, dass ihr mit dem neuen Album einiges an Ballast abgeworfen habt. Würdet ihr dem zustimmen? Inwiefern ist „Yonder“ eine Art Befreiungsschlag für euch?

Sometree: Die Produktion zu „Bending The Willow“ war eine sehr langwierige und kräftezehrende. Eine derart schwere Geburt wollten wir für das neue Album natürlich vermeiden. Dass wir „Yonder“ deshalb mit links aus dem Ärmel geschüttelt hätten, wäre absolut übertrieben. Auch für dieses Album haben wir viel Zeit und Arbeit investiert, allerdings ohne so große Talfahrten und Torturen wie bei dem Album zuvor. Musikalisch betrachtet haben wir in der Tat versucht, Ballast abzuwerfen, indem wir uns mehr auf die Songs fokussierten. Was ist nötig, was ist unnötig? Was fehlt, was ist überflüssig? Kriegen wir nicht vielleicht mit „etwas weniger“, „etwas mehr“ hin? Können wir dies oder jenes nicht auch noch einmal anders ausprobieren? Diese und viele andere Fragen stellten wir uns öfter während des Songwritings. Insofern: Ja, ich würde zustimmen, auch wenn ich „Yonder“ nicht als Befreiungsschlag bezeichnen würde, sondern eher als Konsequenz oder eben den nächstmöglichen Schritt.

Musicscan: Welchen Einfluss hatte Tobias Siebert auf die Platte bzw. was habt ihr euch durch die Zusammenarbeit besonders erhofft?

Sometree: Tobias war sehr wichtig für „Yonder“, sowohl in der Entstehungsphase als auch im Aufnahmeprozess. Er war aufmerksam und geduldig, hat sich in die Songs eingefühlt, hat ihnen neue Impulse gegeben und versteht, wie diese Band und ihre Musik tickt, weiß aber gleichzeitig auch, wo Grenzen sind. Er war für uns ein Produzent, der mehr als Freund als ein Diktator mitwirkte - genau das hatten wir uns auch von dieser Zusammenarbeit erhofft.

Musicscan: Nach all den Jahren, die ihr nun mit Sometree hinter euch gebracht habt, würde mich interessieren, welchen Stellenwert die Band als solches in eurem Leben noch einnimmt. Inwiefern hat sich das Verhältnis zu Sometree über die Jahre verändert. Gibt es mittlerweile so etwas wie Distanz zum eigenen Schaffen?

Sometree: Sometree ist nach wie vor sehr wichtig im Leben eines jeden Einzelnen von uns. Es ist wichtig für uns, dass wir diese Band haben, wir uns in und mit ihr austoben und unsere künstlerische Freiheit durch sie genießen können. Aber natürlich sind die Umstände mittlerweile anders, als Ende der Neunziger. Wir sind keine Studenten mehr, können also nicht mal eben einen Monat durch Europa touren, sondern müssen uns um unseren Lebensunterhalt kümmern. Der Stellenwert verändert sich dadurch aber nicht.

Musicscan: Wie kam es dazu, dass das Zentrum der meisten Songs auf „Yonder“ das Klavier ist und die meisten Songs auch vom Klavier ausgehen. Wurde der Großteil der Songs auch auf dem Klavier geschrieben? Wie kam es zu dieser Veränderung?

Sometree: Auch auf dem Album zuvor haben wir schon viel mit dem Klavier gearbeitet. Grundsätzlich war es in den letzten Jahren so, dass uns das Hinzuziehen des Pianos und auch anderer Instrumente neue Perspektiven während des Songwritings gegeben hat. Ein neues Gitarrenriff kann cool klingen, kann aber auf dem Piano gespielt eine ganz andere Wirkung haben, einen Song in eine ganz andere Richtung bringen. Das wollten wir immer ausloten. Und deshalb haben wir viele Ideen, die vielleicht auf Gitarre entstanden sind, umgeschrieben. Auf der anderen Seite sind aber auch Ideen unabhängig von der Gitarre nur am Klavier entstanden. Unter dem Strich ist die Erweiterung der genutzten Instrumente einfach nur die Folge unseres Willens, sich weiterzuentwickeln und unsere Songs in andere Gefilde zu puschen, die einen selbst begeistern.

Musicscan: Wie werdet ihr die Songs der aktuellen Platte live umsetzen? Besteht da nicht die Gefahr, dass die Songs aufgrund der sehr ausgefeilten und üppigen Instrumentierungen live vielleicht etwas nackt dastehen? Ist es euch wichtig, eine gewisse Parallele zwischen Album und Live zu schaffen oder sind das letztlich zwei getrennte Sphären, die nicht unbedingt allzu viel miteinander zu tun haben müssen?

Sometree: Bei einem Livekonzert den Tonträger eins zu eins wiederzugeben ist in meinen Ohren eher langweilig. Auf der anderen Seite bin ich auch von Bands immer enttäuscht, wenn sie im Studio dick aufschichten und live dann noch nicht einmal die Hälfte davon umsetzen können. Wir haben immer versucht, all unsere Extremitäten live zu nutzen, um so viele Instrumente und Samples von unseren Alben auch selbst live spielen zu können. Bisher hat das immer ganz gut geklappt. Auf der jetzigen Tour haben wir aber unseren Freund Sean dabei, der bereits während der Produktion als Gesangs- und Vorproduktionsbegleiter dabei war. Er spielt bei einigen Songs Klavier und Gitarre. Das gibt uns die Möglichkeit, noch mehr und vor allem auch etwas entspannter die Songs so umzusetzen, dass sie nicht „nackt“ dastehen.

Musicscan: Gab es bestimmte Künstler, die als wichtige Inspirationsquellen für dieses Album dienten?

Sometree: Nein. Dafür hören wir alle zu viele unterschiedliche Sachen, um eine allgemeingültige Patenschaft für „Yonder“ zu bestimmen.

Musicscan: Wie empfandet ihr die Shows mit Snow Patrol? Wie kam es überhaupt dazu und wie wurdet ihr dort aufgenommen?

Sometree: Wir sind bei derselben Booking-Agentur, so dass uns diese Möglichkeit angeboten wurde. Es war eine tolle Chance und interessante Erfahrung für uns. Natürlich haben sich einige unter den tausenden Besuchern während unseres Konzertes hin und wieder die Ohren zugehalten – vielleicht wegen der Lautstärke, vielleicht auch aus Unverständnis. Aber unterm Strich war es gut, wir haben dort sehr viele Platten verkauft, haben Leute erreicht, die den Namen „Sometree“ noch nie zuvor gehört haben und konnten in Hallen spielen, die wir vermutlich nie wieder beschallen werden.

Musicscan: Wie haltet ihr euch finanziell über Wasser, wenn ihr nicht auf Tour seid? Ist dieses Wechselverhältnis aus wahrscheinlich frustrierenden Nebenjobs und Band nicht sehr anstrengend und zermürbend?

Sometree: Es ist gewöhnungsbedürftig, speziell dann, wenn man eben sehr viel Zeit seines Lebens und seines Alltags in diese Band gesteckt hat bzw. steckt. Aber wir haben alle unsere Jobs daheim, ohne die wir diese Band nicht mehr weiterführen könnten. Sometree wirft kein Geld ab. Das tägliche Brot muss man sich woanders holen. Das Geld, was hier reinkommt, geht in die Unkosten oder eben in ein neues Album.

Musicscan: Gibt es etwas, das ihr im Nachhinein in künstlerischer Hinsicht anders gemacht hättet?

Sometree: Nein.

Musicscan: Welche konkreten Auswirkungen haben die momentanen, doch vergleichweise drastischen Veränderungen im Musikzirkus auf euch als Band? Hat sich das Verhältnis der Leute zu Musik verändert, also hat Musik mittlerweile eine andere Wertigkeit als noch vor ca. 10 Jahren?

Sometree: Nun, die Zeiten haben sich dahingehend verändert, dass es auch für „mittelständige“ Bands heute kaum noch möglich ist, von ihrem Schaffen zu leben. Das war mal anders. Und durch die Schnelllebigkeit, die veränderten Musikproduktionsmöglichkeiten und das große, leicht abzugreifende Angebot verändert sich eben auch das Hör- und Konsumverhalten der Leute. Es rückt immer mehr in den Hintergrund, dass das, was man sich da auf den Rechner oder Player zieht, einen Wert hat. Einen Wert, weil da bestenfalls ganz viel Arbeit und Herzblut drinsteckt, was man sich da zwischendurch gezogen hat und gerade hört. Das ist schade, aber auch eine nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung. Was ich daran aber wirklich schade finde, ist der Umstand, dass Musik auch immer mehr nebenbei konsumiert wird, dieses physische, haptische Erlebnis eine Platte auszupacken und aufzulegen geht einem beim Festplatte hochfahren völlig ab.

Musicscan: Haltet ihr es für möglich, dass das Albumformat bald der Vergangenheit angehört und die Leute sich ausschließlich noch einzelne Songs herunterladen? Welche Veränderung seht ihr da möglicherweise für die Musik selbst?

Sometree: Ja, ich könnte mir das vorstellen. Vielleicht stellen Bands in zehn Jahren einfach immer ihre fertig aufgenommenen Songs gleich ins Netz, Stück für Stück. Plattenfirmen braucht man dann natürlich nicht mehr, aber was solls!? Wenngleich ich aber wirklich hoffe, dass das Album als künstlerische Einheit nicht verschwindet. Denn einzelne, gute Songs sind natürlich nett und schön, aber das eigentlich Reizvolle ist es doch, ein rundes Ganzes zusammenzuschustern, sprich ein Album, das aus verschiedenen Einzelstücke zu einer Einheit wird, sich nur in Gänze erschließt und wirklich aufgeht. Das sehe ich als Musikmachender, aber eben auch als Musikhörender so.

Musicscan: Seht ihr einen Unterschied zwischen Kunst und Unterhaltung?

Sometree: Ja, denn Kunst und Unterhaltung sind nicht zwangsläufig miteinander verknüpft. Es gibt Kunst, die wenig unterhaltsam sprich äußerst langweilig ist - und Unterhaltung ist nicht immer eine große Kunst.

Musicscan: Was darf man von euch in der nächsten Zeit erwarten, abgesehen von der anstehenden Tour? Irgendwelche konkreten Pläne?

Sometree: Wir sind gerade auf Tour. Mehr wird in diesem Jahr nicht passieren, außer der Vorbereitung und Zusammenstellung unseres ersten Japan-Releases. Für 2010 gibt es keine konkreten Pläne, nur Ideen. Vielleicht spielen wir ein wenig im Ausland, vielleicht setzen wir uns an neue Songs, vielleicht wird es auch wieder etwas ruhiger um uns. Man wird sehen.

 
 Links:
  Sometree
  Sometree @ Myspace
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Carnifex
  Sum 41
  Art Of Dying
  Crown The Empire
  Heart Of A Coward

Interviews/Stories:

  Tluf
  Full Of Hell
  The Butcher Sisters

Shows:

  20.06. Darkness - Bussfeld
  21.06. Jaded Heart - Duisburg
  21.06. Corrosion Of Conformity - Netphen
  22.06. The Prophecy 23 - Bussfeld
  22.06. Emerald - Weselberg